Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1882)
- Date
- 1882-01-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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26 Siege des Hebräerthums über das Aegypterthum. Ein gelehrter Professor von Memphis sprach das geflügelte Wort: „Die Hebräer sind unser Unglück." Ein Hofprediger des Pharao erklärte die Religion von Isis und Osiris in Gefahr. Lehrer an der Priesterschule im Seti-Hause hielten Volksversammlungen ab, in welchen sie das Volk gegen die eingewanderten Hebräer aufhetzten. All diesen Einflüssen gegenüber blieb Pharao standhaft und weigerte sich, den Israeliten ein Unrecht zuzufügen. Da nahmen sie den König gefangen und warfen ihn in's Gefängniß. Nach dreimonatlicher Gefaugeuschaft willigte Pharao ein, sich dem Verlangen der Nation zu fügen, tenn cp’i und nun stand er auf als ein neuer König, entschlossen, sich an die Spitze der Verfolgung zu stellen. Eine furchtbare Leidenszeit begann für die Nachkommen Jakobs. Man beraubte sie ihres Vermögens und ihrer persönlichen Freiheit; man machte sie zu Sclaven des Staates und der einzelnen Aegypter; man raubte ihre Kinder und warf dieselben in's Wasser. Und Israel wurde arm, sehr arm, in materieller und auch in geistiger Beziehung; es verfiel sogar dem Götzendienste seiner Unterdrücker. So sprach Gott zu Moscheh: Dnpys nw onsoa new ’oy ’jy an nsn „Gesehen, gesehen habe ich das Elend meines Volkes, welches in Mizraim ist, und gehört habe ich ihre Schmerzensschreie vor ihren Verfolgern." — Der doppelte Ausdruck des Sehens deutet auf das doppelte Elend, das geistige wie das materielle; und ihre Schmerzensschreie waren kein Gebet zu Gott, sondern nur ausgepreßt von ihren Verfolgern. Gott hatte dem Abraham verheißen, daß seine Nachkommen vierhundert Jahre lang Fremdlinge sein sollten in fremdem Lande; von diesen vierhundert Jahren waren erst zweihundertzehn verflossen. Deßhalb wunderte sich Moscheh, daß schon jetzt die Erlösung eintreten sollte. Und er sprach bei sich: Nur zwei Fälle sind denkbar: Entweder ist das Verdienst des von Gott zu entsendenden Boten so groß, daß um seinetwillen das Volk schon jetzt erlöst werden soll, oder das Volk selbst hat die Erlösung verdient. Seine große Bescheidenheit läßt ihn das eigene Verdienst verkennen, und in Bezug auf Israel hat er ja eben vernommen, daß es in doppeltem Elend schmachtet, im geistigen wie im materiellen und daß es in seiner großen Noth nicht einmal gelernt hat, vom Gotte seiner Väter Hilfe zu erflehen. Und deßhalb fragte Moscheh: Wer bin ich, daß ich gehen soll zu Pharao und daß ich führen soll die Kinder Israel aus Mizrajim? Unsere Weisen erzählen im Midrasch, daß Gott die zwei großen Führer Israels, Moscheh und David geprüft hat, indem er sie als Hirten dieHeerden weiden ließ. Und Beide wurden als liebevolle, ausopferungsfähige Hirten befunden. Moscheh trug aus seinen Armen das verrirte, ermüdete Schäflein zur Heerde zurück; er führte die Heerde -man *vw, nicht auf anderer Leute Felder. David scheute den Kampf mit den wilden Thieren nicht und entriß ihnen die geraubten Lämmer. Die vorzüglichste Eigenschaft Moscheh's war seine unendliche Bescheidenhett, und nachdem er gefragt: Wer bin ich, daß ich zu Pharao gehen soll? antwortete ihm Gott: ioy '»n« »s, deßhalb, weil Du so bescheiden bist, werde ich mit Dir sein; denn zu der Botschaft, zu der ich Dich bestimmt habe, kann ich nur den Bescheidensten der Menschen gebrauchen, der auf jede Selbstständigkeit verzichtet und weiter nichts sein will, als der Bote Gottes. Und in Bezug auf die zweite Frage nach dem Verdienste Israels antwortete ihm Gott: Freilich, für jetzt hat Israel kein Verdienst; auch die Israeliten sind Götzendiener wie die Aegypter; allein sie sind die Nachkommen Abraham's, Jizchaks und Jakobs und daher geeignet, die erhabenste Bestimmung zu empfangen, das Volk des Bundes, das Volk der Gotteslehre zu werden. „Und dieses sei Dir das Zeichen, daß ich Dich geschickt habe: da Du führest das Volk aus Aegypten, so werdet ihr Gott dienen auf diesem Berge", ans dem Berge Sinai, am Fuße des Horeb. Hier wird das ganze Volk der Offenbarung gewürdigt werden, hier werdet ihr die Thora empfanden. Zu diesem Zwecke bin ich bereit, Israel schon jetzt zu erlösen, damit es nicht ganz und gar in Unreinheit versinke und seiner erhabenen Bestimmung unfähig werde. Die Erzählung dieser uralten Ereignisse ist für uns voller Trost und Erquickung. Gott verläßt uns nicht, selbst wenn ein großer Theil unserer irrenden Brüder Ihn verlassen haben; selbst der Feinde Dräuen und Drängen gereicht uns nur zum Heile; Gott wird uns erlösen und erretten, um Seines großen Namens willen. Die Tumulte in Warschau. Wir haben bereits d;e Mittheilung gebracht, schreibt die „N. fr. Presse", daß in Warschau eink Erneuerung der räuberischen Excesse gegen die Juden versucht worden ist, indem in der Nacht des 29. Dezember etwa hundert Bauern die in der Vorstadt Praga wohnhaften Juden zu plündern versuchten, dabei aber arretirt wurden. Es beweist dies, daß trotz aller gegenwärtigen Maßregeln der russischen Behörden die Ordnung in Warschau noch lange nicht hergestellt ist, und daß die durch die anfängliche