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Der Israelit · 1882-02-01 · Heft 5 (1.2.1882) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 5 (1.2.1882)
Date
1882-02-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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108 Jungfrau blieb verstockt. — Vetnria, sagte sie zumir, ich werde Dich nicht mehr besuchen können, wenn ich den Priester bei Dir zu treffen befürchten muß. — Jetzt ist gar keine Aussicht mehr vorhanden, sie für das Himmelreich zu gewinnen, da sie mit einem Juden verlobt ist und bald dessen Gattin werden soll." „„Was Du da sprichst, Alte,"" sagte Lucius Lucinius, „„hat einen großen Eindruck auf mich gemacht. Ich habe das Mädchen gesehen. Beim Apollo, ich wollte sagen beim heil. Lucius, meinem Schutzpatron, das Mädchen iß schön, schön wie Aphrodite, da sie den Wogen des Meeres entstieg. Auch mein Herz ist betrübt, daß die holde Jungfrau der ewigen Verdammnis; anheimfallen soll. Ich möchte sie retten, selbst um den Preis, daß ich mich entschließen müßte, sie zum Weibe zu nehmen. Denn wisse, Vetnria, ich bin noch unvermählt."" „O, welch' ein Glück wäre das für mein Täubchen, wenn sie sich dem edlen Geschlechte der Lucinier verbinden dürfte! Gleich will ich zu ihr gehen und ihr Mittheilnug machen von der huldvollen Gesinnung, mit der Du, o Herr, dem Judenkinde zugethan bist." „„Nicht doch. Alte,"" sagte Lncinius lächelnd. „„Da sie verlobt ist, wird sie schwerlich auf Deine Vorschläge hören. Wir müssen es anders anfangen. Erft muß nrir Gelegenheit geboten werden, ihr Herz zu gewinnen. Lasse sie bitten, zu Dir zu kommen; ich werde dann auch hier sein, und Du lassest sie mit mir allein. Dann werde ich um sie werben und ihre Liebe Zu gewinnen suchen."" „Gewiß Herr. Du bist der schönste Jüngling, den ich je gesehen habe. Neichthnm und vornehme (Geburt werden Deine Werbung unterstützen." „„Aber ich bitte Dich, verrathe mit keinem Worte, mit keiner Miene, daß sie mich hier finden wird, oder daß ich irgend welche Absichten auf sie habe. Wann meinst Du, daß Dein Täubchen hierherkommen wird?"" ..Um die Zeit des Vespcrläutens; das ist so die Stunde, in der sie mich manchmal zu besuchen v siegt." „„So werde ich denn mich hier wieder einnnden. Lebe wohl; Alte, ans Wiedersehen."" Bei diesen Worten warf er ein Goldstück auf den Tisch und ging von dannen. „Gott und seine Heiligen niögcn Dich segnen, mein gütiger Herr!" rief ihm die Alte nach. „Du biß ganz das Ebenbild Deines Großvaters, meines edlen Wohlthälers." Lucius Licinius begab sich in das Hospitium der schwarzen Mönche, wo er mit seinen Genossen Absteigequartier genommen hatte. Er versammelte sie alle in das ihm eingeräumte Gemach. „„Triumph,"" rief er ihnen zu, „„ich habe jetzt Mittel und Wege gefunden, die schöne Parthenope zu erringen!"" Und er erzählte ihnen ausführlich von seiner Begegnung mit der alten Vetnria. „Sagte ich es nicht," rief Paulus Virginius „Venns und alle Liebesgötter lächeln Dir zu! Du hast Glück, Freund, und wirst bald Deine Rache befriedigen können." „„Nicht allein meine Rache,"" antwortete Lucinins, „„sondern auch noch ein Gefühl, welches viel gewaltiger und verzehrender ist als sie. Und wenn mir niemals der alte Isaak Anlaß gegeben hätte, ihn zu hassen, sein schönes Töchterchen müßte dennoch mein werden. Jetzt aber laßt uns überlegen, wie wir die Eroberung ins Werk setzen! Dich, mein Quintus, bitte ich, mich in das Hans der alten Veturia zu begleiten und mir bei der Entführung behilflich zu sein. Unsere Diener mögen in geringer Entfernung auf uns warten. Ihr Andern setzt unterdes; unsere Trireme in Bereitschaft, daß sie in jeden; Augenblick in's hohe Meer steigen kann. Zwei Eurer mögen uns mit dem großen Nachen am User erwarten, um uns sogleich bei unserer Ankunft im Hafen an den Bord unseres Schiffes zn bringen. Wenn das holde Täubchen nur in die Falle geht, wir werden es schon sesthalten."" „Aber," sagte Valerius, „haß Du auch die Folgen bedacht? Der alte Isaak ist ein angesehener Mann und mit den vornehmen Gothen, unseren Gebietern, Gott verdamme sie, eng befreundet. Er wird Alles anfbieten, um seine Tochter wieder zu erlangen, und ihre Entführer bestrafen zn lassen." „„Es darf natürlich,"" entgeqnete Lucius, „„Niemand erfahren, wer die Entführung in's Werk gesetzt hat. Die alte Vetnria wird schweigen. Sie hat viel zu viel Anhänglichkeit für meine Familie und wird eher sterben, ehe sie mich verrathen würde. Wenn Du übrigens, mein Valerius, die Rache des alten Isaak fürchtest . . „Schweig," rief Valerius, „ich fürchte Niemanden. Gehen wir ans Werk, ich füge mich ganz Deinen Anordnungen." (Fortsetzung folgt.) Hierzu vier Beilagen. : ked^clion : Pr. Lehmann in Mainz. — Mrlsg und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottslede n's Buchdrnckerei (Mainzer Anzeiger).

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