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Der Israelit · 1882-01-23 · Heft 4 (23.1.1882) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 4 (23.1.1882)
Date
1882-01-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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88 schreiten und von den Waffen unnachsichtlich Gebrauch zu machen. — Aus Warschau wird uns geschrieben: Tic Commission zur Unterstützung der Opfer der Plünderungen hat einen ausführlichen Bericht über die Erfolge ihrer Recherchen veröffentlicht, dem Folgendes zu entnehmen ist: Die Gesammtzahl der Geschädigten beträgt 2011 Familien oder nahezu zehntausend Individuen. Nach deren Angaben betrüge der ihnen zugefügte Schaden 1,199.242 Rubel, wovon jedoch die Delegirten nur 767,339 Rubel als thatsächlich begründet anerkennen. Die Mißhandelten wurden in vier Kategorien getheilt: 1. solche, die Alles verloren haben, d. i. Hausrath, Kleidung, Betten, Handwerkszeug, die also außer Staude sind, ihren Erwerb durch Arbeit zu finden; 2. solche, denen noch irgend etwas verblieb, die aber trotzdem in Noth und Elend gerathcn sind; 3. jene, die bisher in behaglichen Verhältnissen lebten und nun ein kümmerliebes Dasein von Tag zu Tag fristen müssen; endlich 4. in solche, die in der Lage sind, sich selbst wieder zu helfen. Die Unglücklichen der ersten Kategorie bilden die Mehrzahl, und ihr Antheil an demGcsammtverlnste ist der größte, obschon jeder Einzelne wenig zu verlieren hatte. Selbstverständlich wird ans sie zuvörderst Rücksicht gcnomnien, während die letzte Classc außer Rechnung bleibt. Ihrer socialen Stellung nach zerfallen die Opfer der Kathastrophe in nachstehende Unterabiheilungeil: 1. Pfandleiher und Persönlichkeiten ohne bestimmten Erwerbszwcig 14; 2. zweifelhafte Existenzen 12; 3. Wittwen 17; 4. Schänlwirthe 246; 9. Hausbesitzer und Cotonisten der Vororte 83; 6. Synagoge 3; 7. Lohnarbeiter 318; 8. Kramer, Trödler und Tabaks- Händler 281; 6. Victualien-Händler 498; 10. Handwerker 434. Unter Letzteren befinden sich 28 Uhrmacher und 5 Juweliere und Goldarbeiter. Aus dieser Uebcrficht ergiebt sich, daß nicht etwa religiöser Fanatismus oder gereiztes Rechtsgefühl die Hand der Zerstörer geführt hat, vielmehr die Triebfeder einerseits in lange genährtem Haß und Neid, sowie anderseits in der Habgier zu suchen ist. Tie Hilfsbeiträge beziffern sich beute auf etwa 150,000 Rubel. — Wie wir einer Correspondenz der Ostsee-Zeitung ans Warschau entnehmen, sind bei dem Excesfen demolirt worden: 292 Branntweinschänken, 603 Restaurationen verschiedener Art, Geschäftsläden und Belhäuser und 393 Privathäuser. Die zerstörten Locale und Gebäulichkeiten waren sämmtlich jüdisches Eigenthum. In das jüdische Spital wurden 24 vewundete Juden gebracht, von denen 7 schwerverwundet waren; von Letzteren ist bereits einer acstorben. F eu illeton. Lob Wunitz. Kulturhistorisches Zeitbild aus dem e r st e n D r i t t e l des 18. Jahrhunderts. Von S. Ko hu. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) Ester blickte zuerst verlegen zu Boden, daun sprach sic: „Du überschätzest die eine That — die war gut, schön, edel, — das will ich nicht bestreiten, Du hast sie ihm in sechszehn Jahren durch Liebe überreich bezahlt, — und Du fühlst Dich immer noch ihm verpflichtet; aber das wirst Du mir doch einräumen müssen, Du hast auch Pflichten gegen" — ein schämiges Erröthen überlohte ihre Wangen, „das Mädchen, das Du zu Deinem Weibe wählst. Ich habe Löb Muuitz nie gesprochen, mir hat er nie das geringste Leid zugefügt, im Gegentheil er hat ja Dir das Leben gerettet; — aber' wenn ich Dein Weib werden soll, so darf ich ja kein Geheimniß vor Dir haben ..... ich verachte, ja Gott verzeih' mir die Sünde, ich hasse diesen Löb Munitz . . . . . diesen geizigen, harten, bösen Mann! Kennst Du den alten, blinden KlesmorJ Lämml Dnppowitz? Seine Frau hatte die vorige Woche keinen Kreuzer im Hause, nicht Holz, um dem kranken, blinden Mann das feuchte Stübchen zu heizen, keinen Bissen Fleisch, ihm einen Löffel Suppe zu bereiten, die Kinder hatten den ganzen Tag nichts gegessen und jammerten um ein Stückchen Brod, einen Stein in der Wand hätte es erbarmen müssen, lwd die Frau versuchte es in ihrer großen Noth, sich an dieses Kieselherz, an diesen Löb.„Hnnd" nennt ihn die Welt," sprudelte Ester in überströmendem Zorne bitter heraus — „zu wenden, weißt Du, was der reiche Mann zu ihr gesagt, nachdem sie vor ihm bitterlich geweint und mit gefalteten Händen gebeten hatte? .... Lass' Sie mich in Ruh! Sie weiß es ja — ich gebe nichts — ich bin ja „Löb Hund!" Verhungern und erfrieren hätte die Familie müssen, wenn nicht der brave Reb David Wodnian, der nicht einmal ein reicher Mann ist, ihr nicht zufällig eine halbe Stunde später eine Fuhre Holz, Brod, warmes Essen und noch einen Gulden geschenkt hätte; — und solche Fälle könnte ich Dir hunderte aufzählen — und um eines solchen von der ganzen Gemeinde gehaßten Mannes, willst Du mich, die 1) Musikanten.

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