Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1882)
- Date
- 1882-02-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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106 angedroht. — Das Eomikö, welches zur Ermittlung des durch die letzten Zudenhetzeu verursachten Schadens eingesetzt wurde, hat sich seiner Aufgabe beinahe entledigt und Taten zusannnengcstellt, welche nun den Umfang der Katastrophe zu überblicken gestatten. Es haben sich im Ganzen 2011 beschädigte Familien (10,000 Personen) gemeldet, welche den ihnen zugefügicn Schaden auf 1,200,000 Rubel bezifferten. Das Untersuchuugs-Comitö hat das Ergebniß dieser Selbstschätzuug auf 768,339 Rubel rcduzirt und die Beschädigten in vier Klassen eingctheilt. Tic erste und die leider zu zahlreiche Klasse bilden jene Personen, welche in der Heye ihre ganze bescheidene Habe verloren habe« und wenigstens vorläufig aller Existenzmittel beraubt sind. Hierher gehören 946 Familien (17 Prozent) mit einem Verluste von 205,489 Rub. (33 Prozenten der reduzirten Gesammtsummen). Auf je eine Familie entfällt somit ein Verlust von 2C972 Rubel. Tie zweite Klasse bilden Jene, denen wenigstens Möbel, Hauseinrichtung, eine Werlstätte oder irgend ein anderes Erwerbmittel unversehrt geblieben ist. Hieher gehören 475 Familien (23 Prozeutl mit einem Verluste von 146,818 Rubel (19.1 Prozent). Die übrigen zwei Klassen bilden jene Personen, welche mehr oder weniger ruiuirt, aber wenigstens vorläufig nicht dem Elente preisgegeben sind. Ten großen Schaden erlitten kleine Kausteute, welche Kaufläden mit Konsumanikcln besaßen, Schanker, Krämer u. dgt. Hierauf solgen Handwerker, Dienstnehmer verschiedener Katego^ rien, Inhaber von Kleider- und Möbclmagazicuen, bis zu den Hauseigenthümeru, welche sowohl was die Zahl als auch die Verlnstzisser anbelangt, den letzten Platz eiunehmen. In dieser letzten Kategorie der Beschädigten befindet sich die Mcbrzahl der durch die Ercesse mitgenommenen Ehristen, deren Gesammtheit jedoch selbstverständlich nur ein unbedeutendes Prozent der Eingangs angegebenen Zister bildet. Es sind dies die amtlich und nach Möglichkeit genau erhobenen und unter Theilnahme der hierzu eingeladenen Vertrauensmänner gepricken imb verifizirten Daten. Petersburg, 22. Jan. Das „Journal dejSt. Petersburg" bespricht die Sammlungen des englischen Eomirös für die russischen Juden und sagt, Lord ThafteSbury und die Prälaten, welche an der Spitze der Subskription standen, trieben anstatt Philanthropie eine bctlagcnswerthe antireligiöse und demgemäß antipbilanthropische Politik. Die englischen Journale, vor allen die „Times", hätken über die angeblichen von russischer Seite verübten Greuelthaten Details veröffentlicht, die von willkürlichster Phantasie und evidentester Böswilligkeit zeugten. Tie volle Wahrheit sei vielmehr folgende: Nur an dem Eigenthum, nicht an den Personen habe man sich vergrissen. Todesfälle seien nur? ganz isolirt voraekommeu und nur dann, wenn die l Menge Widerstand gefunden habe. Tie Juden hätten zwar Schaden an Eigenthrun erlitten, aber cs seien mehr Christen als Juden bei den Plünderungen ums Leben gekommen, entweder in Folge von Gegenwehr oder Intervention Seitens der Truppen. Die von englischer Seite angegebene Zister sei aber so unerhört übertrieben, daß es unmöglich sei, dieselbe näher ins Auge zu fassen Die Erzählungen von Schändungen von Frauen seien reine Erfindungen! es sei kein Fall irgendwo konstatirt, keine Klage darüber angestcllt worden, solche Erzählungen müßten begreiflicherweise zur Steigerung des Effektes in den englischen Berichten dienen. Zu welchem Zwecke aber verbreite man diese Lügen und Uebertreibungcn? Gerne würde man in Rußland jede Hilfe zur Milderung des Elends angenommen haben, könne man aber eine solebe mit Beleidigungen und Verleumduugen aceeptiren? Ohne Zweifel liege hier ein anderer Grund als Mitleid vor. Gewisse Leute beabsichtigten, die englische Gesellschaft mit der russischen Gesellschaft zu brouillireu: oder mißfielen vielleicht die guten Beziehungen, welche seit dem Eintritt des Kabinets Gladstone beständen, einer gewissen Pariei? Tenn anders sei diese Verbindung von Lüge und Philanthropie nicht zu erklären; die Unruhen hatten im April angefangen und sich seit dem Sommer bis zu dem Ereigniß in Warschau nicht wiederholt. Tie russische Negierung sei mit der Regelung der Iudenfrage beschäftigt, die ausländische Presse möge diese abwarten und nicht die Frage, deren Lösung ohnedies Schwierigkeiten aller Art biete, verwickeln. Feuilleton. 'Jarthenope. v. In Neapel wurden die Vorbereitungen zur Hochzeit der schönen Mirjam mit ihr:m Vetter Joseph auf das Eifrigste betrieben. Die ganze, damals sehr zahlreiche Jsraeliten-Gemeinde der Stadt nahm den größten Antheil an dem Glücke der einzigen Tochter ihres ersten Vorstehers und des jungen Talmudgelehrten, der die Schätze des jüdischen Wissens in jenen Gegenden gesammelt, die damals die Heimstätte desselben waren. Lucius Lncinius und seine Genossen waren in Neapel angelangt, um dort die Reihe ihrer künftigen Heldenthaten mit dem Raube eines jüdischen Mädchens zu eröffnen. Vergebens hatte Einer nach dem Andern versucht, in: Hause Isaaks Zutritt '.zu erlangen. Dagegen war es ihnen gelungen, die schöne * i Vir bitten um gütige fernere Berichte. Die Red.