Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1882)
- Date
- 1882-02-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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156 I philosophischen Roman; seine beiden ersten Werke: „Spinoza, ein Denkerleben" und „Dichter und Kaufmann" erzielten nur sehr geringe Erfolge. Im Anfang und in der Mitte der vierziger Jahre hatte der französische Schriftsteller Eugene Sue mit seinen „Geheimnissen von Paris" die ganze Welt in Aufregung versetzt. In diesen war das Leben in den Verbrechercolonien der großen Weltstadt geschildert. Sue fand Tausende von Nachahmern. Die Geheimnisse von London, von Berlin, von Wien, von Hamburg 2c. überschwemmten den literarischen Markt. Die Lefewelt war übersättigt von den piquanten Abenteuern der Räuber, Mörder Fälscher und Diebe. Da erschienen Auerbachs schwarzwälder Dorfgeschichten, in unnachahmlicher Grazie der Natur abgelauscht — einem frischen erquickenden Sommermorgen, von Waldeshauch durchwürzt, vergleichbar. Der Erfolg war ein durchschlagender. Eine Auflage erschien nach der andern, und der Ruhm Auerbachs war fest begründet. Seitdem hat der Dichter noch Vieles geschrieben, ohne daß eines seiner späteren Werke die „Dorfgeschichten" am poetischen Werthe zu erreichen vermochte. Auerbach hatte keinen festen Wohnsitz; er lebte abwechselnd in Frankfurt a. M., Dresden, Breslau, Berlin, Stuttgart, Heidelberg, Bingen 2c. In Dresden weigerte er sich, seinen Sohn beschneiden zu lassen, und als der damalige Oberrabbiner von Dresden, Z. Frankel, darauf drang und dabei von der Staatsbehörde unterstützt wurde, zog es Auerbach vor, Dresden zu verlassen und seinen Wohnsitz nach Breslau zu verlegen. Zum Ruhme des Dichters wollen wir noch hinzufügen, daß er, wiewohl dem praktischen Judenthum entfremdet, bei jeder Gelegenheit mit seinem Feuerworte für unterdrückte oder verfolgte Glaubensgenossen eingetreten ist. Fifchach (Bayern). Der isr. Gemeinde dahier ist kaum noch einige Wochen gegönnt, ihren allverehrten Herrn Rabbiner in ihrer Mitte zu haben. Im Monate -ns« wird derselbe n"w in seine neue Heimath, in Aschaffenburg, einziehen. So sehr wir ihm von ganzem Herzen smi ms zurufen und so innigen warmen Antheil auch alle hiesigen Einwohner an dem Wohlergehen ihres geliebten Rabbiners nehmen und von der Hoffnung getragen, daß er einem größeren Wirkungskreise entgegengeht, sich für ihn von ganzem Herzen seines Erfolges freuen, so ist diese Freude für uns doch eine getrübte nn» -rn". Jeder bedauert diesen Verlust, Qtpn nvny zumal es volle 25 Jahre sind, daß Herr Rabbiner Bamberger als Seelsorger dahier fungirt und hat er sich kraft seiner großen Gelehrsamkeit besonders r-"n"r/'D, seines immensen Scharfsinnes, glühenden Berufeifers, staunenswerther Beharrlichkeit im Bereiche des traditionellen Judenthums nicht nur hier und in der Umgegend, sondern auch in weiter Ferne Hochachtung und Ruhm erworben. Mt ängstlichem Gewissen ist Herr Rabbiner Bamberger seit 25jähriger Wirksamkeit den Pflichten seines Amtes nachgekommen, und hat zur Zufriedenheit Aller seine Obliegenheiten erfüllt. Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, alle Tugenden unseres Rabbiners aufzuzählen, sie würden die Spalten dieses hochgeschätzten Blattes zu sehr in Anspruch nehmen. Wir wünschen von Herzen, daß es Herrn Rabbiner Bamberger in feinem neuen Wirkungskreise recht wohl und gut ergehe, daß es ihm gegönnt sein möge rN ro?D 'n cn^ D’mn zu sein, und wird sich dann gewiß bestätigen, was der weise König Salomon sagt: '2) 1trttn o-n 'n mmu Höringhausen Infolge der Vorgänge in Rußland hat sich dahier ein Comittz gebildet, das nicht nur Beiträge aus der Gemeinde selbst, sondern auch aus der Umgegend zu sammeln bestrebt ist. Das Comits besteht aus den Herren Abr. Bickhardt, B. Adler u. Süßel Löwenstern. Möge dies in allen Gemeinden Nachahmung finden. H. Könitz, 26. Januar. Vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts hatten sich am Dienstag neunzehn Personen zu verantworten, welche an den in: Juli und August v. I. in Hammerstein stattgefundenen Ausschreitungen gegen die jüdischen Bewohner theilgenommen haben sollen. Nach einer umfangreichen Beweisaufnahme erkannte der Gerichtshof den Schlosserlehrling Julius Poch des Landfriedens für schuldig und verurtheilte denselben zu 14 Tagen Gefängniß. Dreizehn Angeklagte wurden der Verübung groben Unfugs überführt und mit Haftstrafen von einem Tage bis zu vier Wochen belegt. Die übrigen Angeklagten sprach der Gerichtshof frei. Metz, 6. Febr. Man schreibt uns: Die hiesige Kriegsschule scheint eine besondere Brutstätte des Antisemitismus zu sein, denn vor drei Wochen erlaubten sich Fähnriche, in einem hiesigen Cafe chantant verschiedene Israeliten durch Hepp-Hepp rufe zu insultiren; zur Rede gestellt, gaben sie schließlich „klein bei" und nahmen sehr scharfe Bemerkungen, die gegen sie fielen, ruhig hin. Gestern, Sonntag Abend kam es in demselben Cafe chantant wieder zu Reibereien, welche indeß einen anderen Ausgang nahmen. Auf die Hepp-Hepp-Rufe der Fähnriche verlangte ein Herr, welcher sich als Reserve-Officier legimitirte, die Karten dieser Herren und es mischten