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Der Israelit · 1882-01-11 · Heft 2 (11.1.1882) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 2 (11.1.1882)
Date
1882-01-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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die Zuflucht zu seinen! Lehrer, dem es vollstes Vertrauen schenkt. Ich habe schon die Erfahrung gemacht, daß ein siebenjähriger Knabe mir beim Religionsunterrichte ganz natv erklärte: „Es gibt keinen Gott." Bon selbst konnte doch unmöglich dasselbe zu dieser Anschauung gekommen sein und in seinem Elternhause hat es, wie ich mit Gewißheit annehmen darf, eine derartige Aeußerung nicht gehört: es kann sie nur von seinem Lehrer, der, wie mir nachher bekannt wurde, wirklich Darwinist ist, d. h. er schwört zur neuen Lehre, gehört haben. Ebenso erklärten mir einst mehrere Mädchen von 13 und 14 Jahren, ihr Lehrer hätte ihnen gesagt, es gäbe keinen Schöpfer, es sei Alles Natur. Viele Eltern haben noch gar keine Ahnung vom Darwinismus, und wenn sie auch etwas davon gehört, besonders die Entstehung des Menschen vom Affen, dann lacht man über diese „Verrücktheit", geht aber ahnungslos an dem furchtbaren Abgrund vorüber, in den bereits ihre Kinder mit Gewalt hineingezerrt wurden. Ehe ich nun meinen folgenden Satz beginne, will ich eine Bemerkung vorausschicken, die Bemerkung nämlich, daß ich wohl weiß, wie die Anhänger des Darwinismus darüber und über noch manches Andere mit einem spöttischen Lächeln und mitleidigem Achselzucken hinweggehen, da sie in ihrem Wahne, allein Recht zu haben, Jeden, der nicht zu ihrer Fahne schwört, als einen nicht denk - und urtheilssähigen Menschen erklären, tteberhaupt sind diese modernen Forscher außerordentlich nervös und ärgerlich, wenn Jemand antidarwinistisch schreibt, und suchen den Werth des Betreffenden herabzusetzen. Ob die neuere Wissenschaft solche Angriffe zu fürchten hat, da sie noch in ihren Anfängen ist, wissen wir nicht, aber jedenfalls ist diese Art und Weise, den Gegner herabsetzen zu wollen, nicht gerade streng wissenschaftlich zu nennen. Nach dieser Abschweifung wollen wir nun zu unserem eigentlichen Thema zurückkehren. Wenn auch voraussichtlich der Darwinismus, der ja nach unsrer festen Ueberzeugung doch nichts weiter ist, als eine krankhafte Ausgeburt der Phantasie, des Vernunftwahnes und der — Selbstvergötterung , keinen dauernden und allgemeinen Erfolg haben wird, 10 darf man doch nicht hierbei, wo es sich um das höchste Gut der Menschheit handelt, um die oberste und erhabendste Wahrheit, allzuviel auf den gesunden Verstand der Menschen bauen, daß er schließlich die krankhaften Stoffe ausscheiden werde; sondern Jedem, dem Kraft und Fähigkeit verliehen, dem das Gesammtwohl und die sittliche Entfaltung der Menschheit am Herzen liegt, sollte es heiliger Ernst sein, dagegen anzukämpfen und so viel als möglich das Volk aufzuklären. Aus diesen Gründen und ganz besonders weit die jüdische Auffassung und Schöpfungslehre zu Falle gebracht werden soll — und nach dem Gebühren dieser Gelehrten der „exactcn Wissenschaft" scheint das nur noch eine Frage der Zeit zu sein, so bestimmt und zuversichtlich treten sie auf, obwohl sic, etwas genanerbetrachtet, fast gar keinen festen Boden unter sich haben — wollen wir Entwicklungs-Theorie und Schöpfungs-Lehre etwas näher untersuchen. (Fortsetzung folgt.) Zeilungsnachrichlen und Correfporrdenzen. Deutschland. Mainz, 3. Jan. Gestern hatten wir die Freude, das neue Schulhaus der isr. Religionsgesellschaft zu Frankfurt am Main, über dessen Einweihung wir in Nr. 52 dieser Blätter berichtet haben, zn bewundern; wir sagen: bewundern, denn das Haus ist so schön, so zweckentsprechend und herrlich, wie wir noch kein anderes gesehen haben. Schon von außen gewährt es einen imposanten Anblick. Auf einer großen steinernen Treppe steigt man zu den mächtigen Flügelthüren empor, welche den Eingang zu der Knabenschule gewähren. Rechts vom Eintrctenden befindet sich der Eingang zu der Mädchenschule; im linken Flügel hat der Direktor der Anstalt eine große, schöne und geräumige Wohnung. Die Schule gewährt Raum für 700 Kinder (gegenwärtig wird sie von 500 Schülern und Schülerinnen besucht). Die einzelnen Klassenzimmer sind säunulich groß, schön, hell und luftig. Ganz besonders nehmen der Turnsaal, welcher zugleich als Aula dient, der Saal für den Zeichnenunterricht, und die Räumlichkeiten für den Unterricht in den Natnrwiffenschasten die Ausmerksamkeit des Beschauers in Anspruch. Sie zeichnen sich sämmtlich durch Größe, Schönheit und zweckmäßige Einrichtung ans. Außer den Lehrzimmern, der Direktorwohnung, der Wohnung für den Schuldiener befinden sich im Gebäude ein Amtszimmer für den Direktor, ein Erholungszimmer für die Lehrer, ein solches für die Lehrerinnen, und ein Berathungszimmer für die Verwaltung (Schulrath). Im Sousterrain sind die großen, gewaltigen Oefen für die Wasserluftheizung angebracht. Hier sind an den Wänden die Namen der einzelnen Classenzimmer?c. zu lesen, und correspondirende Thermometer zeigen dem die Heizung besorgenden Beamten den Wärmegrad in jedem einzelnen zu heizenden Raume an. Wenn sich diese Art von Heizung bewähren wird, so wird sie für Lehrer und

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