Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1882-01-18 · Heft 3 (18.1.1882) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 3 (18.1.1882)
Date
1882-01-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447898-2447901--18408-2474448
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

59 da aus ihm sich das Protoplasma bildet, sein nächster Vorgänger sein muß? Ist das vielleicht die Weiterbildung, daß das flüssige Element in ein constantes festes überging? Liegt im beweglichen Wasser der Trieb sich zu bewegen und sucht es deßk^alb in bewegliche Wesen überzugehen? Will man die Antwort entgegenhalten, daß ja die Entwickelung des Einen ans dem Andern Beweis sei,. daß die Stufe, die das uns näher liegende Wesen einnimmt, eine höhere, entwickeltere sei, als die des rückwärts liegenden, so fragen wir: Woher weiß man denn, daß sich das Eine aus dem Andern entwickelt? Wo sind denn die sicheren, bestimmten Beweise, daß man so kühne Schlüsse zieht? Gehen wir noch etwas näher ein auf diesen Urtrieb, den man heute als Kampf um's Dasein bezeichnet, betrachten wir ihn im U r ft o f f. Zwei fragen drängen sich uns auf. Wann hat die Entwickelung begonnen? und woher ist dieses Entwickelungsmoment gekommen? Wenn man einmal die Entwickelungstheorie als die einzig wahre, durch die wir die Welt und ihre! Erscheinungen begreifen, annimmt, so muß vor Al- ' lern die Möglichkeit, den Anfang derselben zu begreifen, gegeben sein. Wir gestehen ja vorerst zu, es soll ein Urstoff dagewesen sein, ohne neugierig nach dessen Ursprung zu fragen, sondern indem Wirts vorerst blind - glanben. 1. In diesem Urstoff nun - ob flüssig oderfest, ob kalt oder heiß, ob dicht oder dünn, istgleichgiltig — muß zugleich die Urkraft gelegen haben. '2. Dieser Urstoff muß ferner in dem Volumen vorhanden gewesen sein, so viel Stoff auch heute noch vorhanden ist. Denn nach dem Grundsätze, daß aus Nichts, Nichts werden kann, kann auch Nichts hinzugekommen sein. 3. Es muß ferner dieser Urstoff jedenfalls in seinem Urzustände angenommen werden, also in dem Stadium, wo er noch nicht angefangen hat, sich zu entwickeln. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien. Ein in der Nähe des Ringtheaters wohnender Herr hatte bereits für den 8. December eine Karte für das Ningtheater gelöst, welches er, da seine Frau sich etwas unwohl fühlte, allein besuchen wollte. Um Ulw kleidete sich der Herr an und sagte zu seiner Frau „lebe wohl." Im vorderen Zimmer angelangt, erblickte er plötzlich auf einem mische ein Seelenlicht brennen. Die Frau hatte dasselbe besorgen lassen, weil auf den folgenden Tag der Jahrestag des Todes seiner seligen Mutter Ziel. „Ja", sagte der Herr, „ich habe morgen Jahrzeit, nun ziemt es sich auch nicht, daß ich heute ins Theater gehe; er verrichtete sein Abendgebet und blieb zu Hause. Kurz darauf drang auch in seine Wohnung der Schrcckensruf: „Das Ringtheatcr brennt!"'Erschreckt und von Dank erfüllt weinten die Beiden, Mann und Frau, daß er durch so seltene Fügung gerettet wurde. (Ung. Jsr.) N u ß l a n d. Wie ans Warschau der „N. Fr. Pr." gemeldet wird, ist von Petersburg der Befehl eingetroffen, die strengste Untersuchung gegen alle bei den Excessen gegen die Juden compromittirten Militär- Personen einznleiten. Es soll bereits erwiesen sein, daß die Plünderung jüdischer Läden auf dem Platz Schilice bereits eine Stunde vor dem Unglück in der Kreuzkirche begann. Feuilleton. Lob Munih. Kulturhistorisches Zeitbild aus dem e r st e n D r i t t e l des 18. Jahrhunderts. Von S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) 2. Kapitel. Ester hatte Benjamin nicht lange in dem dunkeln Flur des kleinen Häuschens, in dem ihr Vater wohnte, warten lassen. „Das Kind ist sofort, nachdem ich ihm einen Löffel des lindernden Trankes eingeflößt, eingeschlafen", sprach sie, „es scheint jetzt keine Schinerzen zu fühlen, denn es lächelt tut Schlafe und wiederholt im Traume die ersten Worten seines Nachtgebetes: Hamaloch hagoel!"') „Du edles Herz!" rief Benjamin bewegt, „wie Du Dich um Dein Stiefbrüderchen sorgst, während Dein Vater sich fast gar nicht um Dich kümmert. Deine böse Stiefmutter Dich ohne Grund und Ursache quält!" „Er ist ja mein Vater, — daß seine zweite Frau sein Herz von mir abgewendet, daß er mich nicht mehr, so wie früher liebt, das thnt mir weh; — aber ich muß es tragen, und Moschet) ist ja 1) „Tev schützende <Juc,el", — die Worte, ivonü: daS Nachtgebet für Rinder beginnt. m;cjr- - f ' l, i 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.