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Der Israelit · 1882-01-23 · Heft 4 (23.1.1882) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 4 (23.1.1882)
Date
1882-01-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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86 mächtigeres Wesen, das die Welt so, wie sie ist, geschaffen, gewiß ein hoher, ausgebildeter und vernünftiger, wogegen der spätere Polytheismus sicherlich viel tiefer steht. Wenn nun wirklich, wie fest behauptet wird, der erste Mensch vom Affen sich entwickelt haben soll, so ist doch gewiß die Annahme gerechtfertigt, daß die ersten Menschen sich wenig von ihrem Ahn unterschieden haben werden. Nun aber, wenn vor Jahrmillionen dieses erste Menschenpaar entstanden, so ist doch bis Zu den wenigen Tausend Jahren, worüber uns die Geschichte erzählt, eine sehr lange Zeit, und was wir heute die Uranfänge der Geschichte bezeichnen, das liegt vom Beginne der Menschenperiode sehr fern. Und doch tritt gerade in der ersten Zeit, in die wir, wenn auch nicht den Anfang der Menschheit, doch den Anfang der Geschichte der Völker setzen, diese Lehre von Gott allgemein auf, und zwar bei den verschiedensten, weit voneinander entfernten Völkern. Man kann freilich dagegen halten, daß diese Völker lange beisammen wohnten und damals dieser allgemeine Gottesglaube sich gebildet habe, den sie dann mit sich nach allen Theilen der alten Welt verpflanzt haben. Es gibt aber heute noch Völker, die in Betreff der geistigen Entwickelung nicht viel über der Thierwelt . ehen und dennoch an ein höheres, mächtigeres Wesen glauben. Das ist doch eine sonderbare Erscheinung, wenn man sich immer gegenwärtig hält, daß es immer ein Glaube an ein unsichtbares, unbegreifliches Wesen ist. Merkwürdig ist auch die Erscheinung, daß in dieser Entwickelungsperiode fast ohne Ausnahme ein Rückgang bemerkbar ist. Denn, wie fast bestimmt nachgewiesen ist, hatten alle bedeutenden Völker des Alterthums ursprünglich einen monotheistischen Glauben. Erst nach und nach ging diese, doch unstreitbar reinere Anschauung verloren und artete in Vielgötterei aus. Auf diese und andere gleiche Erscheinungen, die sich mit der Entwickelungstheorie sehr schlecht vereinbaren lassen, werden wir noch Gelegenheit haben zurückzukommen. Vorläufig registriren wir also nur die geschichtlich nachweisbare Thatsache von dem Glauben an einen Schöpfer, wie er sich bis in die Uranfänge derMenschcngeschichte Nachweisen läßt und bei allen Völkern sich vorfindet zu einer Zeit, wo, nach der Jahrmillionentheorie, diese Völker nicht mehr an einem Punkte der Erde sich hätten zusammenfinden können. Kommen wir nun zur Schöpfungslehre, wie sie das älteste Buch der Menschheit uns berichtet. Diese läßt das Universum durch einen Schöpfer in's Dasein treten. „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde." Die Erde, der eigentliche Stoff, war öde und wüst. Festes und Flüssiges war noch chaotisch vermischt und „Finsterniß auf der Oberfläche des Tehom" des in ungeregelter Bewegung und Vermischung sich befindenden Stoffes. „Und der Geist (des Ewigen) Gottes war schwebend über der Wasserfläche. Und da sprach Gott: Es werde Licht, und es ward Licht. Und es war Abend und es war Morgen, der erste Tag." Daß an dieser Schöpfung des ersten Tages nichts so Unannehmbares und Unglaubliches ist, da die Schöpfung aus Nichts, sobald eine Schöpfung stattgefunden, für unsre Vernunft als das einzig Annehmbare ist, leuchtet Jedem ein und darf sich getrost neben die Entwickelungstheorie aus einem Ürstoffe, der von „ewig her" sein soll, oder auch einem Schöpfer seinen Ursprung verdanke, dann aber sich selbständig, vermöge des ihm innewohnenden Entwickelungstriebes weiter gebildet und entwickelt habe, hinstellen. Aus diesem Berichte über den ersten Tag erfahren wir, daß der Schöpfer den Stoff auf einmal geschaffen, ihm Leben oder den Entwickelungskeim durch seinen Geist eingehaucht und daß die Zeit sofort mit dem Augenblicke der Schöpfung beginnt, daher der Abend resp. dieNacht dem Tage vorausging, da im ersten Momente der chaotisch vermischte Stoff allem vorhanden war und das Licht erst auf den Werderuf des Schöpfers entstand. Während nun die Entwickelungstheorie, nachdem sie einen Urstoff oder auch einen Schöpfer des Urstoffes nimmt, über die Entstehung der Luft, der Ausdehnung, dieses unermeßlichen, alle Körper umfassenden Raumes ziemlich im Dunkel herumtappt und über die Entstehung der Himmelskörper, der Pflanzen und Thiere in lauter Hypothesen sich ergeht und die Entwickelung aller lebenden Wesen von einem und dem niedrigsten, pflanzenähnlichen Wesen als allein richtig und wahr zum Lehr - und Glaubenssatze aufstellt: berichtet uns die Schöpfungslehre, daß erst auf ein neues schöpferisches „Werde" inmitten des Stoffes eine Trennung vor sich ging und sich der flüchtigere Stoff emporhob und die Ausdehnung bildete. Am dritten Tage sprach Gott: „Es sammle sich das Wasser unterhalb des Himmels an einem Orte, damit das Trockene erscheine; und so war's". Erde und Meer entstanden so aus dem Ürstoffe durch diese Sonderung der verschiedenen Elemente. Da die Erde aber eine weitere Bestimmung hat, die Ernährerin der Pflanzen- und Thierwelt zu werden, die sie bewohnen sollte, so fehlte zu ihrer Vollendung noch Eines und zwar, die Keime zu diesen Pflanzen, die wiederum den Hauptzweck haben, die lebendige Welt zu erhalten. Deßhalb ließ Gott alle Arten von Gras und Kräutern und Fruchtbäumen hervorsprießen. (Fortsetzung folgt.)

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