Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1882)
- Date
- 1882-02-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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119 Glaubensgenossen zu 'Hilfe und das Ende war, daß alle drei Juden fürchterlich durchgeprügelt und daß sodann die Häuser der Juden gestürmt wurden. Wer nicht flüchtete, wurde geprügelt. Seither haben sich diese Sceneu fast jeden Abend wiederholt. Unter den Rufen: „Es kommt der russische Tag des Gerichtes!" werden die Häuser der Juden gestürmt. Die Letzteren wendeten sich an den Vicegespam der zuerst oen Stuhlrichter entsendete; derselbe kehrte jedoch mit dem Berichte zurück, daß nichts vorgesallen sei. Auf eine neuerliche dringende Bitte der Juden delegirte der Bicegespan sodann den Oberltotär des Comitats, Victor Hagora, der sechs Ruhestörer abführen ließ. Trotzdem ist die Hetze eher in Zunahme begriffen und man fürchtet, daß sie in den benachbarten Gemeinden des Bereger Komitats Nachahmung finde. Aus Gyöngyös wird dem „P. L." geschrieben: Am 26. d. wurde hier in Angelegenheit der in San- Franciseo befindlichen Leitersdorfer'schen Erbschaft, bestehend aus 35 Millionen Dollars, 6 Häusern und 2 Goldminen unter Vorsitz des Herrn Moses Schwarz eine Conferenz abgehalten. Die zahlreich erschienenen Verwandten des Verstorbenen wählten ein engeres Comite und zum Präses desselben Herrn Moses Schwarz aus Gyöngyös, zum Vicepräses Dr. Ignaz Kohn aus B.-Csaba und Herrn S. Hirschl aus Gyöngyös, zum Schriftführer Dr. Paul Steinitzer aus Arad. Letzgenannter wurde mit der Vollmacht betraut, die Erbschafts-Angelegenheit zu führen und den rechtsmäßigen Erben ihr Gut zuzuführen. Lemberg, 16. Jan. Der Landesausschuß hat in der letzten Sitzung eine Zuschrift des galizischen Statthalterei - Präsidiums zur Kenntniß genommen, worin in Beantwortung der Eingabe des Landtags- Abgeordneten Merunowicz mitgethetlt wird, daß die Beschwerden wegen angeblicher Mißbräuche bei Führung der jüdischen Matrikenbücher in Galizlen sich bei der von den competenteu Behörden vorgenommenen Untersuchung als völlig grundlos erwiesen haben. Der Landesausschuß beschloß nichtsdestoweniger, bei der Statthalterei auf eine formelle Erledigung der in der letzten Landtagssession in derselben Angelegenheit auf Anregung der ultramontanen Partei gefaßten Resolution zu dringen. Krakait, 16. Jan. Nach den Erhebungen des Warschauer Comittzs wurden während der letzten Judenkrawalle 1928 jüdische und 83 christliche Familien heimgesucht und ein Schaden von 1,193,142 Rubeln verursacht. England. London, 15. Jan. Der „Observer" erfährt, daß der Erzbischaf von Canterbury, der Kardinal Muning, der Dechant vvn Westminister, Carl of Chaftescury, der Kanonikus Liddon und Farrar über das Projekt unterhandeln, eine Konferenz oder ein ComitH zu inauguriren behufs Einberufung öffentlicher Versammlungen in ganz England, um einen Hülfsfonds für obdachlose israelitische Familien in Rußland zu erhalten und deren Auswanderung zu erleichtern. Ein Israelit will an die Spitze der Subscription mit 10,000 Pf. St. treten. Eine Million Pfund Sterling wird zu dem erwähnten Zwecke für erforderlich gehalten. Feuilleton. Nochmals ein Wort über die Lage des Härtens Lden. (Schluß.) Was ferner die Kritik betrifft, die mein verehrter Herr Gegner der von mir vertretenen Ansicht über die Lage des Gartens Eden engegenstellt, so erwidere ich in Kürze Folgendes. Meine Conjectur ist von jener, etwa von Calvin aufgestellten, wesentlich verschieden. Ich bin nämlich weit entfernt, das biblische Paradies nach den Mündungen des Schat- Al-Arab zu verlegen — diesem ganz unbedeutenden von drei kleinen Stromarmen gebildeten Delta, das fast ohne alle Vegetation und Nichts weniger als paradiesischer Natur ist. Ich redete nur von Kurnah, wo Euphrat und Tigris ineinanderftrömen und den Schat-Al-Arab aus sich ergießen. Jeder Reisende, der sich auf den dort befindlichen Hügel, auf dem jetzt das Palais eines türkischen Paschas steht, postirt, nimmt sichtlich wahr, wie mitten in herrlichen Dattelhainen und Orangengärten vier Wafferstraßen sich von einander abzweigen. Hier erblickt das Auge das biblische üwhi 'vn — worunter die zwei von aller Welt erkannten biblischen t’pnn und ms - — ganz sichtlich vor sich. Ich will nicht nochmals wiederholen, was ich in meinem ersten Artikel bereits zur Genüge auseinandergesetzt habe, wie nämlich die Beschreibung der helligen Schrift genau mit den geographischen Merkmalen dieser Gegend zusammentrifft. Der geneigte Leser nehme eine gute Karte — die beste ist die von Kiepert — zur Hand und er wird sich mit eigenen Augen von der Genauigkeit meiner Angaben überzeugen und auch der geehrte Herr Vertheidiger der Hypothese von Delitzsch wird mich nicht mehr das Paradies nach dem salzigen.