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Der Israelit · 1882-01-11 · Heft 2 (11.1.1882) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 2 (11.1.1882)
Date
1882-01-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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34 „daß ich hinzog in die Ebene von Mesopotamien, um die heilige Lehre unseres Gottes an den Quellen zu schöpfen, um zu den Füßen unsrer großen Lehrer Mar bar Rawinna und Mar bar Raw Aschi Thora zu lernen; ich traf sie nicht mehr; Gott hatte sie Beide kurz vor meiner Ankunft zu sich gerufen. Mar Chanina wurde mein Lehrer, dessen Enkel Mar Sutra als Resch Galutha die Juden des Ostens beherrschte. So vergingen einige Jahre, während welcher ich unausgesetzt dem Studium lebte. Da brach eine Zeit der Roth und Gefahr für Jakob an. Die Perser, welche jenes Land beherrschen, sind Feueranbeter. Zwei Götter, so lautet ihr Aberglaube, ringen um die Herrschaft der Welt, Ahriman, der Gott der Finsterniß, nnd Ormuzd, der Gott des Lichts. Aber die Perser sind nicht begierig, Andere für ihre Religion zu gewinnen, wie die Christen. Sie ließen deßhalv die Söhne Jakobs unbehelligt. Da trat ein Mann auf, welcher sich einbildete, den Sieg des Lichts über die Finsterniß befördern zu können. Mazdak, so hieß er, wollte aus allen Menschen eine Familie bilden. Niemand sollte mehr besonderes Eigenthum besitzen. Alles, selbst die Frauen, sollte Allen gemeinsam gehören. Er fand viele Anhänger, welche sich Zendik nannten, die wahren Bekenner des Zend, der Religion des Lebens und des Lichtes. Auch der König von Persien, Kobad, wurde ein Bekenner der Lehre des Mazdak, und befahl, daß sämmtliche Bewohner des persischen Reiches sich u ihr bekennen sollten. Zwar empörten sich die perifchen Großen gegen diesen König, setzten ihn ab und warfen ihn in den Kerker; allein das gemeine Volk, welches bei der Gütertheilung nur gewinnen konnte, befreite ihn und setzte ihn wieder auf den Thron. Nicht allein das Eigenthum der Juden kam jetzt in Gefahr, sondern auch die Heiligkeit und Keuschheit der Ehe. Da stellte sich der heldenmütige Mar Sutra an die Spitze seines Volkes, um mit den Waffen in der Hand die heiligen Institutionen des Judenthums zu verteidigen. Den Anlaß gab der Tod des Mar Isaak, des Schuloberhauptes von Sura. Die Zendik hatten sein Weib rauben wollen; er aber schützte sie mit seinem Leibe und fiel unter den Streichen des rasenden Pöbels. Nun erhoben sich die Juden und schaarten sich um den jungen Resch Galutha, der damals erst fünfzehn Jahre zählte. Jeder waffenfähige Mann trat in das Heer Mar Sutra's ein; ich brauche wohl nicht zu sagen, daß ich nicht zurückblieb. Und Gott verlieh uns seine gnädige Hilfe. Wie einst in den Tagen der Hasmonäer siegten die Wenigen über die Vielen, die Reinen über die Unreinen, die Schwachen über die Starken, die Frommen über die Ungerechten, die sich mitder Gotteslehre beschäftigten über die Mutwilligen. Die Heere des Königs von Persien wurden in die Flucht geschlagen. Mar Sutra machte die Stadt Machusa zu seiner Residenz und herrschte dort, frei und unabhängig, gleich einem Könige, über ein großes, jüdisches Reich länger als sieben Jahre. Allein, schön steht Demnth Israel an, gleichwie eine rothe Rose einem weißen Rosse. In der Herrschaft wird unser Volk leicht übermütig und gottvergessen. Die Krieger Mar Sutra's gewöhnten sich an das rauhe Kriegshandwerk und wurden wie die Krieger der andern Nationen, vergaßen und vernachlässigten die Vorschriften unsrer heiligen Religion, vertrieben sich die Zeit mit A ürfelspiel und Trinkgelagen, führten einen unsiltlichen Lebenswandel nnd benahmen sich wie die Heiden. Da zog Gott nicht mehr aus mit unsren Heeren; wir wurden geschlagen; mein Feldherr Mar Sutra und mein Lehrer Mar Chanina wurden gefangen genommen und hingerichtet. Mich schützte Gott und führte mich wohlbehalten aus der blutigen Schlacht. Unter tausend Gefahren gelang es mir, die Grenzen des Perserreiches zu überschreiten, wo der oströmische Feldherr Narses die Grenzfestungen belagerte. Nun war ich geborgen und durfte nach dem Friedensschlüsse mit Narses nach Constantiuopel mich begeben. Hier suchte ich Deinen Freund, mein Oheim, unsren reichen Glaubensgenossen Benjamin auf, der mich mit den nöthigen Mitteln versorgte. Allein ich war krank und schwach und folgte daher gern der Einladung Benjamins, einige Wochen in seinem Hause zu bleiben, um mich zu erholen. Mein Brief meldete Euch indessen meine baldige Rückkehr. Und so bin ich heute so glücklich, dem allgütigen Gott für meine frohe Heimkehr danken zu können." „„Gott prüft fein Volk schwer"", sagte Isaak. „„Jerusalem ist gefallen, Bethar ist gefallen, im heiligen Laude ist der letzte Einiguugspünkt zerstört, und kein Naßi durste mehr an die Spitze seiner Brüder treten. Die Thoraknude hatte sich an die Ufer des Euphrats und des Tigris geflüchtet. Jetzt müssen die Söhne unsres Volkes auch dort die schrecklichsten Leiden erdulden. Armer Chanina, bedauernswerher Mar Sutra, ihr konntet dem Schicksale Rabbi Akiba's und seiner Genossen nicht entgehen! — Gelobt sei Gott, der uns in den Gothen Beschützer gegeben! Zwar sind auch sie keine Freunde der Juden; aber sie sind gerecht und hassen den Frevel. Nie werde ich cs meinem Könige Theoderich, der mich zum Befehlshaber der Festungswerke dieser Stadt ernannt hat, vergessen, daß er den Juden ein stets gnädiger Schutzherr gewesen. In Rom hatte der Pöbel gegen die Juden einen Aufstand erregt. Viele unsrer Glaubensgenossen wurden erschlagen, unter ihnen Deine Eltern und Geschwister, mein Joseph. Die Häuser der Juden wurden zerstört, die Synagoge niedergebrannt. Ich eilte nach Ravenna zum

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