Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1882)
- Date
- 1882-01-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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70 Soldaten-, Bauern- oder Handwerkerkaue geboren j war, unwiderruflich zum König, Priester, Soldaten, j Bauern oder Handwerker geboren, und mußte j dem entsprechend dressirt, gewöhnt, erzogen werden, wenn nicht diese Kasteneintheilung in die Brüche z gehen sollte.*) Ueber die peinliche Sorgfalt, mit j welcher Moscheh's Erziehung noch im frühesten un-! mündigen Kindesalter am ägyptischen Königshofe i überwacht wurde, enthalten unsere Ueberlieserungen I interessante Mittheilungen. — Es wäre daher nicht! befremdend, wenn die erwähnten Motive in der That! den Pharaonischen Blutbefehl veranlaßt hätten. Daß! diese brutale Gewalt ihren Zweck nicht erreichte, da-; für war Moscheh's bloßes Dasein der sprechende! Beweis. Sie zeigt zudem die tiefe Kluft, die zwischen j der pädagogischen Anschauung eines Moses und der j eines Pharao klafft! Wenn Pharao die Jugend fürchtet, so fürchtet er nur die Knaben, die Hoffnungen, die jedoch Moscheh au die Jugend knüpft, Verthellen sich ebenbürtig auf die Söhne und Töchter, und er hält es nicht für überflüssig es vor Pharao besonders zu betonen, daß er unter „unserer Jugend" die Söhne und die Töchter versteht. Bon dem alles Bedingenden weiblichen Einfluß auf Familie, Staat und Menschheit hat die ägyptische Erziehungsweis heit keine Ahnung! Dieselbe brutale Kurzsichtigkeit, welche der Pharaonische Blntbefehl dadurch bekundet, daß er durch Ermordung der männlichen Kinder, die aus der Jugend erwachsenden Gefahren beseitigt glaubt, dieselbe Kurzsichtigkeit verräth er durch die Weisung, die Töchter am Leben zu lassen, aus deren. Reihen die r-vjcns errj, jene Pflichtreuen Frauen erstanden, deren Verdienst unsere Väter aus Egypten erlöste. Während in den Vätern unter der Arbeitslast auf dem Felde jeden Sinn für höhere geistige Güter unterdrückt und vernichtet wurde, arbeiteten die „frommen Mütter" im Hause durch die Erziehung ihrer Kinder an dem großen Erlösungswerke, und stellten jene Jugend hin, auf welche Moscheh in erster Reihe Zählen konnte. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, 17. Jan. Aus Anlaß des Ablebens seiner Gemahlin und zum Gedächtniß an dieselbe hat Herr v. Bleichröder den nachbenannten wohlthätigen Instituten folgende Schenkungen zngewendet: Dem Verein gegen Verarmung und Bettelei 1000 * i Anm. der Red.: Nach den Ergebnissen der neuesten Forschungen üNrdas ägyptische Alienhum war die Kasten-Lcheidung nicht so streng, wie man früher annahm. Auch Löhne geringer Leute konnten in diePriesterschast ausgenommen werden. Abgeschlossene Kasten wie die Inder, befaßen die Aegypter nicht. — Vergleiche den Papyrus Ebers. Mark, der städtischen Armeu-Direktiou 1000 Mark, dem Kaiserin-Augusta-Hospital und dem Augusta- Stift zur freien Disposition der Kaiserin 5000 Mark, dem Frauen-Groschen-Verein (dessen Vorsitzende die Frau Fürstin Bismarck ist) 10,300 Mark, dem katholischen St. Hedwigs-Krankenhause 3000 Mark, dem jüdischen Krankenhause 12,000 Mark, dem Auerbach'schen Waisenhause 10,000 Mark, dem Viktoria-Bazar des Lette-Vereins 500 Mark, dem Verein zur Rettung und Erziehung minorenner weiblicher Strafentlassener 3000 Mark, der jüdischen Armen-Commission für verschämte Arme 2000 Mark. Cnln. Gestern feierte die israelitische Gemeinde in Deutz das 25jährige Amts-Jubiläum des Lehrers und Cautors Herrn Israel Blumemhal. Tie allgemeine Betheiligung am Feste legte Zeugniß davon ab, einer wie großen Beliebtheit sich dieser Lehrer erfreut. Die Leitung des Festes lag in der Hand eines besonder« Eomittzs. Am Vormittag erschienen die Mitglieder des israelitischen Gemeinde-Vorstandes in der Wohnung des Jubilars, brachten ihm ihre Wünsche dar und überreichten ihm eine ansehnliche Summe, die aus freiwillige» Beiträgen zusammengeflossen. Am Abend versammelte sich im Saale des Hotels Burscher an der Freiheitstraße eine große Zahl von Gästen aus Deutz, Köln und Umgegend. Das Fest-EomitH holte den Jubilar nebst seiner Gattin von ihrer Wohnung ab und führte sie in den schön und sinnig geschmückten Saal, w» sie die Glückwünsche der Freunde und ehemaligen Schüler entgegennahmen. Bei dem Festmahle galt der erste Trinkspruch dem Landesherrn. Der Stadtverordnete Tietz hob in einer länger» Rede hervor, daß dieses Fest aus eigenem Antriebe der Bürgerschaft hervorgegangen sei, die ihrem treuen Lehrer aus diese Weise ihre Anerkennung zolle. Bürgermeister Reisch gab dem Gedanken Ausdruck, daß die allgemeine Theilnahme an dem Feste, die sich weit über den Nahmen der israelitischen Gemeinde verbreite, Zeugniß ablege von dem guten Einvernehmen, welches in Deutz zwischen den Bekenner« der verschiedenen Konfessionen bestehe. Unter den verschiedenen Aufführungen, welche der Abend brachte, ist ein hübsches Festspiel für Kinder besonders zu erwähnen, welches von Frau Siegmund Bier in Köln verfaßt worden war und großen Bestall erntete. Möge es dem Jubilar beschiedcn sein, in seinem Berufe noch lange mit gleichem segensreichem Erfolge wie bis heute zu wirken. Kassel, 18. Jau. Regierungsseitig wurde gestern eine Stiftungs-Urkunde bestätigt in welcher die am 15. Mai 1880 verstorbene Wittwe des Großhändlers Jsac Levy, geh. Kahn in Eschwege ein Kapitalbctrag von M. 56,814.28 depomrt hat, dessen Zinsen zur Unterstützung bedürftiger Personen Israel. Glaubens im Kreise Eschwege Verwender