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Der Israelit · 1882-01-11 · Heft 2 (11.1.1882) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 2 (11.1.1882)
Date
1882-01-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Erste Leilage zu tlr. 2 des Äsraelil. Leitender Artikel. Lintwicklungs-Meorie und Schöpfungs- Lehre. Von Di-. H. Sänger. Mehr als drei und ein halbes Jahrtausend sind es nun, als Abraham inmitten einer noch in tiefer Geistesnacht schlumnrernden Welt die Lehre von Einem ewigen Wesen, dem Schöpfer und Leiter des Weltalls, aufstellte und sie seinen Nachkommen so sest und überzeugend einprägte, daß heute noch, nach drei und einem halben Tausend Jahren, diese Nachkommen fest und unerschüttert dieselbe aufrecht erhalten. Wie viel Forscher und Denker anderer Nationen haben daran gerüttelt, aber vergebens. Ja, die ganze gebildete 'Welt verdankt ihre Bildung, ihre reinere Welt- und Gottesanschauung dieser Lehre des Judenthums. Diese Lehre nun findet ihren Ausdruck in der Bibel, einem Buche, das auch heute noch von der überwiegend großen Majorität, auch der gebildeten, als ein großartiges, als Bildungsmittel für die Menschheit wohl als das großartigste, einflußreichste und bedeutsamste anerkannt wird. Wenn man auch hie und da den Werth der Bibel herabzusetzen sucht, weil man mit dem einen oder andern darin Enthaltenen nicht einverstanden ist, so zeigt das, wir möchten sagen, von Oberflächlichkeit, die sich merkwürdigerweise bei Beurtheilung dieses ältesten Denkmals so gerne breit macht, — sagen wir es ganzoffen — aus Vorurtheil gegen das Judenthum, welches Vorurtheil sogar bei den Forschern der „exacten" Wissenschaft vorhanden, wie wir dies noch an einem eclatanten Beispiele erhärten werden. Man findet dadurch oft ganz etwas Anderes als das, was der unparteiische Forscher darin finden muß. Wie überall, so auch hier, ist es bei Beurtheilung sehr wesentlich, von welchem Standpunkte aus man den Gegenstand betrachtet und beurtheilt und ob man die Quelle, aus der man seine Kenntniß schöpfen muß, wenn man wissenschaftlich zu sein sich bemüht, denn auch richtig kennt, sie gründlich versteht, um die aus ihr fließenden Berichte genau aufzufassen. Es ist nicht meine Absicht, jetzt näher auf den Werth der Bibel und auf die Art und Weise, wie sie beurtheilt wird, einzugehen; aber die Erfahrung von Jahrtausenden hat der Bibel die hohe Achtung und Anerkennung, die wir ihr entgegenbringen, auch anderweitig verschafft und erhalten, und es ist wohl anzunehmen, daß dies seine gewichtigen Gründe haben mag. Dieser Schöpfungslehre nun, wie die Bibel sie uns erzählt, tritt die moderne Wissenschaft entgegen, sucht sie lächerlich zu machen und muht sich, der Welt die Ueberzeugung beizubringen, daß nur eine Entwicklung die Welt zu dem gemacht, was sie heute ist. Statt des biblischen Gottes, als Schöpfer, soll ctrt Urstoff und die Natur als das treibende, bewegende, belebende und entwickelnde Moment an die Stelle treten. Die Welt und die sie erfüllenden und belebenden Wesen seien nicht Geschöpfe, sondern nur Produkte einer blind wirkenden Narur und deren Kräfte. Wir wollen nun in Folgendem beide Lehren in ihren allgemeinen Principien und in ihrer ganzen Tragweite uns klar zu machen suchen. Doch vorher seien mir einige Bemerkungen gestattet über die zwingende Nothwendigkeit und über die Pflicht, uns mit diesem Gegenstände zu beschäftigen. Man darf nicht glauben, daß diese neue Lehre, diese Entwicklungstheorie, so lächerlich sei, daß sie um deßwillen schon sich keines größeren Erfolges zu erfreuen haben werde. Denn' was heute sich mi: dem Aushängeschild „wissenschaftlich", „exacte Wissenschaft" deckt, dem glaubt man schon einige Aufmerksamkeit widmen zu müssen, t>a ja unsre Zeit uns schon so manches Ueberraschende, früher für unmöglich Gehaltene gebracht hat. Man muß aber vor Allem auf die Konsequenzen dieser neuen Lehre aufmerksam machen, damit die große Menge, an die man sich von Seiten der Anhänger jener Lehre hauptsächlich wendet, jedenfalls in der Voraussicht, unter derselben mehr „Gläubige" — denn es gehört allerdings eine gute Dosis Gläubigkeit dazu — finden zu dürfen, auch weiß, wohin diese Heilslehre führt. Man verschmäht es auch nicht, unter der zarten Schuljugend Proselyteu für die neue Lehre zu werben und das unschuldige, leichtgläubige Gemüth des Kindes zu vergiften, indem, man so früh den Samen des Zweifels an Gott und dessen Schöpfung in sein Herz streut. Wenn nun die Eltern nicht im Stande sind, die sich dem Kinde aufdrängenden Fragen und Zweifel zu beantworten und zu zerstreuen, dann bleibt natürlich demselben nur

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