Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1882)
- Date
- 1882-02-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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139 Hochzeit. Dem Jubilar wurde auf Veranlassung der Gemeinde-Verwaltung eine Ehrengabe in Geld überreicht. Die Dit>» roiD man überreichte dem Paare ebenfalls eine solche und die man D-^n -np^ai einen silbernen Pokal und drei silberne Löffel. Bezugnehmend auf den Tag und die Feier hätten es mtry D’nr an: rosa sein sollen. Fast die ganze Gemeinde versammelte sich im Hause des noch in voller Rüstigkeit stehenden Paares, um denselben ihre Glückwünsche darzubringen. Der Gemeinde- Vorstand Herr Simon Tarläu und Schwiegersohn des weltberühmten Rabbi ^p"isr ij/dnodd» sowie der Repräsentanten-Vorsteher, Herr Abraham .Herzfeld, hielten eine kurze Ansprache. Möge es dem Jubelpaare noch lange vergönnt sein, im Kreise seiner Familie gesund und vergnügt zu weilen. Benno Sobotki. Schweiz. Solothurn (Schweiz), eine kleine Stadt von 7—8000 Einwohner, hielt vor ungefähr 22 Jahre noch am alten Zopfe fest. Es war noch so großes Ri schuß da, daß keinem Israeliten die Niederlassung gestattet wurde, und folglich auch nicht geduldet, daß einer in der Stadt wohnen durfte. Seit 20 Jahren ist aber eine andere Wendung eingetreten. Es wurde den Israeliten gestattet, sich hier frei niederzulassen, in Folge dessen hat sich hier eine kleine Gemeinde gebildet, die keine Kosten gescheut, Einrichtungen zu treffen, wie in den größten jüdischen Gemeinden; nämlich: ein Gebetlokal, eine Mikwa, eine Armenkasse, um an durchreisende Arme eine milde Gabe verabfolgen zu können. Von Rischuß ist Gottlob nichts zu sehen. Am8.Jannar letzthin wurde einem hiesigen jungen Israeliten, dem Herrn Simou Braunschweig das Staatsbürgerrecht — und zwar aus Antrag der Commission vom Gemeinderath einstimmig — ertheilt. Welcher Unterschied von früher und jetzt! Gegenüber den traurigen Verfolgungen, die unsere unglücklichen Brüder in Rußland zu erdulden haben, ist das Benehmen der hiesigen Behörde sehr lobenswerth. P a l ä st i n a. Jaffa. Ein Lloyd-Arzt schildert in einem uns zur Verfügung gestellten Privatbriefe die Fahrt der ausgewanderten russischen Kinder nach ihrem Bestimmungsorte Jaffa in ausführlicher Weise. Einige Stellen dieses Schreibens mögen ob ihres allgemeinen Interesses shierhergesetzt werden: Der Wiener Postzug brachte die Kinder zuerst nach Triest. Sie wurden dann an Bord des Eildampfers „Achille" geführt. Das Comite der „Alliance Jsraelite" erhielt 'auf Verwendung des durch seine humanen Bestrebungen bekannten Barons Mopurgo vom Oesterreich-ungarischen Loyd alle möglichen Erleichterungen für die Ueberfahrt. Aus dem Molo San Carlo herrschte ein bewegtes Leben. Die Schuljugend Triests begrüßte die russischen Kinder mit Hurrarufen, welche Aufmerksamkeit die Auswanderer durch Absingung einiger russischer Lieder quittirten. Als die Anker gelichtet wurden und das Dampfschiff sich in Bewegungffetzte, rief die auf dem Molo versammelte Triester Jugend den Scheidenden laute Vivatrufe zu. Die Fahrt nach Jaffa verlief ohne die geringste Störung. Daß die kleinen Reisenden wie ihre Begleiter mehr oder minder von der Seekrankheit zu leiden hatten, braucht wohl nicht besonders bemerkt zu werden. Rach fast achttägiger Fahrt landeten wir in Alexandrien, wo die Kinder frisch verproviantirt wurden. Bei dieser Gelegenheit muß die außerordentliche Munificenz rühmend anerkannt werden, womit das Comite die Auswanderer verproviantirte. In Alexandrien machten die zahlreichen Kriegs- und Handelsschiffe aller Nationen, das Ein- und Ausladen auf den Schiffen, das turbulente Treiben der Araber und Neger, der Aublick der zahlreichen Palmen und Orangen-Gärten auf die nordischen Kinder einen großen Eindruck. Nach eintägigem Verweilen in Alexandrien reiften wir mit dem Dampfer „Flora" nach Jaffa ab, wo die Kinder ohne jeden Unfall ans Land gesetzt und in die für sie bestimmte, außerhalb Jaffas liegende Anstalt gebracht wurden. lN. fr. Pr.) Feuilleton. Lob Kunitz. Kulturhistorisches Zeitbild aus dem e r st e n D r i t t e l des 18. Jahrhunderts. Von S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) 4. Kapitel. In der Prager Judenstadt herrschte in den ersten Decennien des 18. Jahrhunderts in den untern Schichten der Bevölkerung große Armuth. Das Prager Ghetto war in kurzen Intervallen von schweren Unglückssällen heimgesucht worden. Am 21. Juni 1689 war in einem in der Prager Altstadt gelegenen Hause, das unmittelbar an die Judenstadt stieß, Feuer ausgebrochen, welches binnen zwei Stunden das ganze Ghetto, darunter elf Sy-