Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1882)
- Date
- 1882-01-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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10 die kostbaren Münzen in Cours gesetzt sind. „Paulus Cassel" lautet diese Präge, der Name eines Mannes, der dem Judenthum untreu geworden ist, und jetzt für seine einstigen Glaubensgenossen das Wort ergreift, eine Pflicht erfüllt „gegen Gräber, die er nicht vergessen darf." Das stimmt wehmüthig; der Vers, hätte uns einen Schmerz erspart, hätte uns mit seiner herrlichen Schrift so ganz und voll entzückt, wenn er es hätte über sich gewinnen können, mit dem Visir vor dem Gesichte den Kampf für uns aufzunehmen. Eine gute That wird ja nicht minder gut, wenn die Welt nicht erfährt, von wem sie ausgegangen ist. Wäre die Schrift ohne Namen erschienen, wir hätten als Verfasser einen geistreichen, edlen, christlichen Theologen vermuthen dürfen, der seine Mission als eine edle göttliche auffaßt, ein leuchtender Gegensatz zu dem seine Stellung verkennenden und mißbrauchenden Stöcker, ein Mann, dem sein Christenthnm und der seinem Christenthum Ehre macht. Von ihm hätten wir es als selbstverständlich begriffen, wenn er in seiner christlichen Anschauung den Gegensatz von Judenthum und Christenthum als der Nationalität zum Kosmopolitismus darstellt — bei einem Juden von Geburt, der sich im jüdischen Schriftthum umgeseheu hat und es kennt, können wir eine solche Auffassung im besten Falle als eine Selbsttäuschung, um nicht ein härteres Wort zu gebrauchen, bezeichnen. Wir mußten diese Gedanken vorausschicken, ehe wir auf die Schrift selbst eingingen, damit man bei dem Lobe, das wir dieser Schrift erthcilen müssen, uicht den Vorwurf machen, als hüben wir unsere Vertheidiger auf den Schild, wenn sie uns nur vertheidigten, unbekümmert darum, ob wir sie wohl sonst als unsere oder vielmehr als uuserer Religion Gegner, von uns wiesen. Die Parteinahme für uns soll uns nicht blind gegen die Personen machen, die für uns das Wort führen. Mit einem universellen Blick auf die Geschichte der Völker beginnt der Verf.: „An Flüssen liegen die Hauptstädte großer Kulturvölker der alten Welt." Die Städte indischer Sage und Macht spiegelten sich in großen Flüssen, Ninive und Babylon wurden vom Euphrat und Tigris umspült, am Nil und vom Nil lebte das egyptische Volk — „aber wie die Ströme ins Meer rinnen, so verfloß die Kraft der Völker an ihnen. Ihr Einfluß auf die Bildung der Welt verschwand wie die Welle, die nicht wiederkehrt ..... Dagegen erhoben sich aus Bergen die Städte der neuen Welt. Athen ist errichtet an seiner Akropolis, Rom auf den sieben Hügeln, und Jerusalem thronte am Berge Zion. Berge, sagt der Psalmist, sind um ihn her geschüttet. Und der Einfluß dieser Städte besteht noch. Die moderne Weltgeschichte ist an ihnen gebaut worden." Dieser Gedanke führt den Verf. nun auf die Vergleichung dieser drei Städte: „In Nom war das Volk der Macht, in Athen das Ideal der Kunst, aber Israel war das Volk des Glaubens an den Einen, den Ewigen, den Geists den man nur im Geist anbeten kann .... Als in der ganzen Welt Nimrode Völker ketteten und verkauften — war Abraham» der Eine, der freien Pilger — der eine Zeuge seines Gottes. Ein Stein sein Altar, die Sterne sein Lehrbuch, sein Blick in die Ewigkeit. Die Völker haben kein Stammhaupt, so friedlich wie er, — mit einem Schwert für die Bedrückten, mit einem Kelch für die Treuen. Man braucht sich wirklich nicht zu schämen, Abraham zu heißen. Es klingt so gut wie Geiserich und Alarich; die modernen Juden hatten nicht nöthig. ihn, wie sie thun, in Adolf zu verwandeln." „Während in Aegypten das geknechtete Volk unverstandene symbolische Colosse aus Stein erbauen mußte, grub Moses in den Fels das Zehn gebot, das Gebot der Menschenkinder. Mit dem ersten zertrümmerte er die absolute Tyrannei des Menschen- Jch; mit dem zweiten verwischte er den Götzendienst, der sich an die Kunst des Bildes anschloß — mit dem neunten und zehnten vernichtet er — um nicht Alles zu nennen — die sociale Raubsucht, welche bald mit falschen Schlüsseln, bald mit tückischen Phrasen Beute zu machen sucht. Was die Völker haben müssen an Freiheit und Ordnung, was sie befähigt, social in Frieden zu leben, ist im mosaischen Buch in Wort und Bild niedergelegt. Es war Moses ein Gesetzgeber (?) und ein Erzieher, aber kein Schmeichler oder Ausklügler des Augenblicks, kein Buhler um Strömungen der Zeit, kein Rechenmeister auf die Schwächen der Menschen, kein Knecht der Majoritäten; er ist ein Freund und Lehrer seines Volkes-ohne Titel und Ehren und Dotationen; man braucht sich nicht zu schämen, Moses zu heißen; es wird sein Namen ewiger sein, wie der aller Gambetta's und Garibaldi's; die Juden haben nicht nöthig, ihn in Bernhard oder Richard zu verwandeln." Diese Auszüge werden dem Leser einen hinlänglichen Begriff von der schönen Darstellung und dem geistvollen Inhalt dieser Schrift geben. So geht der Verf. vom Ursprung der jüdischen Geschichte m prägnanter Zeichnung bis auf die Gegenwart herab zu zeigen, welche bedeutungsvolle Stellung die Juden in der Geschichte einnehmen, was sie der Welt bedeuten. Mit diesem Judenthum ist das Christenthum einen Kampf eingegangen, aber dieses hat seine Kraft nicht in der Liebe, sondern in seinem Hasse gezeigt und in der Anschuldigung, so sind die schmählichen, blutigen Verfolgungen über die Juden hereingebrochen, die für die Verfolger ein ewiger Makel bleiben werden. Zum Schluß wendet sich dann der Verf. zu der Frage: durch welche Kraft