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Der Israelit · 1882-02-15 · Heft 7 (15.2.1882) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 7 (15.2.1882)
Date
1882-02-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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154 Hintergrund auffassen werde; daß die jüdische In-; telligenz in Rußland bereit sei, alle Kräfte zur Herbeiführung einer Annäherung zwischen den Israeliten und dem Stammvolk anzuspannen; daß aber, i wenn der Kampf mit der antrrussifchen Bewegung! erfolgreich geführt werden soll, den russischen Jsrae-! liten von der Regierung gestattet werden müsse, selbst j der bedrängten jüdischen Bevölkerung zu Hilfe zu kommen und an die Spitze der Organisation der Uebersiedelung aus Rußland hinaus und ins Innere desselben zu treten, wodurch einerseits eine Regelung der Uebersiedelung erreicht und andererseits der Regierung ein fester Boden zur Fernhaltung fremder Elemente geboten würde." Der Graf sagte, daß zur Bildung eines Uebersiedelungs-Comites, ebenso wie für die Gründung jeder Gesellschaft die Erfüllung der allgemeinen vom Gesetz vorgeschriebenen Bedingungen erforderlich ist, die für die Israeliten wie für alle treue russische Unterthanen gleich bindend sind. Bei jeder Emigration aus Rußland müssen die Israeliten dessen eingedenk sein, daß ihnen die Rückkehr nach Rußland nicht gestattet werden wird. Wir hören, fügt der „Rasswet" hinzu, daß dem Minister des Innern dieser Tage ein Projekt zur Begründung eines Uebersidelungs-Comite's unterbreitet werden wird." Daraus ersehen wir, daß es in den Intentionen des Grafen Jgnatiew liegt, zu verhindern, daß sich nicht allein die militärpflichtigen jungen Leute, sondern auch viele kräftige Männer an der Auswanderung betheiligen, daß ferner die Auswandernden ihr Heimathrecht sofort verlieren, gleichviel ob sie sich in den fernen Ländern acclimatisiren können oder nicht. Auch sollen die in dem Lande Verbleibenden nicht das Recht haben, sich über ganz Rußland zu verbreiten; sie sollen vielmehr nach jenen Gegenden verwiesen werden, welche schwach bevölkert sind. Schwach bevölkert sind bekanntlich die eisigen Steppen im Norden und Nordosten des großen Czarenreiches. Es bedarf daher wohl kaum der Auseinandersetzung, daß die Aussichten unserer bedrohten Glaubensgenossen in Rußland sehr trübe sich gestalten. Dem gegenüber ist es Pflicht, so viel als möglich die Auswanderung derselben nach dem Westen zu begünstigen und zu befördern. Wenn es gelingen möchte, von den 2'/a Millionen jüdischer Seelen im russischen Reiche nur 200.000 aus den am meisten von Juden bevölkerten Gouvernements heraus zu ziehen, so würde den Zurückbleibenden Raum und vuft und Gelegenheit zum Erwerb gefördert werden. Dazu gehören aber ganz kolossale Summen Geldes. Auch wäre zu wünschen, daß noch andere Asyle als der Süden der vereinigten Staaten von Nordamerika zur Aufnahme vorbereitet würden. Gewiß haben viele unserer geehrten Leser Verbindungen mit Australien, Quebeck und anderen Ländern; mögen sie darauf bedacht sein, die Frage in Bezug auf die Aufnahme der russischen Emigranten anzuregen. Das Beste wäre freilich, wenn die Regierung Seiner Majestät des Kaisers von Rußland sich entschließen möchte, die Juden ganz und voll zu emanzipiren. Sie würde dadurch sich und dem Lande mehr nützen als durch alle anderen Maßregeln. Die russische Regierung behauptet, daß viele junge Israeliten, welche zu den Seminarien und anderen hohen Schulen zugelassen worden, sich zu dem Nihilismus bekannt und dafür Propaganda gemacht hätten. In Rußland wird das Wort Nihilismus auf alle liberalen Bestrebungen, die dem jetzt dort herrschenden System entgegentreten, ausgedehnt. Es ist demnach nicht zu verwundern, daß junge, intelligente Menschen, denen die heiligsten Menschenrechte entzogen oder doch verkümmert wurden, sich nicht für ein System begeistern können, welches die Unterdrückung und Zurücksetzung zum Gesetze erhebt und sie als solches beläßt. 41 i'n Möge der allgütige Gott die Könige und Herrscher erleuchten und diese Zeit der Noth und des Drangsals zum Guten wenden! — Literarischer Bericht. Der Philantrop, Zeitschrift für die gesammten Bestrebungen auf dem charitativen Gebiete, für Wohlthätigkeit und Armenpflege. Herausgeber: Dr. B. Heß lein, Friedrichshagen bei Berlin, Köpnicker Straße 13. Diese neue Zeitschrift soll allen auf Verbesserung des Armenwesens und der Wohlthätigkeitspflege gerichteten Bestrebungen als Organ dienen. Das erste Heft enthält einen ausführlichen Bericht über den zweiten Kongreß für Armen- und Wohlthätigkeitspflege, ferner: Beiträge zur Geschichte u. Reform der Armenpflege, dann einen Aufsatz: Ueber Wohlthätigkeit und Armengesetzgebung, ferner: Verzeichniß der Vermächtnisse, Legate und Stiftungen im Jahre 1881. Es folgen dann noch eine große Menge sehr interessanter kleiner Notizen in Bezug auf Wohlthätigkeit und Armenpflege, von denen wir einige wiedergeben wollen. Der Philantrop schreibt: „Man hat erwartet, daß Excellenz Stephan die Armen ebenfalls mit einem Weihnachtsgeschenk beglücken und die Portofreiheit für Geldsendungen zu wohlthätigen Zwecken mit Neujahr 1882 einführen werde. Diese Erwartung ist leider nicht erfüllt worden und doch möchten wir unserm so genialen Generalpostmeister von Herzen wünschen, daß

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