Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1882)
- Date
- 1882-02-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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134 schriftlich um Sicherstellung seines Guthabens, woraus er eine Schuldverschreibung und eine Lebens- Versicherungspolice über 1500 M. erhielt. Schönberger wartetete noch bis Anfang 1881 und da auch da noch nicht Zahlung erfolgte, so klagte er die Forderung ein. Während des Prozesses trat der Kaplan plötzlich mit einer Denunciation gegen den Weinhändler ans, der ihm gefälschten Wein geliefert haben sollte, und berief sich auf das Ergebniß einer von einem Sachverständigen vorgenommenen chemischen Untersuchung des Weines, welche das Vorhandensein von Stärkezucker bewiesen hatte. Die Staatsanwaltschaft ging auf Grund dieser Denunziation gegen A. Schönberger in Mainz wegen Weinfälschung mit einer Anklage vor, aber das Ergebniß der Verhandlung — zu der der Angeklagte zum zweitenmale mit seinem Küfer und seinem Commis erschienen war, nachdem bereits einmal eine Vertagung der Verhandlung erfolgt war — war für den Angeklagten ein so günstiges, daß die Freisprechung unter Uebernahme der Kosten auf die Staatskosten erfolgte. Der Staatsanwalt selbst unterzog das Verhalten des Hofkaplans einer scharfen Kritik und der Angeklagte sagte am Schluffe seiner Vertheidigung: „Ja, es ist wahr, ich habe betrogen, aber nicht den Kaplan, sondern mich und meine Familie, daß ich dem Herrn Kaplan so viel und so lange creditirt habe. (Ff. Ztg.) Chemnitz, den 26. Januar. Am 22. Jan., Morgens gegen 8 Uhr, entschlief sanft, nach mehrmonatlichem sehr schmerzhaften Leiden an den Folgen einer Kehlkopf-, Lungen und Mastdarmtuberculose in seinem 35. Lebensjahre unser Rabbiner, Herr Dr. A. I. Chotiner. Das Leichenbegängniß fand Dienstag Nachmittag 2 Uhr statt. An den langen Leichenzug reihten sich auch viele achtbare Familien fremder Confessionen an, u. A. Herr Pfarrer Keipert, den Schluß bildete eine Reihe von Wagen, welche die Notabeln zu Ehren des Verewigten geschickt hatten. Nach dem Chotiners Körperhülle in die Grabstätte gesenkt war, hielt Herr Rabbiner Dr. Landau aus Dresden eine recht ergreifende Grabrede, während Herr Cand. Phil. Enoch von hier ein kurzes gediegenes Gebet sprach. n"3"s".i"n Italien. Turin. Herr Jonas Ottolenghi hat, nachdem er bereits voriges Jahr seiner Vaterstadt Acqui 65,000 Lire für das Spital daselbst gegeben, neulich derselben Stadt wieder 300,000 Lire zu Wohlthätigkeitszwecken, namentlich zur Errichtung einer Handwerkerschule, geschenkt. (Arch. Jsr.) A m e r i k a. New Work, 2. Febr. Ein großes Meeting der Bürger von New-2)ork, die verschiedenen christlichen Konfessionen repräsentircnd, wurde gestern Abend in der Chickeviug-Hall abgehalteu, um Theilnahme für die verfolgten Juden in Rußland auszudrücken. Das Meeting versammelte sich in Verfolg eines von General Grant, den angesefehenften Bürgern, den Richtern der verschiedenen Gerichtshöfe, den Redakteuren der tonangebenden Zeitungen und Anderen Unterzeichneten Aufrufes. Auf beit Antrag des Generals Grant ward Mr. Grace, der Büegermeistcr von New-Aork, zum Vorsitzenden gewählt, und die Herren Hamilton Fish, Edwards, Pierepoint, Robert Bonner u. A. fuugirten als Vice-Präsidenden. Reden, welche lebhafte Sympathie für die russischen Juden und Entrüstung gegen deren Unterdrücker ausdrückten, und die Negierung der Ver. Staaten aufforderten, im Interesse der Humanität zu interveniren, wurden von Mr. Evart, dem früheren Staatssecretär; Reverend John Hall, Geistlicher der leidenden Presbyterianerkirche; Rev. Dr. Huward, Crosby, Kanzler der Universität; Rev. Dr. Newmann, Geistlicher der leitenden Mcthodistenkirche, und Anderen gehalten. Die gefaßten Beschlüsse sprechen den Abschen gegen die Vergewaltigung der Juden aus, protestiren im Namen der Civilisation gegen dieselbe, und fordern die Regierung der Union auf, bei der russischen Regierung für die Juden einzutreten. New-Work Eine große Anzahl junger rufs. Israeliten, die vor Monaten nach Amerika ausgewaudert sind, arbeiten in Kohlengrub-Bergwerken zu Belleville (Illinois). Die Eigenthümer bestätigen, daß sie mehr Kohlen zu Tage fördern, als ihre Vorgänger. Feuilleton. Mrthenope. VI. In einem Gemache in dem Hause des Commandanten Isaak saßen in langer Reihe die Mägde und Sklavinnen fleißig mit allerlei Arbeiten beschäftigt. Miriam ging in dem Gemache umher, die Sklavinnen beaufsichtigend, bald dieser, bald jener angehend, wie dies oder jenes gemacht werden sollte. Das Hochzeitsfest nahte heran, und es mußte bis da-