Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1882)
- Date
- 1882-01-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Schüler eine nicht zu unterschätzende Wohlthat sein. — An beiden Seiten des Gebäudes befinden sich die durch den in der Mitte liegenden Garten des Direktors getrennten Spielplätze für die Knaben einerseits und für die Mädchen andrerseits. Das Haus kostet, inclusive Bauplatz und Einrichtung, circa 500,000 Mark, zu denen bekanntlich Freiherr Wilhelm und Freifrau Mathilde von Rothschild 300,000 Mark gespendet haben. — Das Gebäude ist schon an sich ein a&n iemp, eine Heiligung des göttlichen Namens, ein glänzender Beweis der Opferwilligkeit für Gott und Seine heilige Lehre. All' die prachtvollen Spnagogen, die in den 'jüngstverflossenen Jahrzehnten erbaut sind worden, haben nicht die Bedeutung, welches dieses dem Unterrichte und der Erziehung gewidmete Haus in Anspruch nimmt. Hier werden Knaben und Jünglinge, Mädchen und Jungfrauen zu frommen, gottesfürchtigen Inden und Jüdinnen, zn gebildeten und tüchtigen Menschen heraugezogeu; hier wird die Saat gestreut für die Zukunft einer gottgefälligen Gemeinde. Wir haben bereits mitgetheilt, daß in den Räumen des alten Schulhanses eine jüdische Volksschule errichtet und wahrscheinlich im nächsten Frühjahre eröffnet wird. Möge der allgütige Gott der für Gott und Seine heilige Lehre immer opferbereiten isr. Religionsgesellschaft zu Frankfurt am Main eine stets gedeihliche Entwickelung ihres segensreichen Wirkens gewähren. Mainz, 6. Jan. lieber die Vorgänge in Warschau berichtet ein von einem Leser des „Israelit" uns gütigst zur Verfügung gestellter Privatbrief wie folgt: Warschau, 2. Januar. Wie wir die Schreckenstage hier zugebracht haben, wirst Du Dir vielleicht denken können, sie Dir in einzelnen Szenen zu beschreiben ist mir unmöglich, da in ganz Warschau fast zur selben Stunde losgegangen ist. Laut amtlichem Bericht war in der Kirche kein Jude. Gegen 1 Uhr (Mittags?) ist schon geraubt und geplündert worden, das Schrecklichste war Montag den 26. Dezember in der Gegend meiner Wohnung, das Geschrei der wüthenden Horden, das Klagen und Jammern der armen Mißhandelten und Beraubten war etwas Herzzerreißendes, in Warschau bisher G. s. D. noch nie Gehörtes. Die Polizei und das Militär haben fast nichts gethan. Sie haben es als ein Kinderspiel betrachtet. Am meisten hat leider die ärmste Klaffe gelitten, über 6000 Familien sind ihrer Habe beraubt und mitten im Winter obdachlos, die Armuth ist groß und das Geschäft liegt vollständig darnieder. Von unseren näheren Freunden hat die Frau I. M. . . . viel Schaden erlitten und liegt vo.u Schrecken schwer erkrankt bei ihrer Tochter, Frau Th. . . . Wir sind noch wie im Belagerungszustände, Soldaten in allen Straßen, Kosacken patrouillieren auf und ab, aber G. s. D. ist bis jetzt alles ruhig. Die Polen (d. h. die besseren Klaffen) sind über die letzten Vorgänge sehr aufgebracht. Hier wird allgemein der Vorgang in der Kirche und die Folgen davon als von einer Quelle ausgehend betrachtet, auch wird gesagt, daß die Behörden vorbereitet waren, daß während der Feiertage so etwas Vorkommen wird, es ist jedoch nichts gethan, vielmehr ruhig zugesehen worden. Ich selbst war Augenzeuge, daß die Soldaten über das Gejammer der armen Geplünderten höchst ergötzt und voller Freude waren. Ich selbst bin zu angegriffen um Dir heute noch mehr schreiben zu tonnen. .io** .njn »o :crrn (Wir fügen hinzu, daß die jüdische Bevölkerung in Warschau ca. 120,000 Seelen beträgt. — Red.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Budapest Se. Majestät hat — wie das Amtsblatt meldet — gestattet, daß der Hosrath Litdwig v. Düczy, welcher dem Minifteriurn des Aeußcrn als Ministerialrath angehört, den ihm verliehenen preußischen Kronenorden 2. Klaffe mit dem Stern annehmeu und tragen dürfe. Budapest. Auf Einschreiten der Fleischhauer-Genossenschaft hat der Magistrat an den Handels-Minister das Ansuchen gestellt, daß die Beschränkung der Koscherfleisch-Ausschrotung aufgehoben werde. Der .Handelsminister ertheilte hierauf den Bescheid, die bezügliche Verordnung nicht abändern zu können, weil die Ansschrotung von Koscherffeisch uickn zu den freien Gewerben gehört, eventuell au gewisse Kauteleu geknüpft ist und die hiefür nöthigen Lizenz sehr leicht erworben werden kann. Die Lizenztaxe ist so niedrig bemessen, daß, wie ans den Ausweisen der isr. Cultusgemeinde zu ersehen, die gesammte Einnahme aus dieser Taxe nicht einmal die Kosten der Eontrole deckt. F rank r e i ch. Paris, 24. Tee. Der Unterrichtsrath, welcher augenblicklich seine ordentliche Jahressession hält, Hai bezüglich des Religionsunterrichts in den Mittelschulen folgendes Dekret seftgestelli, das auch schon heute im „Journal ossiciel" erschienen ist: