Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1881)
- Date
- 1881-12-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1278 die Unebenheit der Spiegelfläche eine Verschiebung des Bildes, so daß es nicht an seinem wahren Orte erscheint. Diese Thatsachen, die dem Alterthum bekannt waren, erwähnt nun Maimonides um die Stelle Talmuds '01 'iwon «»-i^pbdnd njo n&o zu erklären. Gestützt aus diese Thatsachen erklärt nun Maimonides das Wort x'SpsOx für ein Compositum von rvso peo ein undeutliches, zweifelhaftes Schauen!! Diese, den Gesetzen der Sprachbildung und den Thatsachen widerstreitenden Etymologie, ist umso auffallender, da ihm doch der lateinische Ursprung des Wortes unmöglich entgangen sein konnte. Den Römern waren allerdings Spiegel voll Glas unbekannt, es hat sich wenigstens kein schriftliches Zeugnis; dafür erhalten. Sie bedienten sich der Metallspiegel. Die älteste Urkunde über diese, findet sich in der heiligen Schrift, bei dem Vau der Stiftshütte. Die Frauen brachten ihre kupfernen Spiegel als Geschenk in das Heiligthum, aus welchen, auf Befehl des Allmächtigen, das kupferne Waschbecken verfertigt wurde. Bei dieser Gelegenheit will ich einige Notizen über die Glasindustrie bei den Hebräern im Alterthume, beifügen. Die Erzählung des Plinius über die Erfindung des Glases ist bekannt. Ein Schiff mit Nitrum ist bei stürmischem Wetter in der Nähe der Mündung des Flusses Belus an die Küste getrieben worden. Die Schiffer haben, um ihre Speise zu kochen, da sie am Ufer nur Sand mtb keine Steine fanden, einige Klumpen des Salzes auf den Sand gelegt und ihre Kessel darauf gesetzt. Da hat sich denn, nachdem sie ihre Mahlzeit beendet, zu ihrem Erstaunen ein durchsichtiges Glas auf dem Sande gefunden, und die Schiffsleute hatten dieser zufälligen Entdeckung ihr Glück zu verdanken. Fachleute behaupten, der Vorgang müsse ein anderer gewesen sein, denn die Hitze, die sich unter solchen Umständen entwickeln konnte, ist nicht stark genug, eine Verglasung herbeizuführen. Thatsache ist aber, daß der Sand des genannten Flusses noch lange in dem Rufe stand, zur Verglasung besonders geeignet zu sein und wurde daher, außer daß an Ort und Stelle selbst viele Glashütten entstanden, auch anderwärts sehr gesucht und weit verschickt. Dieser Fluß, der in Galiläa am Fuße des Karmel entspringt, lag somit im Gebiete des Stammes Sebulun, dem schon unser Lehrer Moscheh in seinem prophetischen Segen die verborgenen Schätze des Sandes — bm midü webt — verheißen hatte. Nach Raschi und Targum Jonathan bezieht sich diese Verheißung auf das Glas, das im Gebiet des Sebulun gewonnen wurde. Dieser Fluß wird in Jehoschua 19, 26 als Grenze des Stammes Ascher angeführt und heißt dort njD* w»; dieses Wort bedeutet „Glasfluß"*), ein Beweis wie alt die Glasindustrie dort gewesen sein muß. Sonst wird nur noch einmal ausdrücklich das Glas in der hl. Schrift erwähnt, in Jjob 28, 17. Trotzdem nun die Glassabrikation eine ausgedehnte war, so war es dennoch eine große Seltenheit, wenn Jemand mro? weißes Glas sein Eigenthum nennen konnte. Dieses wurde sehr hoch geschätzt; denn im Alterthume verstand man nur farbiges Glas darzustelleu, da alle Mittel fehlten die Masse rein zu erhalten. Es heißt daher bei den Weisen des Talmuds: nsm myo o mn» 'v nooi ’PM wonen n^. „Wem sein Vater Vermögen hinterlassen hat, und er will es durchbringen, möge nur Glasgeräthe zu seinem Gebrauche verwenden." Chulin 84 b. was dort z. St. auf das weiße Glas bezogen wird. In einer Beziehung hat aber die Glassabrikation zu jener Zeit eine Stufe erreicht, zu der sie heutigen Tages bei uns noch nicht gelangt ist. Plinius berichtet nämlich von dem biegsamen Glase, welches ein Architekt unter der Regierung des Tiberius erfunden haben soll. Diese Angabe wird aber von den Neueren in Zweifel gezogen, wie dies gewöhnlich geschieht, wenn es der Jetztzeit nicht gelingen will ein Problem zu lösen, das im Alterthum gelöst worden sein soll. So schreibt ein Knlturhistoriker unserer Tage: „Wie weit jener von mehrereil Schrittstellern erwähnten Erzählung, daß zur Zeit des Tiberius ein Glaskünstler eine biegsame uitb hämmerbare Glasinasse erfunden habe, Glauben zu schenken ist', müssen wir dahingestellt sein lassen." Die Sache scheint aber außer Zweifel zu stehen, weil ein unbefangenes Zeuguiß dafür im Talmud Jeruschalmi sich findet. Daselbst, Tractat Succa IV gegen Ende, heißt es: tcnpon ruu sin# oro rrspno nn\"u? nooi. „Seit der Zerstörung des Tempels hörte das weiße Glas auf, welches man zusammenrollen konnte." Diese letztere Eigenschaft scheint auch Babli Sota 48 b., wo sich dieselbe Stelle findet, zu meinen, obschon die letzteren Worte dort fehlen; mithin wäre auch die Schwierigkeit, die Toßapoth Chulin 84 b. Schlagwort xnvm gegen die obige Stelle in Sota erheben, erledigt. H. Ehrentreu. *) Das ist der obengenannte Belus, aus dessen Sand zuerst velas vertertigt wurde.