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Der Israelit · 1882-01-23 · Heft 4 (23.1.1882) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 4 (23.1.1882)
Date
1882-01-23
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXIH. Jahrgang. Zweite Beilage;u Ar. 4 des Israelit. Leitender Artikel. X> ie Judenverfolgungen in Außland. L s n d o n, 16. Januar. In der Fortsetzmig seiner Schilderung der der jüdischen Bevölkerung in Rußland zugefügten Unbilden und Grausamkeiten kommt der Times-Correspondent auf die Brandstiftungen zil sprechen. „Wahrend des vergangenen Jahres", schreibt er, „ist diese Methode, sich an dem beinitleidenswerthen Judenvolke zu rächen, in großartigem Maßstabe, besonders in West-Nußland, ausgeübt worden. Vis zum Ende Juni hat „der rothe Hahn" über fünfzehn Städte des westlichen Rußland „gekräht", darunter in Mohilew mit 25,000 Einwohnern, in Witebök mit 23,000 uttd Slonim mit 20,000 Bewohnern,.sowie in kleineren Städten, wie in Woloczysk, Schwerwondt, Augustowo, Nowo-Grodek, Ponowicz und Lipsk, in welchen Tausende voll Juden obdachlos gemacht wurden. Am 3. Juli wurden 6000 Juden in Minsk durch Brandlegung ihrer Wohnplätze beraubt und 4800 zu gleicher Leit geschäftslos gemacht. Gleiches widerfuhr der jüdischen Bevölkerung zu Pinsk und bald nachher in Koretz in Volhynien, wo 30 Menschen ums Leben kamen und 5000 heimathslos wurden. Jede Woche vermehrt sich die Zahl der Brandtstistungen, bis die Zahl am Ende des Monats September 41 Städte umfaßte mit einer dadurch heimathslos gewordenen jüdischen Bevölkerung von 20,000 Personen. Zu der Masse der heimath- und mittellosen Opfer der Volksrache in Süd-Rußland müssen noch die vielen Plünderungen und Verwüstungen von Haus, Hof und anderem Eigenthume durch den Pöbel gerechnet werden, von denen, thatsächlich constatirt, 200 jüdische Personen zu Kisw, 1600 zu Smielo, 1000 zu Konotop, 600 in Suchow und 300 in Aluchow mit einem Eigenthumsverlust im Werthe von 16 Millionen Pfund Sterling betroffen wurden, und man kann annehmen, daß im Ganzen 100,000 jüdische Familien in Armuth gestürzt worden sind. In der Gegend von Peresjaslaw ist nach dem ersten Aufruhre an diesem Orte die Judenschaft aus 17 umliegenden Ortschaften zur Flucht gezwungen worden, und während der Sommermonate campirten unter freiem Himmel bei Podwoloczyska nicht weniger als 1500 solcher verjagten Flüchtlinge, darunter Kinder zartesten Alters. Von 5000, welche ihre Flucht über die Grenze zu nehmen beabsichtigten und in einen hilf- I und mittellosen Zustande Brody erreichten, befinden sich noch an 2000 in Kellern zusammengedrängt. Die Gemeinden und die Lokalbehörden haben das Elend der Armen noch vergrößert, indem sie mit der casuistischen Logik: „Die Juden sind die Ursache aller dieser Aufruhrscenen; wären keine Juden vorhanden, so würde es auch keine solchen Ruhestörungen geben," von den Provinzial-Gouverneuren Befehl zur Ausweisung derselben aus den Städten, wo sie nicht domicilberechtigt sind, verlangten. Dieses Domicilrecht der russischen Juden ist auf im Ganzen 28 Provinzen des Reiches, oft auf gewisse Städte und theoretisch wenigstens auch der Zahl nach beschränkt. Bis zum 29. Juli beliefen sich die Ausweisungen von Juden aus Kiew auf 4000, und in den jüngsten Tagen ist die DomicilErlaubniß in dieser Stadt sowohl wie in Odessa noch weiter beschränkt worden. Zu Liebenthal, in der Nahe Odessas', wurden gegen 20 Familien ausgewiesen mit Androhung einer Strafe von 50 Rubeln für einen Jeden, der einem Juden auch nur eine Nacht Obdach gewährt. Hundert Familien wurden aus Podolsk auögewiesen und ganze Gegenden von Podolien unbarmherzig von allen Juden geräumt. Ebenso haben 90 jüdische Familien, zusammen 500 Seelen ausmachend, Orel und dessen Gebiet auf Befehl des Provinzial-Gouverneurs bis zum 1. Sept. räumen müssen, welche Frist bis zum 25 Okt. verlängert wurde, an welchem Tage sich die Judengemeinde zum letztenmal in der Synagoge versammle und dann unter Mitnahme der Gebetrollen u. s. w. ihren traurigen Auszug begann. Beinahe 400 derselben, Venen es selbst hierzu an den nöthigen Mitteln mangelte und welche deßhalb zurückzubleiben wagen, wurden in der darauffolgenden Nacht von der Polizei in den Schnee hiuausgetrieben. An anderen Orten wurde der Aufenthalt durch Auflage allerlei Lasten und Beschränkungen erschwert, wie zum Beispiel in Peresjaslav durch das Verbot an die Jüdinnen, seidene Bekleidungsstücke zu tragen." Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien. Der N. Fr. Presse wird geschrieben: „Die russischen Behörden sind gegenwärtig bekanntlich bemüht, den üblen Eindruck, den das Verhalten ihrer

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