Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1882)
- Date
- 1882-01-23
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Organe bei den Pöbel-Epcessen gegen die Juden in Warschau verursacht bat, zu verwischen, und man hört sehr viel von Untersuchungen und Bestrafungen, die nachträglich vorgenommen werden. Diese Vertuschungsmanier wäre nun an sich in Rußland nichts Neues, aussallend ist nur, daß ein ossiciöses Organ der österreichischen Negierung dabei mit behiflich ist. Die „Pol. Eorr." veröffentlicht nämlich heute eine Correspondenz aus Warschau, in welcher viel von der Energie die Rede ist, die der dortige Ober-Polizeimeistcr General Buturlin nun entwickelt, nachdem die Excesse vorüber sind. Namentlich richtete General Buturlin an seine Untergebenen eine Currende, in welcher er das barsche und ungebührliche Vorgehen, dessen sich einige untergeordnete Polizei - Organe anläßlich der Warschauer Epccsse gegenüber jüdischen Bürgern schuldig machten, scharf rügt. Man muß aber gestehen, daß es kaum eine schoncndere und mildere Bezeichnung geben kann, wenn von einem „barschen und ungebührlichen Vorgehen" jener Organe die Rede ist, welche die Plünderungen nicht nur ruhig geschehen ließen, sondern dieselben sogar unterstützten und sich daran bctheiligten, die an Leib und Leben bedrohten Juden dagegen der Wuth ibrer Verfolger Preisgaben. Aber General Buturlin ist nicht blos energisch, sondern auch gerecht und unparteiisch, denn er ließ nicht blos die Epcedenten und Plünderer einsperrcn, sondern auch mehrere Juden, die, wie cs in der „Pol. Eorr." heißt, „in der Zurückweisung der gegen sie gerichteten Angriffe, die Grenzen erlaubter Selbstvertheidigung überschritten hatten". Schade, daß der Warschauer Gewährsmann der „Pol. Corr." sich gerade in diesem Punkte mit einer so allgenreinen und unbestimmten Altdeutung des Verbrechens, das die geplünderten und halbtodtgeschlagenen Juden gegen ihre Verfolger begangen haben sollen, begnügt; nachdem übereirrstimmend berichtet worden ist, daß der Pöbel in Massen die einzelnen Juden überfiel und blndig schlug, iit die Lädeil und Wohnungen eindrang, dort Alles zertrümmerte, selbst Weiber und Kinder nicht verschonte — da wäre es doch wohl interessant gewesen, ctwa- Beslimmtercs darüber zu erfahren, worin eigentlich die „Ueberschreitung der Grenzen erlaubter Selbsthilfe" von Seite der Inden bestand. Haben sic es vielleicht gewagt, sich gegen plündernde Soldaten oder Polizeimänncr zur Wehre zu setzen? Der Zweck dieser sonderbaren Warschauer Mittheiluugen scheint aber nur zu sein, das Urtheil der ösfeittlichen Meinung in Oesterreich über die Warschauer Vorgänge in ritssischem Sinne ztl corrigircn. Budapest, im Jan. Aus der Synagoge des „Deük"-Unterftütznngsvereins (Altgasse 19) wurden in der verflossenen Nacht die silbernen Garnituren zweier Thora-Rollen und eine Sammelbüchse, in der sich an 30 Gulben befanden, entwendet. Die Thäter j gelangten durch Erbrechen der Thüren in das Innere des Betsaales. Der Polizei gelang es, einen gewissen Joseph 1 Heck in dem Momente zu verhaften, als er zwei silberne Thorazeiger verkaufen wollte. Dieselben rührten, wie constatirt wurde, von einem jüngst in der Hauptstadt vollbrachten Tempelraub her. Heck gestand, dir Thorazeiger von dem Fleischhauer Joseph Aczler gekauft zu haben. Letzterer wurde heute Früh ebenfalls verhaftet. In P^pcr hat sich — wie uns von dort geschrieben wird — im verflossenen Sommer eia Kreuzer- Wohlthätigkeitsverein gebildet, welcher nach kaum siebenmonatlichem Bestände bereits sehr schöne Erfolge aufzuweisen vermag. Der Verein zählt heute schon mehrere Hundert Mitglieder und ist die Zahl derselben noch immer im Wachsen begriffen. Durch das opferfreudige Zusammenwirken aller Menschenfreunde war es dem Verein möglich geworden, fünfundachtzig arme Schulkinder mit warmen Winterkleidern betheilen zu können. Die Vertheilungsfeicr fand am 9. d. in der isr. Volksschule statt; derselben wohnten der Lehrkörper und die Mitglieder der Schulkoni Mission bei. Herr Adolf Fischer hiel: an die Beschenkten eine warme Ansprache. Um die Gründung des Vereins haben sich die Lehrer Spay und Schorr besondere Verdienste erworben. Im Rum er Wahlbezirk wurden, wie man meldet, dieser Tage zwei Juden zu Ortsrichtern gewählt, und zwar: in Kisbür Herr Sigmund Frankl und in Baltavür Herr Joseph Meyer Beide Herren verzichteten zu Gunsten der Ortsschulen ans ihre Bezüge. Bemerkenswerth dabei ist, daß der famose Judenvertilger, Herr Victor v. Jstoczy, Ablegat des Numer Wahlbezirkes ist, na, der wird sich freuen! .... Feuilleton. Nochmals ein Wort über die Lage des Härtens Lden. Seitdem Schreiber dieser Zeilen in diesen geschätzten Blättern (Nr. 48) seine Ansicht über die Lage des einstmaligen Paradieses durch wissenschaftliche Argumente zu begründen versucht hatte und sein gelehrter Antipode in dieser Frage, Herr Ehrentreu, (in Nr. 49) diesen Ausführungen entgegentrat, ist in der großen und herrlichen Stadt (Wien), in der eben diese Zeilen niedergeschrieben werden, ein furcht-