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Der Israelit · 1882-02-15 · Heft 7 (15.2.1882) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 7 (15.2.1882)
Date
1882-02-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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er seinen vielen Ruhmesthaten auch noch diese hinzufügen, den Verkehr auf dem charitativen Gebiete von seinen Fesseln möglich befreit und der Wohlthäligkeitspflege eine Freifahrtskarte für alle postalischen Wege und Stege ausgestellt zu haben. Unmöglich ist ja unserer Postverwaltung bekanntlich nichts, vielleicht erfüllt sie auch diese humane Forderung in nicht allzuferner Zeit." Das hier Gesagte ist auch für uns seit langer Zeit ein Herzenswunsch. Wie viel würde bei unseren mannigfachen Sammlungen erspart werden, wenn die Post für Wohlthätigkeitszwecke Portofreiheit gewähren möchte! Da aber die Controle eine außerordentlich schwierige sein würde, so haben wir es bis jetzt unterlassen, in diesem Sinne bei der obersten Postbehörde zu petitioniren. In Bezug auf die Ereignisse in Warschau schreibt der Philantrop: „Der Nothschrei über das Wiener Unglück ist noch nicht verhallt und schon dringt — diesmal von der Weichsel her, aus dem unglücklichen Polenlande ein neuer Aufruf um Hilfe. Bei diesem Falle aber ist es nicht das entfesselte Element, welches Tausenden schwere Wunden geschlagen, es ist vielmehr Fanatismus und Rohheit der ungebildeten Masse und die von ihnen in Warschau ausgeübten Excesse erinnern an die dunkelsten Zeiten des Mittelalters. Wann wird endlich der Geist der Duldsamkeit diese dunkeln Abgründe, die selbt bei den hochcivilisirten Völkern der Gegenwart nur zu oft sich zeigen, für immer verschwinden? Solchen Vorfällen, wie den aus Warschau gemeldeten gegenüber, ist es ein Trost für jeden um unsere Civilisation bangenden Menschenfreund, daß die wahre Charitas, erhaben über jede Engherzigkeit verfinsterter Seelen, über Rauch nnd Trümmern, ein unermüdlicher Engel der Barmherzigkeit, einherschreitet und sich in ihren Werken der Nächstenliebe durch keine religiöse Differenz beirren läßt. Nach den letzten Mittheilungen aus Warschau haben 6000 Familien beim Vorstande der israelitischen Gemeinde die ihnen zugefügten Schädigungen an ihrem Eigenthum angemeldet. Ein Hilfsverein hat sich unter dem Präsidium des Stadtpräsidenten von Warschau, General Starankiewitz gebildet. Unter den Mitgliedern des Comitees, welches sich aus den angesehendsten Männern der Stadt, Christen und Juden, zusammengesetzt und einen Aufruf an alle Bürger Warschaus erlassen, befindet sich auch der Erzbischof Sotkiewicz. Der Aufruf schließt mit den Worten: „Im Namen der heiligen Idee der Barmherzigkeit appellirt das Comitean alle edlen Herzen mit der Bitte um Hilfe, angesichts des schweren Unglücks. Möge damit einerseits dokumentirt werden die heilige Idee der Nächstenliebe, andererseits, daß die hiesigen Einwohner sich mit Abscheu von Unrecht und Verfolgung abwenden. Möge die Charitas sich allseitig regen, das Unrecht wieder gut zu machen, welches rohe Gemüther in frevelnder Verhöhnung aller wahren Religiosität an ihren Mitmenschen ausgeübt haben." Wir fügen noch hinzu, daß der Herausgeber (ein Nichtjude) vom Geiste echter Toleranz und wahrhafter Humanität durchdrungen ist. Wir wünschen dem Unternehmen das beste Gedeihen. Praktische Methode der jüdisch-deutschen Currentschrift von I. Wiener, Lehrer in Pfalzburg. Die uns vorliegenden 3 Hefte, welche von den Rabbinen zu Metz, Straßburg, Colmar, Pfalzburg, Bischheim und Brumath empfohlen werden, sind in der That recht praktisch und systematisch eingerichtet, gehen vom Leichten zum Schweren, fördern außerordentlich den Unterricht in dieser Schrift und sind daher zur Einführung in jüdische Schulen zu empfehlen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 9. Februar. Aus Cannes in Südfrankreich kömmt uns die Trauernachricht zu, daß der berühmte Dichter Berthold Auerbach seinen Leiden erlegen ist. Berthold Auerbach ist am 28. Februar 1812 in dem württembergischen Dorfe Nordstetten am östlichen Abhange des Schwarzwaldes geboren. Sein Vater war Lehrer bei der israelitischen Gemeinde daselbst. Der lebhafte, geistvolle Knabe sollte Rabbiner werden und wurde deßhalb von seinen Eltern nach Hechingen geschickt, wo er unter der Leitung des dortigen Rabbiners im Talmud studirte. Zu seiner weiteren Ausbildung begab er sich später nach Karlsruhe und studirte dann in Tübingen, München und Heidelberg Philosophie und Geschichte. Um diese Zeit war es unter den Studenten Mode geworden, sich mit allerlei demagogischen Umtrieben zu befassen. Auch Auerbach hatte sich dazu verleiten lassen, kam in Untersuchung und wurde zu einer dreimonatlichen Festungshaft verurtheilt, die er aus dem Hohenasperg verbüßte. Den Plan, Rabbiner zu werden, hatte er längst aufgegeben. Auerbach widmete sich nun ganz und gar dem Berufe eines Schriftstellers. Er versuchte sich im

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