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Der Israelit · 1882-01-11 · Heft 2 (11.1.1882) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 2 (11.1.1882)
Date
1882-01-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Art. 1. oit der?, öffentlichen Anstalten für Mittelunrcrricht ist in Bezug ans die Theilnabme der Kinder an der? ReligienSunterriclN und den geistlichen Uebungen stets der Wunsch der Familienväter einzuholcrr und zu befolgen. Art. 2. Ter Religionsunterricht ist von den Geistlichen der versänedcuen Bekenntnisse im Innern der Anstalten und außerhalb der Klasscnstunden zu crtheilen. R u ß l a n d. Petersburg, 28. December. Der „Negierungsbote" rekapitnlirt die bereits gemeldete .Katastrophe aus der Kreuzkirche in Warschau und gibt die Zahl der Verunglückten auf 28 Todte und 26 Schwerverletzte an. Er meldet weiter: Die Bevölkerung schrieb die Schuld den jüdischen Einwohnern zu und demolirte deshalb auf das Höchste erregt in entlegenen Stadttheilen Warschaus im Laufe des Nachmittags vorn 25. December einige jüdischen Einwohnern gehörende Schänken, Buden und Häuser. Nachts wurde die Ordnung wiederhergestellt." Am folgenden Vormittag um 11 Uhr entstanden wiederum Unordnungen in den von Juden bewohnten Stadttheilen, welche bis Nachts andauerten. Eine große Anzahl von Ruhestörern wurde verhaftet. Ueber das Unglück in Warschau wird der „Nationalzeitung" von dort geschrieben: Der Oberpolizeimeister von Warschau, General Buturlin, ist zur Zeit von Warschau abwesend. Zu seinem Vertreter, dem Generalmajor Polenow, begab sich gestern eine aus angesehenen Bürgern verschiedener Konfessionen zusammengesetzte Deputation, die um nachdrücklicheren Schutz ersuchte. Er soll ihnen geantwortet haben: „Nun, da sehen Sie, meine Herren, daß Pöbel Pöbel bleibt, gleichviel welcher Nationalität. Als Unruhen in Kiew und Odessa ausgebrochen waren, da schlug sich Ihre Presse vor die Brust und erklärte: „Wir sind doch besser wie jene". Sie sehen, der polnische Plebs ist nicht um eines Haares Breites besser." Die Bitte der Deputation, selbst eine Bürgerwehr zu organisiren, schlug er rundweg ab. Warschau. Seit der Rückkehr des Oberpolizeimeisters Buturlin herrscht vollständige Ruhe in der Bevölkerung, und man betrachtet die Wiederkehr der Ercesse gegen die Juden als ausgeschlossen. Die Zahl der Verhafteten ist bis aus 3000 gestiegen. Der effective Schaden wird approximativ auf ilh Millionen Rubel geschätzt; doch könnte derselbe, wenn die allgemeine Stagnation des Handels und Verkehrs längere Zeit andauern sollte, größere Dimen-; sioneu annehmen. Insbesondere werden bedeutende 1 Fallimente befürchtet, falls das Ausland mit Creditj Entziehungen Vorgehen würde. j Warschau, 31. December. Unter den 3000 Personen, welche in Warschau verhaftet wurden, sollen sich, polnischen Quellen zufolge, eine größere Anzahl Russen und einige Nihili en befinden. General-Gouverneur Albedinsky hatte kein Vertrauen zu den mit den betrunkenen Banden fraternisirenden Soldaten, weßhalb er diesen keinen Befehl zu einem energischen Einschreiten gab. Graf Albedinsky, der von Petersburg Instructionen verlangte, soll länger als 24 Stunden auf Antwort gewartet haben. Rach einem Berichte des Czas wird die gegenwärtige Judenhetze mit der im Mai dieses Jahres beabsichtigten in Verbindung gebracht, welche damals durch den Einfluß der Geistlichkeit noch rechtzeitig vereitelt wurde. Ein während der Judcnkrawalle verwundeter Jude ist im Spital gestorben. Türkei. Aus Konstantinopel veröffentlicht der „Dailn Telegraph" eine interessante Mittheilung über die jüdische Einwanderung in das türkische Gebiet. Der Sultan, dem Beispiele seiner Vorfahren folgend, hat den aus denjenigen Theilen Europas auswandernden Inden, wo dieselben mit Verfolgung bedroht sind, gastfreundliche Aufnahme in gewissen asiatischen Provinzen angeboten. Es ist im Vorschläge jüdische Eolonien zu gründen und Ausschüsse, aus Mitgliedern verschiedener Nationalitäten bestehend, sind bereits behufs Förderung dieses Projektes gebildet worden. Da die Bevölkerung der Türkei durch Ereignisse der letzten Jahre bedeutend vermindert worden ist, so soll die Colonisirung Klein-Asiens durch jüdische Einwanderung, wenn sich die ersten Versuche als erfolgreich erweisen sollten, in großartigem Maßstabe zur Ausführung gebracht werden. Es wird als bemerkenswerth hervorgehoben, daß die im 15. Jahrhundert aus Spanien in Folge der Inquisitions- Verfolgungen nach den verschiedenen Theilen der Levante geflüchteten und eine zahlreiche Klasse bildenden Juden, welche sich daselbst sehr vermehrt und ausgedehnt haben, nie mit der ottomanischen Regierung in Streitigkeiten gerathen sind. A m e r i k a. Aus New-Uork wird dem „Wiener Tageblatt" Folgendes berichtet: „Man sollte es kaum glauben! Die armen halbverhungerten Juden, die aus Rußland in Mütze und Kaftan hier angetan gl sind, haben nunmehr diese ihre Tracht zum großen

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