Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1882)
- Date
- 1882-02-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXIII. Jahrgang. Erste Seilage;» Nr. 5 -es Israelit. Leitender Artikel. Lntwicktungs-Theorie und Schöpfungs- Lehre. Von Dr. H. Sänger. (Fortsetzung.) Der vierte Tag berichtet uns von der Schöpfung der Himmelslichter, die Gott einsetzte zu „unterscheiden zwischen Tag und Nacht, und zur Bestimmung der Zeiten, zu beleuchten die Erde und zu herrschen bei Tag und bei Nacht". Und da erhebt die „exacte Wissenschaft" ein Triumphgeschrei. Seht ihr's, wie die Schöpfungsgeschichte resp. deren Berichterstatter einen — Bock schießt und unwissenschaftlich ist! Einen solchen groben Verstoß gegen alle Erfahrung würde heute kein noch so unbedeutender Schüler, der die Anfangsgründe der Naturlehre kennt, sich zu Schulden kommen lassen. Warum, so fragen die Herren der „exacten" Wissenschaft, läßt er das Licht nicht vor den Pflanzen geschaffen sein? Wovon sollen diese denn gedeihen und sich entwickeln? Aber, meine Herren, warum fällt Ihnen nicht auf, daß ja schon am ersten Tage das Licht geschaffen wurde? Wozu also am vierten Tage noch einmal specielle Schöpfung von Sonne, Mond und Sterne? Haben Sie denn nicht gemerkt, daß die Schöpfung des Stoffes am ersten Tage stattgefunden und an den folgenden Tagen wohl auch noch Schöpfungen erstanden, aber aus dieser ersten Schöpfung des allgemeinen Stoffes. So gut wie Wasser und Erde schon da waren, aber erst noch eine besondere Schöpfung mit ihnen vorgenommen wurde, eine Trennung und Bestimmungsanweisung; ebenso.war Licht schon vorhanden, aber aus diesem allgemeinen Lichte entstanden erst am vierten Tage auf ein erneutes Schöpferwort die verschiedenen einzelnen Lichtkörper. Tag und Nacht waren doch auch schon vor der Schöpfung von Sonne, Mond und Sterne vorhanden. Wodurch? Doch wohl durch das erste allgemeine Licht. Die specielle Schöpfung und Bestimmung konnte dem Lichte doch erst dann angewiesen werden, nachdem die Erde und das Wasser von einander abgesondert waren. Die „exacte" Wissenschaft würde aber wahrscheinlich die Zeiger einer Uhr früher anbringen als das Zifferblatt? Wenn also das Gesammtlicht, oder nennen wir es Urlicht, schon am ersten Tage geschaffen war, so konnten die Pflanzen doch wohl durch dasselbe Licht und Wärme empfangen. Uebrigens werden wir im weiteren Verlauf dieser Abhandlung noch einen anderen Grund zur Widerlegung erwähnen. Jedenfalls scheint die „Unvorsichtigkeit des mosaischen Schöpfungsberichtes" nicht so sehr groß zu sein, keinesfalls so groß, wie die Leichtfertigkeit und Oberflächlichkeit, die hierbei die Gelehrten der „exacten" Wissenschaft an den Tag gelegt haben. Es scheint fast, als hielten es diese „Forscher" für unwürdig, dem Urquell der Schöpfungsgeschichte auch nur die mindeste Aufmerksamkeit zu schenken, denn sonst könnte und dürfte solchen „exacten Forschern" nicht etwas entgehen, was jedem noch so unbedeutenden Schüler, der den Anfang der Bibel kennt, nicht entgangen wäre und ihnen einen so groben Jrrthum würde Nachweisen können. Der fünfte Tag berichtet von der Schöpfung der Wafferthiere und Vögel. Daß in dieser großen Welt von im Wasser lebenden Wesen nicht Eins aus dem Andern entstanden, dagegen verwahrt sich die Schöpfungslehre durch ihr drwtt „nach ihren Arten", ebenso wie sie den Vögeln nicht ihre Abstammung vom Protoplasma anweist, indem sie auch hier ihr "nach seiner Art" hinzufügt. Wie die Schöpfungslehre erst das Wasser und dann die Ausdehnung erstehen läßt, und nachher im Wasser selbst eine Trennung des Flüssigen und Festen vornimmt; ebenso läßt sie zuerst die Wafferthiere, dann die Luftbewohner und nachher erst die Landthiere geschaffen werden. Der sechste und wichtigste Schöpfungstag spricht von der Entstehung der Erdbewohner, die in drei Klassen eingetheilt werden: Vieh, Gewürm und Wild. Nachdem dieses geschaffen, ein Jedes „nach seiner Art", da erst sprach Gott: Ich will den Menschen machen in meinem Ebenbilde und nach meiner Aehnlichkeit, und er soll herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das sich auf Erden regt. Und Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbilde 2c., männlich und weiblich schuf er sie. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: seid fruchtbar und mehret euch und füllet an die Erde und machet sie euch unterthan und herrschet über die Fische des Meeres 2c.*) *) Dah die Bibel dem Menschen die Herrschaft über Alles, was auf Erden ist, einräumt, darin will einer der eifrigsten Ver-