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Der Israelit · 1882-01-18 · Heft 3 (18.1.1882) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 3 (18.1.1882)
Date
1882-01-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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58 resp. angenommen werden kann. So z. B. gibt man den Entwickelungsgang des sich bis zum Menschen entwickelten ersten Keimes folgendermaßen an: Protoplasma (d. i. noch nicht organisirte einfache Klümpchen einer schleimeiweißartigen Materie) daun, nach mehreren Zwischenbildungen S a ck-! w ü r m er, L n r ch f i s ch , dann wieder nach mehrcren Zwischenbildungen Bcn telth i er, Affe und Mensch. Einen Beweis, daß nur in dieser angenommenen Reihenfolge der Mensch entstanden sein kann, wird die „exacte Wissenschaft" doch wohl nicht ' Vorbringen können. Man kann mit demselben Rechte eine ganz andere Reihenfolge aufstellen, und daß das bei den vielen Aehnlichkeiten, die sich selbst zwischen den verschiedenartigsten Geschöpfen vorsinden, eigentlich nicht sonderlich schwer fallen dürfte, wird man leicht begreifen. Danach wird auch ein Entwickelungsgesetz, nach welchem die Entwickelung in bestimmten Grenzen vor sich gehen muß und eine bebestimmte Reihe von aufeinanderfolgenden Wesen folgen läßt, nicht nachzuweisen sein. Diese ganze Reihenfolge', wie sie so kühn als Entwickelung vom Protoplasma bis zum Menschen angenommen wird, beruht auf Aehnlichkeiten. Aber Achnlichkeiten sind noch nicht Beweise einer engeren nothwendigen Verwandschaft. Nach der Annahme, daß der erste Mensch von einem Affen herstamme — wir wagen gar nicht zu fragen, ob er ein Mann oder ein Weib war, denn die Antwort ist ja sehr einfach, daß jedenfalls mehrere Menschen von Affen sich entwickelt und darunter jedenfalls sowohl generis niasculini wie femini — und dann natürlich von diesen ersten Menschen alle übrigen Menschen, müßte auch die Annahme berechtigt sein, daß alle Vögel von dem ersten Vogelpaare, aus dem ersten Grashalme die ganze Pflanzenwelt entstanden sei. Merkwürdig ist nur, wenn doch Eins aus dem Andern entstanden sein soll, wenn der Ursprung aller jetzt bekannten Thicre doch in einem ersten Thiere angenommen werden soll, daß selbst sich sehr nahe stehende Geschöpfe, die in ihren Organismen zum Verwechseln ähnlich sind, sich nicht miteinander verbinden können, so daß wiederum zeugungsfähige Wesen durch diese Verbindung hervorgehen. Wie wir wissen, sind sich in gewisser Beziehung alle lebenden Wesen in ihrem Hauptorganismus ähnlich. Beweist aber die Aehnlichkeit der Organe und der thierischen Functionen zwischen Mensch und Thier ihre Abstammung von einander? und gegen die Schöpfung? Sollte denn der Schöpfer jedem Geschöpfe andere Organe geben, andere Lebensthätigkeiten anweisen, jedes besonders schaffen? Ist denn diese Einheitlichkeit in der Schöpfung nicht mehr Beweis für eine planmäßige Schöpfung, als für eine immerhin blinde, zufällige Entwickelung? Die moderne Wissenschaft versteht also unter Entwickelung nicht eine begrenzte Entfaltung bestimmter, vorhandener Kräfte und Fähigkeiten, sondern läßt die in einem Wesen liegende Fähigkeit der Entwickelung ein allen Wesen gleich innewohnende sein, so daß das geringste sich' zum größten und vollkommensten Wesen im Lause von Jahrmillionen entwickeln kann. In dem Erhaltungs- oder Fortpflanzungstrieb sieht sie die alleinige Kraft der Entwickelung, den bewegenden, entwickelnden und gestaltenden Motor. Sie bezeichnet den „K a m p s um's D a s e i u", als das einzige Entwickelungsmoment, als den alleinigen Grund, der die Welt sich entwickeln läßt. Da dieser „Kampf um's Dasein" aber allgemein als das Entwickelungsprincip angenommen werden soll, so muß er, wenn auf die Pflanzenwelt,, wie überhaupt auf die leblose Welt angewendet, ein der Natur dieser Welt innewohnender unbewußter Trieb sein, muß wenn auch bei der leblosen Welt in anderer Form und Weise sich zeigend, in den Urstoff gelegt sein, der sich mit der Fortbildung des Leblosen zum Lebendigen, weiter entwickelt und tortgebildet hat, so daß wir in den Erscheinungen der lebendigen Welt ihn so erblicken, daß wir ihn als „Kampf um's Dasein" bezeichnen können. Bei der leblosen Welt können wir nur den Entwickclungstrieb annehmen, der die Gegenstände immer mehr ausbildete. Wie so dieser Trieb dazu kam als Entwickelung und Fortbildung des Wassers das Protoplasma zu erblicken; wieso die Naturkraft im Protoplasma einen Fortschritt der Erhaltung des nassen Elementes finden kann; wie so im lebendigen, so leicht vergänglichen, so viel Gefahren ausgesetzten einzigen Wesen eine bessere Erhaltung des Urstoffes und der Urkraft gegeben sein soll: Das sind Fragen, die zu lösen wir die moderne Wissenschaft ersuchen. Soll das der große Fortschritt der Entwickelung sein, daß Leben in die Natur gekommen? Daß sie etwas hcrvorgebracht, was dem inneren Leben und Schaffen der Natur entspricht? Daß ein lebendiger Beweis ihres Daseins nun vorhanden? Da diese Natur- resp. Urkraft aber jedenfalls nur blind wirkt und, wie uns anzunehmen wohl gestattet sein wird, immer auf's beste und sicherste und unfehlbarste wirkt, so muß jeder Fortschritt in der Entwickelung ein wirklicher Fortschritt sein, muß in der Stufe der Entwickelung einen höheren Rang cinnehmen. Nimmt nun das Protoplasma, in Wirklichkeit nach dein E n t w i ck e l u n g s g e s e tz e, daß die Erhalt u n g und Weiterbildung einziges Pr in ei p ist, einen höheren Rang ein, als das Wasser, das doch.

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