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Der Israelit · 1882-02-08 · Heft 6 (8.2.1882) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 6 (8.2.1882)
Date
1882-02-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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138 ung mit dem Manne abgeschlossen war, als dem eigentlichen vernünftigen Wesen, so durfte derselbe bei der noch vorzunehmenden schöpferischen That nicht gegenwärtig sein- Die Schöpfung kann ja der Mensch als Geschöpf nie begreifen. Darum ließ der Ewige einen tiefen, außergewöhnlichen Schlaf, eine Art Betäubung*), über ihn kommen. Die Schöpfung war abgeschlossen, darum wird die Frau nicht auf gleiche Weise wie der Mann geschaffen. Sie sollte kein vom Mann getrenntes selbstständiges Wesen sein, wie das bei den Thieren der Fall ist**), wo Männchen und Weibchen oft nur zur Zeit der Paarung sich zusammengesellen, sondern sie sollte einen sozusagen integrirenden Theil des Mannes ausmachen. Daß der Ewige aus einer Rippe, also aus einem Bestandthekle des Mannes die Frau bildete, ist jedenfalls weniger wunderbar, als daß er aus Erde den Menschen schuf. Das Eine ist für uns ebenso unbegreiflich wie das Andere. Und nun noch einige Worte über die Herrschaft des Menschen über die Erde und ihre Bewohner. Da die eigentliche Beschäftigung des Menschen, wie wir gesehen haben, die Cultivirung der Erde sein sollte, so mußte ihm auch eine gewisse Herrschaft über die Thiere eingeräumt werden. Wo diese der Cultur schädlich, ihm in seiner Aufgabe hinderlich werden, steht ihm das Recht zu, die Thiere zu tödten, sie für sich nutzbar zu machen. Ebenso ist die Pflanzenwelt seiner Verwaltung anheimgegeben. Zum Genüsse selbst wird aber dem ersten Menschen nur das Pflanzenreich angewiesen, ebenso all den Thieren. Erst später wurde den Menschen erlaubt, aus dem Thierreiche sich Nahrung zu verschaffen. Vergleichen wir nun die Entwickelungstheorie und die Schöpfungslehre. Vor Allem bemerken wir dabei zu unserem größten Erstaunen, eine merkwürdige Aehnlichkeit und Verwandtschaft. Man könnte versucht sein, zu glauben, die Entwickelungstheorie habe sich den Schöpfungsbericht zum Muster genommen und ihn sich zu Grunde gelegt. In der Entwickelungstheorie wird ein Urstoff angenommen, aus dem sich Alles, Pflanzen und Thiere***) entwickelt haben sollten. Die Schöpfnngslehre berichtet auch, daß Gott, nachdem er (Himmel und Erde) den Stoff geschaffen, aus diesem die E i n z e l s ch ö p f u n g e n vornahm. *) Armiert. Ueberall wo der Ausdruck riD"nn vorkommt, bezeichnet es einen nicht natürlichen Schlaf. **) Siehe Abravanel hierzu. ***) Anmerk. Heber die Himmelskörper, überhaupt über das, was außer der Erde liegt, erfahren wir wenig, so z. B. über Luft, Allsdehnung, Licht rc. Als erstes lebendes Wesen wird das Protoplasma, dem einfachsten Wasserthierchen angenommen, das sich dann immer weiter entwickelt, bis zum Landthiere und dann zum Menschen. Der Schöpfungsbericht läßt auch, wie wir gesehen haben, zuerst die Wafferthiere, dann erst die Landthiere und zum Schluß den Menschen erschaffen werden. Als Entwickelungsgesetz stellt jene Theorie den Fortpflanzungstrieb hin. Die Schöpfungslehre stellt an die ganze Thierwelt und besonders den Menschen als erste Forderung die Fortpflanzung. Während aber der Darwinismus darin den eigentlichen Zweck erblickt, ist es dem Schöpfungsberichte einfaches Mittel, e r st ejs Mittel zwar, da ohne dasselbe eine Existenz, eine Erfüllung irgend welcher Ausgabe überhaupt nicht denkbar ist. Als gähnende Kluft zwischen beiden aber liegt, daß die Entwickelungstheorie die Natur¬ oder Urkraft, nach Gesetzen zwar, wie sie vorgibt, doch aber nothwendig wirken läßt und auch diese Notwendigkeit den „Kampf ums Dasein, also die rohe Kraft des Stärkeren so zu sagen als Recht und oberstes Gesetz hinftellt. Diesen Kampf läßt sie gemeinschaftlich die ganze Natur, die lebendige, wie die lchlose Welt führen, ohne besondere Berechtigung, ohne höheres Ziel, ohne eigentlichen Zweck. Die Schöpfungslehre weist dagegen jeder einzelnen Gattung der Geschöpfe ihren besonderen Wirkungskreis an, setzt die Vernunft über alle übrigen Thätigkeiten, berechtigt diese allein den Kampf zu führen, den friedlichen Kampf, nicht um's bloße Dasein, nicht den rein materiellen Kampf, sondern auf dem Gebiete des Geistes, des Edlen und Erhabenen, vor Allem aber auf denr Gebiete der Erkenntniß der obersten Wahrheit. Der ganze unvereinbare Gegensatz zwischen der Entwickelungstheorie und Schöpfungslehre beruht schließlich darin, daß erstere es nur mit der Materie zu thun hat, sich nur mit dem Stoff allein befaßt, dem Geist sozusagen den Eingang in ihre Welt verwehrt, daher in allen ihren Folgerungen materialistisch wird; während die letztere die Materie nur als Mittel berechtigt sein läßt, sie aber durch den Geist belebt, beherrscht und adelt. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Grätz (Prov. Posen), 25. Dec. (Ungern verspätet.) Vergangenen Sabbatnmjn n«i feierte der hiesige Rabbinats-Verweser Herr Gabriel Hirsch Lewin im Verein mit seiner Gattin, seine goldene

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