Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1882)
- Date
- 1882-01-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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11 denn die Juden „in allen den furchtbaren Erfahrungen bestanden haben?" „Was erhielt sie in der Feuersbrunst, im Schiffbruch, in der Verfolgung, in der Schmach? Nicht ihre Gaben waren es, sondern die Gabe, die sie mitbrachten aus der Wüste Kanaans, — es war die Schrift. Schristbefitzer nennt sie der Islam mit Recht. Ihr Gesetz wurde ihre Mauer, ihr Glaube ihre Kraft, der Sabbat ihre Stärkung. Das Gotteslied in den Synagogen, das Passah in ihren Häusern, die Zucht in ihrer Familie, die Hoffnung ihres Gebetes gab ihnen die Möglichkeit des Bestehens. Israel sollte nicht untergehen; es konnte nicht fallen unter der Gewalt. Nicht Titus sollte es bezwingen; nicht im Ghetto sollte es vergehen. Wenn einmal Israel aufhören soll — so kann es nur sterben wie Moses selbst nach alter Sage durch den Kuß der Liebe Gottes." Hier ist der Vers, an den Punkt angelangt, bei welchem seine Missionsthätigkeit beginnt. Aber er irrt sich: die Sonne wird den Juden den Mantel nicht abschmeicheln. Israel wird nicht aufhören, wird nicht sterben; wir rufen dem prophetengläubigen Verf. dieser Schrift für unsere Behauptung das Wort Jesaia's zu: „Wenn auch Bergtz weichen und Hügel wanken, wird meine Liebe von Dir nicht weichen und mein Friedensbund nicht wanken, spricht Gott, der sich Deiner erbarmt." (54, 10.) Wozu der Lärm? Ein Beitrag der sogenannten Judenfrage von Dr. Ernst Kelchner. Frankfurt am Main 1881. (Selbstverlag.) 24 S. 8»- Der gelehrte Verf., Amaunensis an der Frankfurter Stadtbibliothek, widerlegt in kurzen Worten alle die Anschuldigungen, welche eine boshafte Hetze gegen die Juden hervorbringt. Der Titel, den derselbe seiner Schrift gibt, zeigt, daß er sich auf den praktischen Standpunkt stellt, und richtet auch in diesem Sinne folgende Apostrophe, die wohl zu beherzigen ist, an den Leser: „Daß ein Nutzen für das deutsche Volk und das endlich nach schweren Kämpfen geeinigte Vaterland dabei herauskommen soll, müssen wir jedoch vollständig verneinen, dagegen mit vollen: Recht anerkennen, daß nur Schaden entstehen, dem ganzen Auslande gegenüber aber nur Schande für die deutsche Nation erwachsen kann; außerdem aber wird dieselbe noch dem Fluche der Lächerlichkeit anheim gegeben werden." „Wenn aber nichts Vortheilhaftes dabei herauskommt, dann „wozu der Lärm?" ZeilnngSrrachrichterr und Correspondenzen. Deutschland. Darmffadt. Ehre, wem Ehre gebühret! Nicht in der sandigen Mark hat die Judenhetze das Licht der Welt erblickt, sondern in der grünen Bergstraße, und nicht ein protestantischer Theologe, sondern ein ultramontaner Redakteur ist der Vater des hoffnungsvollen Kindes. Herrn Stöcker, der dann und wann es für nöthig hält, daran zu erinnern, daß die Antisemiterei sein Werk sei, ruft der „Starkenburgcr Bote" ein vernehmliches „Ote-Ioi que je m’y mette“ zu. Wir lesen in dem frommen Blättchen folgende erbauliche Abkanzlung des Herrn Stöcker: „Abermals hat sich Herr Hofprediger Stöcker im Reichstag mit fremden Federn geschmückt, indem er behauptet hat, die Judenfrage auf das „Tapet" gebracht zu haben. Wir bemerken, ihm daher jetzt abermals, zum vierten Male, daß die Judenfrage von dem „Wiener Vaterland", dem „Talmudjuden", von Prof. Rohling und auch von: „Starkenburger Bote", dessen Redacteur Bauer sogar eine Gefängnißstrafe dafür verbüßen mußte, schon Jahrelang behandelt worden ist, ehe man an den Herrn Hofprediger dachte, daß daher die in dieser Frage bahnbrechenden Ideen keineswegs Eigenthum des Herrn Stöcker sind, daß vielmehr nur die ziemlich ungeschickte Art der praktischen Durchführung derselben auf das Konto des Herrn Hofpredigers zu setzen ist. Derselbe hat überhaupt keinen besonderen Ueberfluß an originellen Ideen, er nimmt diese vielmehr nach preußischer Art, wo er sie findet. So hat er als Taufnahme für seine Partei einfach den Titel der schon vor mehr als 10 Jahren gegründeten kathol. „christlichsozialen Blätter", nach denen sich unsere soziale Partei benannte, sich angeeignet. So hat seine Partei der Votivkirche in Berlin einfach den Namen von Wien entlehnt. Ob Herr Stöcker auch die „Wilhelmspende" nach dem Vorbild des Peterspfennig „erfunden" hat, wissen wir im Augenblicke nicht." Also gestohlen oder doch wenigstens annectirt hat Herr Stöcker die Idee der modernen Judenhetze, die Eigenthum eines simpeln ultramontanen Blättchens toar. Wir begreifen nur nicht, daß der ehrenwertste Herr Bauer feine geniale Erfindung nicht gesetzlichgeschützthat. Der Herr Hofprediger hätte sich dann vielleicht gehütet, mit den Federn des Vogels von der Bergstraße sich zu schmücken. (Fr. Ztg.) Offenbach, 21 Dez. Unter den Opfern der Wiener Katastrophe befindet sich auch der hiesige