Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1882)
- Date
- 1882-01-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447898-2447901--18403-2474443- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
54 von Streichungen auf 19,297 herab und stieg wieder im I. 1879 auf 20,650, um sich im I. 1880 auf 22,443 zu erheben und gegenwärtig die Ziffer von 24,166 zu erreichen, die stärkste, die wir bis jetzt constatirt haben. Es ist dies sicher eine respectable Ziffer, und ich würde undankbar sein, wenn ich sie nicht mit der Achtung behandelte, die ihr gebührt; und dennoch, lassen Sic mich es Ihnen sagen, sie ist von einer offenbaren Unzulänglichkeit. 24,000 Mitglieder für eine Gesellschaft, welche in ihren Reihen die Israeliten der ganzen Welt vereinigen soll, mu unsere Glaubensgenossen ans allen Punkten der Erde zu schützen! 24,0no, das stellt noch nicht einmal die israelitische Bevölkerung von Paris dar! Und wenn ich mich gar anschicke, diese 24,000 Mitglieder zu zerlegen, zu welch' peinlichen Entdeckungen werden wir da gelangen! Amerika hat 840, Belgien und Luxemburg 338, Deutschland 7310, Egppreit 336, Elsaß-Lothringen 1112, England 84, Frankreich und Algerien 5711, Griechenland 63, - Holland 1240, Italien 739, Maroeco. Tunesien und Aripolitanien 441, Oesterreick-Ungarn 1269, Portugal 15, Rumänien 1111, Rußland ^140, Schweden itnb Dänemark 325, Schweiz 471, Serbien 31 und die Türkei 2780 Mitglieder. Also 5711 Mitglieder für Frankreich, wovon 2397 ans Paris und 3314 aus die anderen Departements und Algerien kommen! Und wir sollten befriedigt sein! Trotz der Schatten, die es verdunkeln, ist dock das Bild, das ich soeben entrollt habe, geeignet, auch die Peinlichsten zu befriedigen und die Furchtsamsten zu beruhigen. Die Zeit ist vorbei, wo ich aus Besorgnis; für die Zukunft mich fragte, ob die „Alliance" bei den unsicheren Hilfsquellen, über die sie verfügte, auf den nächsten Tag rechnen könne. Sie hat den Krieg und die Commune überwunden und im letzten Jahre auch den schrecklichen Schlag ansgchaltcn, den ihr der Verlust ihres berühmten Präsidenten versetzt hat; wer etwa noch an ihrer Lebensfähigkeit zweifelte, muß fortan belehrt und beruhigt sein. Weder die eine noch die andere dieser beiden Prüfungen die einer weniger fest organisirten Constitution gefährlich werden konnten, hat die gesunden Kräfte ihrer Constitution erschüttert; sie ist nach dieser doppelten Heimsuchung jetzt jünger, glanzender, stärker als jemals. A ui e r i k a. New Orleans, 18. Tee. Gestern Abend reisten die Pioniere der hier anwesenden russischen Israeliten per Dampfer „St. John" nach Sicilp Island, es waren ihrer ungefähr 25 Männer nebst einigen Frauen und Kindern, welchen nächsten Mittwoch eine gleich.' Anzahl folgen werden und so allwöchentlich jeden Mittwoch und Samstag (d), um auf den anzusiedeluden Ländereien hinreichende Vorkehrungen zu deren Unterbringung treffen zu können. Das hiesige Comitß hat während der Woche vortrefflich gearbeitet, die sämmtlichen Einkäufe für die Colonisten gemacht, die Verladungen besorgt und was die Hauptsache ist, für den nervus verum, für die nöthigen Mittel gesorgt, ohne welche das Gelingen nicht zu erwarten wäre. Das Comite hat sich auf gesetzliche Weise als eine Gesellschaft incorporirt, die Incorporation-Akte von den folgenden Herren unterzeichnen lassen: A. Lehmann, Morris Marks, Julius Weiß, Salomon Marx, Gabe Kahn, Isidor Rewmann und Maurice Hart, und trägt den Titel: „Immigrant Aid Society“ — „Einwanderer Hilfsgefellschaft" — mit dem Vorhaben, nicht allein jüdischen Einwanderern beizustehcn, sondern auch solchen Andern, die unterstützungswerth sind. Der jüdische Wohlthätigkeitssinn bekundet sich in dieser Affaire aufs Glänzendste, da mindestens 15,000 L.-St. aufgebracht werden müssen, um dieses Unternehmen erfolgreich zu sehen, und so wie uns versichert wird, erreicht die Gesellschaft ihren Zweck in jedweder Hinsicht; freigebige Hände, mitfühlende Herzen bleiben dieser Sache nickt fremd. Das von den Einwanderern bezogene H6tel war letzten Freitag hübsch illnminirt, sie hatten chinesische Laternen längs der Gallerie und vor ihren Fenstern angebracht und von Innen mit kleinen amerikanischen Flaggen und bunten Decken decorirt; sie feierten das Channkka-Fest, das Fest der wempelweihe, in Erinnerung an die tapferen Freiheitskämpfer, dieMakkabäer, und hatten sich an diesem für Israel so wichtigem Gedächtnißtage, als amerikanische Bürger einschwören lassen und die russische iHeimath änfgegeben. Sie hielten Reden, sangen Chöre, worunter das Lied von der Wolga, Fräulein Diamant und Herr Berwick als Chorführer fungirend, und der kleine Mischka oftmals den Ton angebend. Gegen 9I1hr brachen sie auf, um ihren Freunden sich dankbar zu zeigen. Singend und jubelnd durchzogen sie mit ihren Fähnchen und bunten Laternen (am Freitag Abend?) die Straßen und brachten dem Präsidenten, Herrn Julius Weiß, den Reverends Guthcim und Leucht, ihrem Vater Herrn Salomon Marx und den Herren H. Rewmann und A. Lehmann Serenaden. Die Abfahrt der Pioniere brachte viele ihrer Freunde an die Dampferlandung; unter lautem Hurrahrufe und Tücherschwenken verließ der Dampfer seine Werste und unter vielen Glückwünschen zogen die am Ufer Harrenden, nachdem das Schiff ihren Augen entschwunden, wieder heim, große Erwartungen für die Zukunft hegend.