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Der Israelit · 1882-01-11 · Heft 2 (11.1.1882) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 2 (11.1.1882)
Date
1882-01-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Theile gänzlich abgelegt. Sie erhielten von einem hiesigen jüdischen Vereine, der eigens zu diesem Zwecke in's Leben gerufen wurde, eine ganz moderne Kleidung. Nur durch die Sprache verrathen diese noch ihre Abstammung aus Rußland; sonst ist ihre äußere Haltung eine recht anständige. Jndeß haben diese gesinnungstüchtigen Männer eben nur ihre Kleider, nicht aber auch ihre religiöse Anschauung gewechselt. Da keine einzige der hier bestehenden Synagogen ihrer religiösen Ueberzeugung entsprach, mietheten sie sich ein geeignetes Lokal, in dem sie töte Gebete verrichten. Auch eine besondere Fleischbank pachteten dieselben, wo eben nur ein mitausgewandeter Schächter das Schlachten versieht. Sollte es ihnen gelingen, eine besondere russisch-jüdische Gemeinde in New-Pork zu konstituiren, dann würden sie irgend einen frommen Gelehrten aus Rußland als Oberrabbiner berufen. Freilich fehlt es den armen Leuten vorläufig an den nöthigen Geldmitteln, um ihr Vorhaben sogleich durchzuführen; es unterliegt aber keinem Zweifel, daß New-Iork bald eine jüdische Gemeinde aufzuweisen haben wird, welche auch in der „neuen Welt" das „alte Judenthum" wieder zur Ehre und Geltung bringen wird!" Feuilleton. <Löb Munch. Kulturhistorisches Zeitbild aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts. Bon S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) . . ''So willst Du nicht von Löb Munitz lassend" ries Ester erbittert in aufflammendem Zorn. „Warum hängst Du Dick an den Menschen, gibt er Dir vielleicht Geld? Du brauchst ja seines nicht, Du bist ja selber reich! Warum willst Du von dem Manne nicht lassen, den Jeder, der Geringste, der ärmste Bettler mit Recht verachtet d Warum willst Du nrcht von dem Manne lassen, der sehr reich ist und doch noch nie einem Hungrigen eine Krume Brod gereicht? Warum willst Du nicht von dem Manne laßen, der den Dürftigen von seiner Schwelle treibt, Wittwen und Waisen darben läßt! — Vielleicht verlangst Du auch noch.Dein Weib sollte — den Mann wie Deinen Vater kindlich ehren?" „Gewiß verlange ich das", entgegnete Benjamin. „Ah! das kann ich nicht, — das will ich nicht r~ das tfju’ ich nicht! Ich habe Dir's schon gesagt, rch lrebe Dich, Du aber liebst mich nicht, Du hast mich nie geliebt, wenn Du so Sinnloses vbn mir forderst! ..... Ich habe es schon gesagt", begann Ester nach einer Pause ruhiger, „wäcks Dein eigener, i leiblicher Vater, ich würde meinen Stolz — ich bin z eines armen Mannes Tochter; aber ich bin stolz — bezwingen; aber das ist er nicht, er ist wie man ihn allgemein nennt, ein ....." „Schweig!" rief Benjamin, ihr rasch mit der Hand die Lippen schließend, „ich will aus Deinem Munde nicht den Schimpfnamen hören, mit dem der Pöbel den alten Mann belegt!" „Nicht der Pöbel allein", entgegnete Ester, „Jedermann nennt ihn so; man hat darob fast seinen Familiennamen vergessen, Du bist der einzige Mensch, der zu ihm hält — weßhalb, was ist er Dir?" „Wenn Du es noch nicht weißt, will ich es Dir sagen, — doch mußt Du mich ruhig bis zu Ende hören. Du kennst mich lange, so lange als Du zurückdenken kannst, und doch muß ich glauben. Du kennst meine Lebensgeschichte nicht ganz. — Ich muß in dieser weit zurückgehen, es klingt sehr sonderbar, doch möcht ich sagen, sie beginnt vor meiner Geburt ..... Es sind jetzt etwas mehr als 25 Jahre, als eine verlassene Frau allein hier in Prag anlangte, es war eine junge, schöne, blasse, abgehärmte Frau, die ein Kind unter ihrem Herzen trug. Als sie vom Reisewagen abstieg, der sie bis an die Judenstadt geführt, frug sie nach Reb Henoch Straßburg, einem der reichsten und vornehmsten Balebattm') in Prag, sie wurde von diesem außerordentlich freundlich ausgenommen, und er räumte ihr eine ruhige Wohnung in dem Hintergebäude seines Hauses ein. — Die Frau war meine Mutter; — drei Tage nach ihrer Ankunft starb sie, als sie mir das Leben gab. — Als ich in den heiligen Bund Abrahams ausgenommen wurde, war zum allgemeinen Erstaunen der Prager Oberrabiner, David Oppenheim, mein Sanbef 1 2>, was als ein Beweis betrachtet wurde, daß meine Eltern würdige Leute waren. „Bis zu sechs Jahren blieb ich im Hause des reichen Reb Henoch Straßburg und wurde hier so liebreich behandelt, daß ich kleiner, unerfahrener Knabe bis zu dem Zeitpunkte, wo er Prag verließ, glaubte, ich befände mich in dem Hause meiner Ettern. Plötzlich trat in Straßburgs und dadurch auch in meinem Leben eine Wendung ein. Seine brave Frau, eine geborene Frankfurterin, die ich für meine Mutter gehalten, starb nach kurzem Krankenlager mit Hinterlassung eines kleinen Knaben, den ich als ntciit Brüderchen betrachtet hatte. Zur selben Zeit ungefähr war auch eine ledige Schwester der Frau Straß- 1) Hausväter, Gemeindemitglieder. 2) Derjenige, der das Kind während der Circomcision aus dem Schooße hält.

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