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Der Israelit · 1882-01-23 · Heft 4 (23.1.1882) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 4 (23.1.1882)
Date
1882-01-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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84 „Was wißt Ihr von Frauenschönheit", sagte er, „die Ihr Parthenope noch nicht gesehen, das schönste Mädchen von Neapolis! Sie heißt eigentlich Mirjam und ist des Commandanten der Festungswerke, des alten Isaak, Tochter. Aber das Volk nennt sie Parthenope nach der sagenhaften Gründerin der schönen Stadt am Golfe. O, welch ein herrliches, prachtaugiges Kind. Sie ist die schönste Tochter Israels, die Perle des Morgenlandes, ihre Lippen sind Granaten, ihr Auge ist dunkelmeeresblau und ihre Wangen haben den rothen Duft des Pfirsiches." „„Ha"", schrie Lucius Lucinius. „„Schweige, Du rühmst die Tochter meines Todfeindes!"" „Was hast Du", fragte Philippos erstaunt, „mit dem Juden Isaak zu schaffen?" „„Erinnert mich nicht"", entgegnete Lucius, „„an die schrecklichsten zTage meines Lebens. Das Volk von Rom hatte ein lustiges Feuer in den Judenhäuscrn angezündet. Einige Juden waren umgekommen, die Synagoge war verbrannt. Da eilte jener Isaak von Neapolis herbei. Sein Schwager und dessen Sippe waren vom Volke erschlagen worden. Er ruhte und rastete nicht, bis er den Gothenkönig Tbeoderich, Fluch sei seinem Andenken, nach Rom gebracht hatte, um Rache zu nehmen für die getöteten Juden und deren verbrannten Häuser. Jetzt aber zeigte sich der alte Heldenmuth der Römer. Keiner verrieth den Andern, und die Thäter waren nicht ausfindig zu machen. Da befahl der Barbarenkönig, daß die vornehmsten Männer von Rom, daß die Senatoren den angerichteten Schaden ersetzen sollten. Mein Vater, Marcus Licinius, war Consul in jenem Jahres er widersetzte sich dem ungerechten Ansinnen des Barbarenkönigs. — Wenn, sprach er, das Volk von Rom sein Müthchen kühlt an diesen gottverlassenen Hebräern, so braucht man davon so kein großes Aufheben zu machen. Was haben sie in Rom zu suchen? Mögen sie nach Palästina gehen in ihr Heimathland. Und nun sollen wir gar für unser gutes Geld die Judenschule wieder aufbauen lassen! — Der König schleuderte ihm einen wnthenden Blick zu und befahl den Lictoren — verhüllt Eure Häupter, Römer! — den römischen Consul Marcus Licinius auf offenem Markte zu geißeln . . . . Gebrochen kehrte mein unglücklicher Vater in sein Haus zurück; er gab sich selbst den Tod. Ich war damals noch ein Knabe; aber ich habe es mir geschworen mit den heiligsten Eiden, die Schande und den Tod meines Vaters zu rächen an den Barbaren und an dem Juden Isaak von Neapolis."" Alles schwieg; die heitere Stimmung war dahin. Da nahm Paulus Virginius das Wort: „Mein Lucius", sagte er, „da bietet sich Dir doch die schönste Gelegenheit, in fröhlicher Weise Rache zu üben an Deinem Feinde. Der Jude Isaak hat nur das einzige Kind; er liebt das Mädchen wie seinen Augapfel; sie ist das Leben seines Lebens. Nicht empfindlicher kannst Du ihn treffen, wie wenn Du ihm die Tochter verführst. Bist Du nicht der unwiderstehliche Lucius Licinius, der römische Adonis, der angebetete Günstling aller Römerinnen? Geh» nach Neopolis und gewinne die Judendirne. Du triffst den Alten mit södtlichem Geschosse." „„Das wird schwer halten"", sagte Valerius. „„Das Mädchen ist spröde wie eine Vestalin. Ich wollte mich ihr nähern; aber sie hat mich mit einem Blicke abgewiesen, der jede Annäherung unmöglich macht. Zwar bin ich nicht so verführerisch wie mein Lucius, der gleich einem Apollo unter uns armen Sterblichen einherschreitet; aber ich glaube, Du würdest eher die stolze Gothcnkönigin Amalasunta gewinnen als dieses spröde Judenkind."" „So werde ich sie", rief Lucius Licinius, „mir mit Gewalt zu verschaffen suchen. Wollt Ihr mir helfen, meine Freunde?" Jubelnd stimmten die halbtrunkenen Gäste des Philippos zu. „Wir folgen Dir nach Neapolis", riefQuintus Aemilius. „Es ist eine schöne Gelegenheit, zu zeigen, daß wir die Gothen und ihr Regiment nicht fürchten. Auf offener Straße, am Hellen Tage die Tochter des Commandanten der Festungswerke zu rauben, das ist ein lustiger Streich, das ist eine That von altrömischer Kühnheit, das ist ein Vorspiel zu dem großen Kampfe, dem wir entgegengehen!" Und die edlen Genossen besprachen die Ausfüh' rung ihres sauberen Planes, verabredeten die Zahl der vertrauten Diener, die ihnen nach Neapolis folgen sollte. „Nun aber ist es Zeit", sprach Philippos, „daß wir dem Ernste entsagen und uns der Freude des Gastmahls wieder zuwenden." Das thaten denn auch die Festgenossen. Noch lange dauerte der Jubel. Beim Abschiede drückten sie sich die Hände und sprachen: „Auf Wiedersehen in Neapolis!" (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition der „Israelit" große Vleiche 46. I. GottSleden's Buchdrvckerei <M«inzer Anzeiger).

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