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Der Israelit · 1882-01-23 · Heft 4 (23.1.1882) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 4 (23.1.1882)
Date
1882-01-23
Page
– (sequence 19)
Language
German
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95 bar tragisches Ereigniß eingetroffen, durch welches vielen Hunderten von Familien ihr Lebensparadies in fürchterlicher Weise zerstört ward. Wohl ist der Verfasser dieses Artikels persönlich von dem herben Schlage in keiner Weise betroffen worden, allein durch Mitgefühl und innigste Theilnahme in tiefster Seele aufgeregt, bin ich erst heute im Stande, den mir hingeworfencn Fehdehandschuh auszuheben und den literarischen Zweikamps sortzusetzen. In Nr. 48 des „Israelit" hatte ich Delitzsch' Hypothese — nach welcher der Garten Eden in der Landschaft Karduuium gelegen sein sollte durch die Thatsache schlagend widerlegt, daß an diesem angeblichen Punkte, Euphrat und Tigris, ferne davon, der biblischen Schilderung gemäß, sich gegenseitig zu berühren, im Gegentheil in weiter Entfernung von einander parallelen Laufes fortfließen. Durch diesen Vorwurf in die Enge getrieben, nahm Herr E. (in Rr. 49) seinen unleugbaren Scharfsinn zusammen, um die von ihni in Schutz genommene Hypothese in folgender Weise zu vertheidigen. „Nordwärts von Babylon — so sagte er — erschien der Tigris nur als ein Seitenarm des Euphrat, indem der letztere hier auf einem viel höheren Niveau fließt und in alter Zeit unzählige Wasserrinnen und kleine Kanäle zu ihm hinabsendete, um den ziemlich w asser a r m en und schmalen Tigris mit Wasser zu versehen." Ja meinem Einwnrfe gegenüber ruft er folgende Stelle aus Schacht's Lehrbuch der Geographie zu Hilfe: „Seine (des Euphrat) Ufer nämlich werden flacher, jemehr er sich dem Tieflande nähert; sobald er nun durch den geschmolzenen Schnee Armeniens wächst, tritt er über und zwar nach der Südostseite, wohin der Boden sich neigt .... das Flußbett des Tigris liegt tiefer denn das des Euphrat, so daß die mit Euphratwasser gefüllten Kanäle dasselbe an den Tigris abgeben konnten." Dagegen jedoch wende ich Folgendes ein. Wer jemals das untere Mesopotamien besucht hat, weiß, daß der Tigris ein größerer und weit mächtigerer Strom ist, als der Euphrat. So sagt Carl Ritter, „Der Tigris versendet ein größeres Volumen ZWasser als der Euphrat, wegen seiner zahlreichen wasserreicheren Zuflüsse aus den taurischen und kurdistanischen Hochgebirgsketten, die selbst ihre Schneemassen tragen, aber auch durch die Herbstregen (zumal im November) erhält der Tigris bedeutenden Zuwachs') und so erwähnt schon krasser, der im Jahre 1834 Mesopotamien besuchte, daß der Euphrat in Hille (in der Nähe der Ruinen Babilons) nur die halbe Breite des Tigris bei Bagdad hat2 3). Auch ist nach den neuesten Messungen gediegener Fachmänner sicher gestellt, daß das Niveau der sich parallel gegenüberliegenden Usergegenden der beiden Ströme in der Verengung Mesopotamiens so ziemlich gleich ist, nur ist das Strombett des reißenden Tigris mehr ansgehöhlt und deßhalb scheint sein User höher als das des sacht dahinfließenden Euphrats. Vier Hauptkauäle sind es, von Menschenhänden gegraben, die diese Gegend ehedem bewässerten. Heute zwar meist verschüttet, sind ihre Spuren noch deutlich erkennbar. Vom Euphrat ausgehend nehmen sie eine südöstlich Richtung und münden in den Tigris. Tie Alten gaben den Kanälen diese Direktion, nicht weil der Euphrat höher als der Tigris liegt2) — ihre Richtung nach unten macht schon, daß der Boden vor ihnen sich neigt — sondern weil, wie Welsted4) angibt, die Fruhjahrsanschwelluugen des Euphrat regelmäßig und nur allmählich erfolgen, während die des Tigris schnell und gewaltig sind, also sich weniger zur Bewässerung von Kanälen eignen I. Südlich der Verengung Mesopotamiens jedoch, gerade gegenüber dem alten Babylon, dort wo der Tigris seine Schnelligkeit zu mildern ansängt „beginnt der merkwürdig große Wechsel, daß der Tigris, statt wie zuvor Zuwachs durch die Euphratkanäle zu erhalten, nun vielmehr umgekehrt seine Tigriswasser dem Euphrat zusendet, womit der Shm-al-Hiych (richtig al Hai ’xhpn) seinen Anfang macht" H. Die 2) Ballie Trasser travels in Cunlistan Mesopotamien B. II. S- 15. 3) Treüend lagt hiepl (5nvl Ritter: „Xas Nivellement, welches rieittenmit Aiorphys Nrveriineitte zwischen beiden Atromliukn;u Alande gebracht, gab nur wenige zoll als Tiiieren; zwischen den Niveanr beider Strome an, die als nnznreichend für io lange Nanalzüge an^nsehen sind, nm ans den Bom-3 eines Nanalstromes yt iittlnenciren. Ritter, Erdl. rb. XI. c. 1020 . 4) IVelisted travels to the city of tlie Caliphs. 3 B. p. 84. 5J rcv bedeutendste dreier vierKanäle war der pveile von Norden her, der Nahrmalrba — der fluvius reg um der Römer, der des Talmuds und der -po-** der Araber; er ging aus dem Buphrar bei dem heutigen Telndja und mündete in den Tigris bei Seleucia gegenüber Erenphon. Rn ihm lag das berühmte nypriJ des Talmuds. Z. Eemarah Aidn'chin p. 70 rr,?n nP runo m bis cp? pppo 17U3 NDDX. So anrb chrbabbar p. 108. r,T'JD P.X'CZ’l. Animianus Mareelliuus (1. XXIV 1 nannte ihn einen Arm des Euphrats. Tien-r xanallauch olvchon über rausend Erhre zerstört, in noch Heine tuu leiner ganzen Arrerke erkennbar? — lnn anderer die'er vier .nanale, der ertte von -Norden her, der 'Nähr 3>a — Tie LaUavich, >vie ihn die heutigen Araber nennen -- in im g-rühjahre bei Nochwar rer ü'rr g-lürse noch schi'ibar: an 'einen Wern wird stellenwei'e noeb viel Allerban betrieben. 0> Ritter, "'rdlrindr rh. XI. c. 035. 1) Ritter, Erdkunde, Th. XI. -L. 109.

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