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Der Israelit · 1881-12-21 · Heft 51 (21.12.1881) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 51 (21.12.1881)
Date
1881-12-21
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1280 Last. Die Plakate, welche H. abgerissen hat, sind Pasquille, weil die Worte: „Candidat der Juden und Judengenossen ist der jüdische Gründer Ludwig Löwe" beleidigender Natur sind. Solche Schmäh- . schristen anzuschlageu ist eher ein Unfug als sie zu! entfernen. Wenn Angeschnldigter sie nicht einmalj auf der Straße sondern innerhalb der Häuser abge- , rissen hat, so ist dies keine Störung der öffentlichen : Ordnung und ist nicht ersichtlich, wie dadurch das j Publikum als solches gefährdet oder ungebührlich! belästigt ist. Daß H. das abgerissene Papier sich hat aneignen wollen, ist den Umständen nach ausge-! schlossen. Für Sachbeschädigung fehlt es schon am j Strafantrage." Saffig (Rheinprovinz), 18. Dec. Gestern feierten wir ein seltenes Fest. Es waren gestern fünfzig Jahre, daß Herr Emannel Bermann in unserer isr. Gemeinde als Eantor fungirt. Der Jubilar feierte an demselben Tag seinen siebenzigsten Geburtstag. Die Gemeinde bemühte sich, diesen frohen Tag durch Ehrengeschenke und durch ein veranstaltetes Festessen zu verherrlichen. Der Jubilar stiftete zur Feier des Tages ein Porauches für die heilige Lade. Herr Bermann, welcher wegen seines ehrenhaften Charakters, seiner Pflichtreue und seiner aufrichtigen Frömmigkeit sich der allgemeinen Hochachtung erfreut, ist G. s. D. noch derart rüstig/ daß er sowohl am Neujahre wie am Bcrsöhnungstage das Amt eines Cantors ganz allein versieht. Möge es ihm vergönnt sein, noch eine lange Reihe von Jahren in derselben Weise sortzuwirken. Spiesen (Reg.-Bez. Trier-, 16. Dec. Nach stattgehabter Stichwahl zu dem Reichstage am 10. November ging der nationalliberale Abgeordnete Kgl. Bergrath Täglich deck zu H einig für den Wahlkreis Ottweiler-St.-Wendel-Meisenheim als Sieger aus der Wahlurne hervor. Aus diesem Anlaß wurde von den hiesigen jüdischen Wählern (12) ein Glückwunsch an denselben schriftlich abgesandt und von demselben wie folgt erwiedert: „Berlin, 18. November. Herrn M. Lion in Spiesen. Sehr geehrter Herr! Für den von Ihnen in Gemeinschaft mit 11 Herren Ihrer Gemeinschaft unter dem 13. d. Mts. abgestatteten freundlichen Glückwunsch zu meiner Wahl als Reichstagsabgeordneter sage ich Ihnen meinen verbindlichsten Dank. Ich habe mich gerade über diese Gratulation besonders gefreut, weil sie ttttv den Beweis gegeben hat, daß die Herren Unterzeichneten den über mich von feindlicher Seite hinsichtlich meiner Stellung zu Ihren Glaubensgenossen ausgestreuten Verleumdungen keinen Glauben geschenkt haben. Ich habe nie etwas gethau und werde niemals mich dazu hergeben, die verfassungsmäßigen Rechte der verschiedenen Confessionen zu schmälern' ich weiß, daß Sie ebenso wie die meisten Ihrer Glaubensgenossen treue Patrioten sind. Mit der Bitte, meinen Dank den übrigen Herren, welche das Schreiben an mich unterzeichnet haben, gefälligst zu übermitteln, verbleibe ich hochachtungsvoll Ihr ergebener Täglichbeck, Bergrath und Reichstagsabgeordneter. Bonn. Richtig hat es unser früherer Rabbiner, der berühmte Herr Dr. E. Schreiber nickt gescheut, wieder eine Rabbinerstelle anzunehmen. Wie wir dem „Mobile Register" entnehmen, ist er nunmehr Rabbiner in Mobile (Alabama) in Nordamerika. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wie». Unter den Opfern der Katastrophe befindet sich auch ein Sohn des hochbetagten Rabbiners von Stampfen bei Preßburg, Eleazar Winter. Es ist dies der 28 Jahre alte, unverheiratheto Kaufmann Mar Winter, Rosmaringasse Nr. 6 wohnhaft gewesen. Derselbe hatte sich an dem verbängnißvollen Abende in Begleitung seines älteren Bruders Joseph in das Ringtheater' begeben, wo sic Karten für die dritte Gallerie lösen wollten. Es fand sich indeß nur noch Eine Karte für diese Gallerie vor, die der ältere Bruder für sich behielt, während der jüngere sich eine Karte für die vierte Galerie löste. Ersterer konnte sich von der dritten Galerie noch rechtzeitig retten, wogegen der Letztere in den Flammen seinen Tod gefunden hat. Seine goldene Remontoir-Uhr und sein Kasseschlüffel sind gefunden worden. -j: , * Die beiden Trauer-Gottesdienste in den israelitischen Tempeln in der inneren Stadt und der Leopoldstadt waren von einem überaus zahlreichen Publikum besucht. Im Tempel in der Seitenstettengasse mußten viele Personen zurückkehren ohne Einlaß gesunden zu haben. Die weiblichen Zuhörer füllten vollständig die für sie bestimmten Galerien. Die Feier wurde durch Choralgesänge eingeleitet. In der Trauer-Rede des Predigers Dr. Jellinck hieß es unter Anderm: „Unsere Stadt wird nicht blos heute, sondern jedes Jahr am 8. Dezember der Verunglückten gedenken. Den Verlassenen und Verwaisten unsere Liebe und unser Erbarmen! Hier beginnt das Leben, hier hören wir die Pulsschläge einer großen Stadt. Allen denen, die am Morgen res

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