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Der Israelit · 1882-01-18 · Heft 3 (18.1.1882) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 3 (18.1.1882)
Date
1882-01-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Rabbinerschule zu übernehmen. Leider sollte er diese Anstalt nur 8 Monate mit seiner so ersprießlichen Thätigkeit beglücken. Welche ungetheilte Hochachtung der Edle sich in dieser kurzen Zeit zu erwerben wußte, konnte man deutlich entnehmen aus der innigen Trauer, die sich Aller bemächtigte, die von seinem Hintritte hörten. Ein imposanter Trauerzug, in welchem wir den höchsten Verwaltungsbeamten des Kreises und viele Professoren des kais. Lyceums bemerkten, gab ihm das letzte Geleite. — Sein Wirken an gedachter Anstalt kann ich nicht besser charakterisiren, als, indem ich folgende Worte aus der so ergreifenden und rührenden Trauerrede Sr. Ehrwürden, des Herrn Consistorial-Oberrabbiners zu Colmar, unter dessen Oberleitung die Anstalt steht, hier anführe: Im Namen des Consistoriums spreche ich es mit tiefer Betrübniß aus, daß unsere Anstalt einen herben Schlag erlitten, einen Verlust, der uns nie wieder vollständig ersetzt werden kann. — Mit welcher Verehrung und Liebe die Schüler der Anstalt ihm anhingen, davon gaben die erschütternden Abschiedsworte, die ein Zögling der Anstalt an die entseelte Hülle seines theueren Lehrers richtete, das lauteste Zeugniß. Kein Auge blieb thränenleer, als er mit von Bewegung zitternder Stimme in beredten Worten schilderte, wie er und seine Mitschüler in dem Verklärten nicht nur den Lehrer, sondern auch einen wahren Vater in's frühe Grab sinken sehen, wie sie sein Bild tief ihrem Herzen einprägen, seiner aufopfernden Liebe und treuen Hingebung ein ewiges Andenken bewahren werden. «p tnsjn «ban tnsw ni py. Wehe, daß der Träger dieser geistigen Schönheit in der Blüthe der Jahre, in der besten Manneskraft zu Grabe getragen wurde! Welch' vortrefflicher Lehrer, welch' leuchtendes Vorbild einer Heranwachsenden Generation ist nun für immer dahin! — Nur der eine Gedanke kann uns in dem tiefen und allgemeinen Schmerze aufrichten, daß der so früh Vollendete nicht umsonst gelebt und gewirkt hat, daß die Saat des Wahren und Guten, die er in so manches junge Herz gestreut, auf fruchtbaren Boden gefallen und zur Ehre unserer heiligen Religion aufgehen wird. — Auch der edlen, so tief betrübten Gattin wird der allliebende Vater ""3 den wohlthuenden Balsam des Trostes in's Herz gießen durch die außerordentliche Anerkennung, die das Wirken, ihres verewigten Gatten gefunden. Der Geist des Verklärten aber, der sich nunmehr aufgeschwungen in die Regionen des ewigen Lichtes, wird dort reichen Lohn für sein Wirken hienieden ernten und himmlische, unaussprechliche Seligkeit im Strahle der göttlichen Herrlichkeit genießen. nrr: niwi inoj waoo by nw ‘bv aa* .d"k ibiu '."n p’pyn y"ja S. H. Schüler, Rabbiner. Oesterr.-Ungar. Monarchie. 1 Wien, 28. December. Heute Vormittags haben die bedauernswerthen Kleinen, welche durch die russische Barbarei ihres Vaterlandes und der Eltern beraubt worden sind, die Weiterreise nach dem heiligen Lande angetreten. Es geschah dies gegen dreiviertel 11 Ubr mit dem Wiener-Neuftädter Lokalzuge, von dessen Personenwaggons einer ausschließlich für die armen Kinder und ihre erwachsenen Begleiter reservirt worden war. Unter Führung dieser gutmüthigen Leute trafen die Kleinen, 28 an der Zahl, bereits mehr als anderthalb Stunden vor dem Abgänge des Zuges, auf dem Südbahnhofe ein, wo sie bis zum ersten Abfahrtssignale im Wartesaale dritter Classe verweilten. Diese einfach, aber nett und warm gekleideten Kinder, welche, in kleine Gruppen zusammengedrängt, auf den Bänken Platz genommen hatten und mit trüben Blicken das ungewohnte Leben und Treiben auf dem Bahnhofe betrachteten, gewährten einen in Wahrheit rührenden und ergreifenden Anblick. Diesem Eindrücke konnten sich auch die im Wartesaale befindlichen Landleute ebenso wenig entziehen, als die dort anwesenden Wiener. Letztere verfehlten nicht, in drastischenaber herzlich gemeinten Worten, dem Unmuthe Luft zu machen über die „herzlosen Leut', welche so arme Waserln mutterseelen allein in die Welt hinausgestoßen haben." Als dann das erste Läuten ertönte, traten die Kinder rasch in Reih und Glied und begaben sich unter Führung ihrer erwachsenen Begleitung auf den Perron, wo inzwischen ihr bescheidenes Reisegepäck bereits einwaggonirt worden war. Kurz vor der Abfahrt spielte sich noch eine rührende Scene ab. Zwei der Knaben sollten — gleich den Mädchen — in Wien Zurückbleiben, der Eine bei seiner hier verheiratheten Schwester, der Andere bei einem Schlossermeister. Der letzterwähnte Knabe, von dessen intelligentem Gesichte deutlich der tiefe Schmerz über die Trennung von seinen Unglücksgefährten zu lesen war, benützte den Moment, da die Abreisenden von hiesigen Glaubensgenossen, welche sie auf den Bahnhof geleitet hatten, Abschied nahmen, um sich in den für die Opfer russischer Barbarei reservirten Waggon zu schleichen. Als man dies bemerkte und ihn herausrief, brach nicht nur er, sondern auch die meisten seiner bisherigen Gefährten in bittere Thränen aus, so daß sich der Delegirte der „Alliance Jsraölite, Herr Dr. Schaffier, welcher die Kleinen bis an ihr Reiseziel geleitet, bestimmt

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