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Der Israelit · 1882-01-11 · Heft 2 (11.1.1882) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 2 (11.1.1882)
Date
1882-01-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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30 Stadtoldendorf (Braunschwei g). Am 28. Dezember feierte unser Mitbürger, der Steinbruchs- und Fabrikbesitzer Ephr. Rothschild sein 50jährigcs Jubiläum als Industrieller. Nachdem er .1831 in das Geschäft seines Vaters cittgetreten war, legte er am 28. Dezember desselben Jahres den Grund zu einer Leinenfabrik unter der Firma: A. I. Rothschild Sohn, aus welcher er 1870 austrat, um sich ganz dem von ihm 1858 unter der Firma E. Rothschild gegründeten Steinbruchsbetrieb zu widmen. Was der Jubilar auf dem Gebiete der Montan-Jndnstrie geleistet, davon zeugen die hohen Schutthalden, welche unsere Stadt hoch überragen — davon zeugen die großartigen Anlagen, welche den Besuchern unseres reizenden Hoogthales ein Bild regen Gewerbeflcißes vor Augen führen, davon zeugen zahlreiche Arbeiter, welche von der Firma beschäftigt werden. Mit Befriedigung darf er znrückblicken auf seine 50-jährige Thätigkcit. Sein reges Interesse für alle öffentlichen Angelegenheiten haben ihm die Achtung seiner Mitbürger erworben, darin sind alle einig, daß er ein Ehrenmann ist. Der Name Ephraim Rothschild dürfte auch außer den Grenzen des engeren Vaterlandes schon bekannt sein. Sein Verdienst für Hebung der Landwirthfchaft, (erinnere nur an den landwirthschaftlichen Kongreß zu Crcfcld und München, wo R. öffentlich anftrat,) desgleichen sein Wirken für Schule, Gottesdienst und Gemeindeleben, überhaupt für alles Gute ist nur rnhmenswerth. Schon über 30 Jahre waltet er in hiesiger Gemeinde das hochwichtige Amt eines Parucß mit äußerster Gewissenhaftigkeit; hielt während dieser Zeit fest am conservativen Judenthum und trat mit Entschiedenheit allen Steuerungen entgegen. Wenngleich der würdige Greis schon das hohe Alter von 74 Jahren erreicht, schreitet er dennoch mit seltener Rüstigkeit durch die Stadt, für Jeden, reich wie arm einen freundlichen Gruß und ein freundliches Wort habend. Eine ebenso edle wie biedere Gattin theilt mit ihm das eheliche Glück. Das Fest verlief dein Wunsche des Jubilars entsprechend in einer einfachen und doch würdigen Weise und beschränkte sich nur auf den engeren Familienkreis. Zahlreiche Glückwünsche, Briefe und Telegramme von Nah und Fern, von Freunden und Bekannten liefen während des Tages ein. Schon in den Vormittagsstunden füllte sich das Hans mit Gratulanten aller Stände und Berufe, alles zeugte von der Hochachtung und Liebe, in welcher R. bei seinen Mitbürgern und Glaubensgenossen steht. Wir schließen unseren Bericht mit dem herrlichen Worte des Psalmisten q-jzh 7020 ">w auiT. „Noch im hohen Alter mögen sie kräftig sein, frisch und grün wie die Palme." Möge der Ewige dem bisher Begnadigten, auch ferner den Segen des Wohlstandes, des Friedens und des Glaubens verleihen. R u ß l a n d. Warschau. In dem vom 28. Dezember publizirten Erlasse des Stadtpräsidentcn von Warschau, Gcnerallieutenant Starynkiewicz, heißt es: „Bei der Untersuchung hat sich herausgestellt, daß die Juden an der Katastrophe in der Kreuzkirche gänzlich schuldlos sind; im Gegentheil waren mehrere Juden als Aerzte und Chirurgen beim Retten der Verunglückten aus der Kirche zu derselben Zeit thätig, als der Pöbel deren Vermögen plünderte und vernichtete. Es haben zwei bis drei Personen das lügenhafte Gerücht verbreitet, ein Jude habe in der Kirche absichtlich den Tumult hervorgernfen, der den Tod so vieler Personen bewirkt hat, und diese zwei oder drei Individuen haben ausgereicht, Hunderte von obskuren Leuten zu Unruhen und Plünderungen zu bewegen, welche sämmtlichen redlichen und ruhigen Stastsbürgern in Warschau, aber auch den Thätern selbst, zum Schaden und Unheil gereichten." Warschau, 30. Teccmber. Ober-Polizeimeister Buturlin hat sofort nach seiner Rückkehr aus Petersburg einen Aufruf au die Bevölkerung von Warschau erlassen und die strengsten Maßregeln ergriffen. Militär wurde ans Piotrkow, Lodz und Lowicz herangezogen und in der Nähe der Wohnungen von Inden Militärposten aufgestellt. Bisher wurden 2600 Personell arretirt, darunter auch solche, die schon einmal verhaftet, aber wieder freigclassen worden waren. Die hiesigen Blätter bringen Schilderungen haarsträubender Sccnen, die sich bei den Jndcnkrawallcn abspieltcn. Roch gestern versuchten Banden, die Plünderung fortzusetzen, wurden aber insgesammt verhaftet. Nach einem Berichte des Czaö haben sich bisher bei dem Warschauer jüdische,: Eultusoorstande 6000 jüdische Familien als zu Gruilde gerichtet angcmcldet. Ein ans Christen und Juden gebildetes U'nterstützungs- Comittz wird den durch die Plünderungen verursachten Schaden abschätzcn. Feuilleton. Mrtijenope. 11. Nachdem Joseph seinen Hunger gestillt und das Tischgebet gesprochen hatte, forderte ihn Isaak auf, Alles zu erzählen, was sich während seiner langen Abwesenheit ereignet hatte. „Ihr wißt", begann Joseph seine Erzählung,

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