Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1882)
- Date
- 1882-01-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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83 schmaus gerichtet. Er forderte den Nonienclator auf, die Schüsseln abzulesen; Licinius möge dann die Weine bestimmen, die dazu getrunken werden sollen. Der Sclave, ein schöner, lydischer Knabe, in einem bis an die Knie aufgeschlitztem Röckchen von blauer, pelnsischer Leinwand, trat dicht neben Licinius an den Tisch von Cypressenholz und las von einem Täfelchen ab, das er an goldnem Kettchen trug. „Frische Austern aus Britanien in Thunfisch- Brühe mit Lattich." „„Dazu Falerner von Fundi"", sprach Lucius ohne Besinnen. „„Aber wo steht der Schenktisch mit den Pokalen? Rechter Trunk mundet nur aus rechter Schale."" „Dort ist der Schenktisch!" und auf einen Wink des Hausherrn fiel der Vorhang zurück, welcher die eine Ecke des Zimmers, den Gästen gegenüber verhüllt hatte. Ein Ruf des Staunens ertönte. Der Reichthum der dort zur Schau gestellten Prunkgeschirre und der Geschmack ihrer Anordnung war selbst diesen verwöhnten Augen überraschend. Auf der Marmorplatte des Tisches stand ein geräumiger silberner Wagen mit gotdnen Rädern und broneenem Gespann; es war ein Beutewagen, wie sie in römischen Triumphen aufgesührt zu werden pflegten: und als köstliche Beute lagen darin Vokale, Gläser, Schalen jeder Gestalt und jedes Materials in scheinbarer Unordnung, doch mit kunstverständiger Hand, gehäuft. „Bei Mars, dem Sieger", lachte Licinius, „der erste römische Triumph seit zweihundert Jahren!" „Also zum Falerner die Kelche dort von Terebinthenholz." „Weindrosseln von Tagus mit Spargeln von Tarent!" fuhr der Lydier fort. „Dazu den rothen Massiker von Sinuesse aus jenen amathystnen Kelchen." Eine ganze Reihe von Schüsseln wurde noch verlesen, zu denen Licinius die Weine und die Kelche bestimmte. Da tönten Flöten aus dem Vorgemach und im Tacte der Musik schritten sechs Sclaven, Epheu um die glänzend gesalbten Locken, in rothen Mänteln und weißen Tuniken heran; sie reichten den Gästen frische Handtücher von feinstem, sidonischem Linnen mit weichen Purpurfransen. Darauf erscholl aus dem Seitengemach der Klaug von Lyra und Guittare, und eintrat ein Zug von acht Jünglingen in goldgrün schillernden Seidcngewändern, vorauf der „Anrichter" und der „Zerleger"; die sechs Andern trugen Schüsseln auf den Häuptern: sie zogen im Tactschritt j an den Gästen vorüber und machten vor dem Anricht-Tisch von Citrus Halt. Während sie hier beschäftig: waren, erklangen vom Mittelgründe her Eastagnetten und Cymbeln, die großen Doppelthüren drehten sich um ihren erzschimmernden Säulenpfosten und ein Schwarm von Sclaven in der schönen Tracht korinthischer Epheben strömte herein. Die Einen reichten Brod in zierlich durchbrochenen Broncekörben, andere verscheuchten die Mücken mir breiten Fächern'von Straußenfedern undPalmblüttern: einige gossen Tel in die Wandlampe:: ans doppelhenkeligen Krügen mit anmuthsvoller Bewegung, indeß etliche mit zierlichen Besen von ägyptischem Schilf von dem Mosätkboden die Brosamen fegten, und die übrigen Ganymed die Becher ftillen halfen, welche jetzt schon lustig kreisten. Und nun entspann sich eine eifrige und lebhafte Unterhaltung. Wovon unterhielten sich die Jünglinge? Von ihren ehrgeizigen, hochfliegenden Plänen, von den Thaten, die sie beabsichtigten zum Sturze der Gothen, zur Befreiuung von den Byzantinern? Nicht doch! Solche Gespräche paßten wohl nicht zu den ausgesuchten Genüssen, zu der ausgelassenen Freude. „Am siebenten Tage, da das Herz des Königs fröhlich war beim Weine, befahl er zu bringen die Königin Waschti vor den König, angethan mit der königlichen Krone, zu zeigen den Völkern und Fürsten ihre Schönheit, denn schön von Ansehen war sie." (Ester C. 1. V. 10—11.) Unsere Weisen bemerken hierzu: am siebenten Tage — es war an einem Sabbate. Auch die Israeliten feiern ihre Feste, essen und trinken, sind fröhlich und vergnügt dabei, unterhalten sich von den Worten der Gotteslehre und singen Loblieder ihrem Vater im Himmel. Nicht so die andern Nationen; wenn sie fröhlich sind beim Weine, so unterhalten sie sich von allerlei thörichten Dingen; vor Allem aber preisen sie die Schönheit der Frauen, und Mädchen. Auch an der Tafel des persischen Königs priesen die Satrapen der verschiedenen Provinzen die Schönheit ihrer Landsmänninnen, bis der König die Behauptung aufstellte, daß seine Gemahlin die Schönste sei und den augenscheinlichen Beweis zu erbringen befahl. Auch bei dem Gastmahle in dem Hause des Philippos in Rom lenkte sich bald das Gespräch auf Frauenschönheit. Es gab vielgereiste Männer unter den Anwesenden. Der Eine pries die plastische Schönheit der Mädchen von Hellas, der Andere die fchwarzlockigen Töchter Syriens, ein Dritter die schönen Gothinnen mit blondem Haar und milchweißer Haut, bis sich einer der Gäste, Namens Valerius, erhob, und Allen zu schweigen gebot.