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Der Israelit · 1882-01-18 · Heft 3 (18.1.1882) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 3 (18.1.1882)
Date
1882-01-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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56 Begeisterung ergriff die Versammelten. „Heil Dir, o Priester", rief Quintus Aemilius, „Deine Pläne sind groß und erhaben. Aus unsrer Mitte werden die alten Helden Roms wieder erstehen! Die Griechlein, welche den Glanz der Weltherrschaft von Rom hinweg nach der goldnen Stadt am Hellespont verlegt und das Scepter den Söhnen des Romulus geraubt haben, werden uns weniger zu schaffen machen als die Gothen. Wir werden der Begeisterung und der Hilfe von ganz Italien gewiß sein, wenn wir nach der Vertreibung der Barbaren auch die Byzantiner aus dem Lande weisen, wenn wir für die ewige Roma den alten Glanz zurückerobern, der in den ruhmreichen Tagen der Kaiser Trajan 'und Hadrian ihr Haupt umfloß. Sprich, was sollen wir thun?" „„Meine Brüder"", sagte Blasius', „„für jetzt dürfen wir nur in der Stille wirken. Ihr jungen Helden, übt Euch in den Waffen und erzieht auch Eure Clientel, Eure Sclaven und Eure Freigelasstnen, zu waffenkundigen Männern. Ein jeder Einzelne mag eifrig sich bemühen, die Zahl der Glieder unsres Bundes zu vermehren. Roch fehlen demselben viele Vertreter der alten Adelsgeschlechter. Suchen wir sie für unsre heilige Sache zu gewinnen. Das möge unsre nächste Aufgabe sein, bis die Umstände, die sich vorbereiten, unsre Pläne zur Reife bringen. Und so schließe ich heute die Versammlung mit dem Rufe: Wehe den Barbaren!" Begeistert wiederholten die Verschworenen den Ruf; dann wurde die Hängelampe gelöscht, und vorsichtig verließen die einzelnen Gruppen, verschiedenen Ausgängen sich zuwendend, den unheimlichen Ort. Die großen Pläne der Verschwornen hinderten diese nicht, in der üppigsten Weise zu leben und zu genießen. Die alte Catonische Sittenstrenge und Einfachheit war ja seit vielen Jahrhunderten aus Rom verschwunden, und so treffen wir Einige aus der Versammlung der Katakomben bei einem opulenten Gastmahle wieder, welches der in Rom wohnende griechische Jüngling Philippos seinen Freunden gab. Philippos, der sein Helleneuthum mit Stolz zur Schau trug, hatte sein Haus mitten in Rom in griechischem Stile erbaut; aber nicht in dem des damaligen, sondern des freien, des perikle'ischen Griechenlands; es trug den Stempel edler Einfachheit im Gegensätze zu der geschmacklosen Ueberladung jener Tage. Durch einen schmalen Gang gelangte man in das Peristyl, den offenen von Säulengängen umschlossenen Hof, beffett Mittelpunkt ein. plätschernder Springbrunnen in braunem Marmorbecken bildete. Die nach Norden offene Säulenhalle enthielt außer andern Gelassen auch den Speisesaal, welcher heute die kleine Gesellschaft versammelt hielt. Die Coena, der eigentliche Schmaus, war vorüber; die Commiffatio, das darauffolgende nächtliche Trinkgelage, sollte eben beginnen. Lucius Licinius, der sich verspätet hatte, fand die Freunde in der eleganten Trinkstube, wo längst schon die zierlichen Broncelampeu an den mit Schildplatt getäfelten Wänden brannten, und die Gäste, mit Rosen und Eppich bekränzt, auf den Polstern des hufeisenförmigen Tricliniums lagerten. Eine betäubende Mischung von Wein- und Blumendnft drang ihm an der Schwelle entgegen. „Salve, mi Luci“, rief der Wirth dem Eintretenden zu, „Du findest nur eine kleine Gesellschaft!" „„Nicht unter den Grazien,*) nicht über den Musen!**)"" sagte Lucius lächelnd. Dann befahl er dem Sclaven, der ihm gefolgt war, ihm die Sandalen zu lösen. „Geschwind", mahnte Philippus, „wähle den Kranz und nimm Deinen Platz da oben auf dem Ehrensitz; wir haben Dich im Voraus zum Symposiarchen, zum Festkönig gewählt!" Lucius wählte einen Rosenkranz und ergriff ein elfenbeinernes Scepter, das ihm ein syrischer Knabe knieend reichte. Das Rosendiadem zurechtrückend, schwang er mit Würde den Stab und sprach: „So mache ich Eurer Freiheit ein Ende; aber ich will ein milder Tyrann sein! Mein erstes Gesetz sei: ein Dritttheil Wasser, zwei Dritttheile Wein!" „„Oho"", rief Paulus Virginius, „„Du führst üppig Regiment; gleiche Mischung ist sonst unser Höchstes."" Und der Mundschenk, Ganymed hatte ihn sein Herr genannt, füllte die Krüge. (Fortsetzung folgt.) *) 3. **) 9. Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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