Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1882)
- Date
- 1882-01-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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32 Könige, und warf mich ihm zu Füßen und erflehte seinen Schutz. Er hob mich gnädig auf und versprach mir, Alles zu thun, um den Juden Gerechtigkeit zu verschaffen. Er reiste sofort nach Rom, berief den Senat und machte ihm die bittersten Vorwürfe, daß solcher Unfug hatte geschehen können. Als die Sache untersucht wurde und die Schuldigen nicht zu ermitteln waren, befahl der König, daß die Stadt Rom den angerichteten Schaden zu ersetzen habe. Aber einige reiche Bürger von Rom weigerten sich, den auf sie entfallenen Beitrag zu geben. Da ließ sie der König ergreifen und auf offenen: Markte durch Henkershand die Geißelung an ihnen vollziehen. O, daß er so früh hat sterben müssen, ohne einen Sohn zu hinterlassen, der das Erbe des Vaters hätte übernehmen können! Nur zu bald folgte ihm sein Enkel Athalarich ins Grab. Jetzt ruht die Last der Herrschaft auf den Schultern eines schwachen Weibes. Zwar hat Amalasunta ihren Vetter Theodahad zum Mitregenten angenommen: allein auch in ihm lebt nicht der Heldengeist des Theoderich. Er ist zu habsüchtig und möchte gern das ganze Land zu seinen Privateigenthum machen. Die Ländereien seiner Nachbaren sind nicht einen Augenblick vor seiner Habgier sicher."" „Wie sind Amalasunta und Theodahad gegen die I sten gesinnt?" fragte Joseph. Ueber die Gesinnungen Amalasunta's gegen unser Volk", antwortete Isaak, „ist nichts Näheres bekan t. Bei ihrer Vorliebe für Griechen und Römer i l von ihr nicht viel Gutes zu erwarten. Theodahad l gegen ist kein Feind der Juden. Naphtali, der Levlt, lebt an seinem Hofe und gehört zu seinen nächsten Freunden. Er übt einen guten Einfluß auf ihn aus; er sucht die Ländergier des Königs, soviel in seinen Kräften steht, zu beschränken. Allein die Habsucht Theodahad's ist größer und stärker, als alle guten Rathschläge seiner Freunde. Möge Gott es zum Guten lenken." „„Und wie sind die Behörden dieser Stadt gegen unsere Glaubensgenossen gesinnt?"" „Wir können uns nicht beklagen; der Gouverneur des Landes, der alte Graf Uliaris, ist ein Mann, der ganz im Sinne und Geiste seines Heldenkönigs Theoderich handelt. Er übt Recht und Gerechtigkeit und beschützt uns Juden gegen die mannigfachen Aufreizungen, welche die Griechen nur zu gern gegen uns in Scene setzen möchten. Der Seegras von Neapolis, Totila, ist einer der herrlichsten Menschen, die je gelebt haben. Ans ihn paßt der Ausspruch des alten griechischen Weisen, daß in einem schönen Körper eine schöne Seele lebe. Er ist noch jung, ein Jüngling, wie ihn der Meißel des Künstlers nicht schöner aus den: Marmor formen kann. Dabei ist er von gewaltiger Kraft. Der beste Reiter seines Volkes, bezwingt er die wildesten Pferde. Um die Schifffahrt der Gothen hat er große Verdienste; in Folge dessen hat man ihn zum Seegrafen ernannt. In seiner Brust wohnt das beste Herz; er ist ein Hort der Unterdrückten, ein Vertheidiger der Verfolgten. Seine Herzensgüte und sein Seelenadel machen Alle zu seinen Freunden, die ihn näher kennen." „„Aber Oheim, Du bist ja förmlich verliebt in diesen Main:, der doch in den Augen der Griechen und Römer immerhin nur ein Barbar ist. Theilt auch meine Cousine den Geschmack ihres Vaters?"" „Auch ich," sagte Mirjam, „bewundere die hohen und edlen Eigenschaften des schönen Grafen." Sie sagte das ohne irgend welche Verlegenheit. Joseph, dessen Auge gespannt an ihren Zügen hing, freute sich dessen. Er liebte die Tochter seines Oheims von frühester Jugend an, und es war sein höchster Wunsch, daß er sie als Gattin heimführe. Der Einwilligung seines Oheims war er sicher und es galt nur noch, die Neigung seiner Cousine zu erringen. Es waren schöne Tage, die der Rückkehr Josephs in die Heimath folgten. Das große talmudische Wissen, welches er in fernem Lande gesammelt hatte, erwarb ihm die Achtung aller feiner Glaubensgenossen in Neapolis. Es war selbstverständlich, daß ihm das Amt eines Rabbinen übertragen wurde. Isaak war entzückt und begeistert von seinem Neffen; er kannte keine größere Freude, als die, dem Jünglinge zuzuhören, wenn dieser einen heiligen Schrift- Vers nach der Auslegung der Talmudiften erklärte, oder eine schwierige Rechtsfrage nach talmudischem Rechte erörterte. Auch Mirjam hörte dann mit gespannter Aufmerksamkeit zu, und wenn sie auch nicht alles verstand, so erfreute sie sich an dem Wohllaut feiner Stimme und bewunderte das reiche Wissen, welches Joseph entfaltete. So war es denn nicht zu verwundern, daß ihr Vetter ihre volle Zuneigung errang. Hochbeglückt segnete Isaak den Bund der jungen Herzen. Nicht lange sollte der Brautstand währen, schon nach wenigen Monaten sollte die Hochzeit stattfinden. Die Glücklichen hatten keine Ahnung davon, welch' schweren Stürmen sie entgegengingen. (Fortsetzung folgt.) Hierzu vier Beilagen. 'Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann^in Mainz. — Verlag und Expedition deS „Israelit" große Bleiche 4S. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).