Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1882)
- Date
- 1882-01-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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5 zu zahlen. — Nun gibt es natürlich keine Regel ohne Ausnahme und so sind von einer Reihe der Verbote dieser Kleider- und Luxusordnung, ausgenommen 168 honorables syndics et administrateurs, Wie der sranz.Uebersetzer das „jüd.-deutsche" Original wiedergibt. Sehr streng wird diese Ordnung wohl nicht befolgt worden sein, denn ihre Bestimmungen wervrn Vis iM Gedächtnis gerufen, und bei den erneuerten Verordnungen werden die Grenzen des Erlaubten immer enger gezogen. Paris. Der Antisemitismus ist auch hier officiell eingeführt worden. Es erscheint nämlich seit Kurzem eine Wochenschrift, „l’Anti - Juif" betitelt, welche sich als „Organ der socialen Lertheidigung" gerirt. Allgemein herrscht die Ansicht, daß dieses Blatt auf keinen Erfolg rechnen kann, da in Frankreich für den Antisemitismus kein Boden ist. (Arch. Jsr.) England. London. Die hiesige jüdische Freischule zählt gegenwärtig 1564 Knaben und 983 Mädchen. Sie ist die größte öffentliche Elementarschule des Königreichs. (Jew. Ehr.) Dublin. Der Lord-Lieutenant von Irland hat Herrn Aldermann Harris in die „Friedens-Commission für die Stadt Dublin" berufen. Er ist der erste Jude in Irland, der eine solche ehrenhafte Ernennung erlangt hat. (Jew. Ehr.) Rußland. Warschau, 27. Dec. Bezüglich der hiesigen Unruhen über deren Urheber die verschiedensten Verrauchungen aufgestellt werden, bringt die „Gazeta Warszawska", das 108 Jahre alte Organ des conservativen polnischen Adels und des Grundbesitzes, das angesehendste und gelesendste Blatt Warschau's, am 26. d. M. folgenden Leitartikel: Der gestrige Tag, der sonst für die Christenheit so freudige Tag der Geburt Christi, ist Zeuge geworden von zwei ungemein traurigen Ereignissen. Während der Mittagsandacht in der Heiligen Kreuzkirche sind fünfzig Personen einer unbegründeten Panik zum Opfer gefallen. Kurz darauf vergewaltigten in den Straßen Warschaus entfesselte Haufen den Frieden und die Habe ihrer Mitbürger. Dieses zweite Ereigniß ist leider noch trauriger als das erste. Wenn zwischen dem einen und dem andern kein im Voraus eingefädelter Zusammenhang bestanden hat, was die gerichtliche Untersuchung noch feststellen soll, dann ist der Vorfall in der Kirche nur ein zufälliges, großes Unglück. Aber die Vorfälle in den Straßen sind eine Schmach. Niemals hätten wir erwartet, daß unser Stolz, eine civilisirte Nation zu sein, so tief gedemüthigt werden könnte, und deßhalb ist unser Schmerz über diese Vorfälle so groß. Alle Glücklichen fühlen sich von einem Bande umschlungen, aber ein mächtigeres Band zwischen den Menschen ist stutz yStoth hat gestern in den Straßen Warschaus die heiligsten Rechte des Elendes geschändet. Gerade die ärmsten und bedürftigsten Leute vergriffen sich, von einem beklagenswerthen Wahne berauscht an der geringen Habe Her Armuth. — Man zertrümmerte Thüren und Fenster der Krämerläden, man zerschlug kleine Werkstätten der Uhrmacher und Posamentiere und beraubte deren Inhaber so der Mittel ihres körperlichen Lebensunterhaltes. Der Ausbruch der Volksleidenschast gleicht dem Austreten eines Flusses, der in seinem Ungestüm die Hütten des Elendes mit sich fortreißt. Haben die Väter der hungrigen Familien, haben ihre Söhne, die noch im Schweiße ihres Angesichts das ABC des Handwerks buchstabiren, haben die Frauen, die mit ihrer trockenen Brust ihre Kinder nähren, haben sie alle, als sie an's Zerstörungswerk gingen, daran gedacht, daß sie das Elend von ihresgleichen vermehren, daß sie andern Kindern den letzten Bissen von ihrer spärlichen Nahrung Wegnahmen? Es giebt keinen größeren Schmerz als den Anblick der Erniedrigung Derer, die man geliebt; har. Ein Haufen der Warschauer Bevölkerung hat ' uns gestern diesen unaussprechlichen Schmerz bereitet. — Bleibt doch ein Thier ohne Seele, ein starker Hund, beschämt stehcu vor einem kleinen Hündchen, das, vor ihm hinfallend, sich nur durch Winseln! wehrt! — Und der wilde Haufen überfiel die Wehr-; losen! Man sagt, daß die Urheber in der Kirche; Diebe waren, in denen man Juden erkannte, und : die an den Juden verübten Gewaltthaten waren die Rache für das geschehene Unglück. Dies ist ein Jrrthum oder böser Wille. Diebe, die in fremde Taschen greifend „Feuer!" rufen, um die Aufmerksamkeit von sich abzulenken, haben überhaupt keinen Glauben. Von der Kuppel der Peterskirche in Rom .wie von den Trümmern des Tempels auf Zion schallen dieselben Worte: „Du sollst nicht stehlen! Aber wie dem auch sei, die Rache gehört nicht dem entfesselten Haufen, sondern dem unerschütterlichen : Gesetze. Das Werk der Gerechtigkeit hat begonnen, ■ unsere Aufgabe ist es nicht, das Schwert der Justiz i stumpf zu machen; mag die volle Gerechtigkeit walj ten, damit wir nicht zum zweiten Mal Zeuge seien i so schändlicher Vorgänge, wie der gestrige Tag sie i gebracht. Wenn es bei so schmerzlichen Erfahrungen! irgend welchen Trost geben kann, so liegt er in der