Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1881)
- Date
- 1881-12-21
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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XXII. Jahrgang. Zweite Leitage ru Ar. 51 des Israelit. Lei t e n bet MvtifeJ. Metall- oder Klasspiegcl? Obige Aufschrift könnte Manchen von der Lektüre dieser Zeilen Abschrecken, und zu der Meinung verleiten, daß ich über die Vorzüge der einen oder der anderen Sorte dieses heutigen Tages so wichtigen und unentbehrlich gewordenen Toilettengcgenstandes sprechen will. Ich will daher gleich Eingangs bemerken, daß ich wich gewiß nicht für competent erachte, dieses für ein 'Modejournal wohl wichtige Thema zu behandeln. Ich möchte nur, bezugnehmend aus eine Aenßernng in der vorigen Nummer dieses Blattes, fcststellen,' zu welcher Zeit wohl der Fortschritt vom Metallzum Glasspiegel gemacht worden ist, damit die dankbare Nachwelt wisse, rvelchem Jahrhundert sie diesen Fortschritt zu verdanken habe, wenn auch die undankbare Mitwelt es nicht der Mühe Werth erachtet hat, den v.'amen des Erfinders zu überliefern. In der ersten Beilage zu Nr. 5») des „Israelit" macht Herr S. die beachtenswerthe Bemerkung, daß in den Respouseu des R. Jehudai Gaon die Existenz der Glasspicgcl erwähnt wird. „Nun datirt man" heißt es daselbst, „die Existenz der Glasspicgel erst ans dem 16. Jahrhundert .... hier hätten wir nun aus einer Schrift des II. Jahrhunderts das Zeugniß, daß es schon früh Glasspiegel gegeben hat." Diese Bemerkung des Herrn S. mag sich wohl auf gegossene Spiegel beziehen; beim die Existenz von Glasspiegeln wird weit früher erwähnt; selbst nach der gewöhnlichen Annahme wird diese Erfindung weit früher angesetzt. Schriftsteller aus dem 7. Jahrhundert erwähnen schon die Existenz von Glasziegeln. Im 11. Jahrhundert scheint in Europa die Glasspiegelfabrikation schon bekannt, und im 72*. Jahrhundert scheinen sie schon so verbreitet gewesen zu sein, daß R- Schimschon aus Kinon sagen tonnte '2 nronDC crie-nii' n*x-io ry-, was 'ich, wie sogleich gezeigt werden soll, auf Glasspiegel bezieht. Die Nachricht aber, daß schon in Sidon das durch seine Glashütten so berühmt war, Glasspiegel verfertigt worden sind, wird von den Neueren bezweifelt. Man liest in den Handbüchern überall, daß diese Annahme durch nichts bewiesen ist. Indessen glaube ich, ein unverdächtiges und nicht | wegzuleugnendes Zengniß für die Existenz der Glasspiegel zur Zeit der Mischnah beibringen zu können. 'Im Trartat Kelim, Eap. 30, Mischnah 2, wird unter den Glasgeräthen auch «n^pöDx speculum Spiegel erwähnt; ja es müssen sogar schon Hohlspiegel in Gebrauch gewesen sein, denn es werden dort auch vertiefte Spiegel erwähnt, die auch als '-2 dienen können. Die Sache ist so klar und deutlich, daß keine gegentheilige Auffassung möglich ist. Der ganze Abschnitt handelt dort nur von Glasgeräthen.' Noch deutlicher läßt sich dies aus der Tosista Cap. VII. ersehen, wo es in umnittelbarem Zusammenhang mit andern Glasgefäßen erwähnt wird, und so erklären es auch alle Kommentatoren ohne Ausnahme und R. Schimschon mit den bereits citirtcu Worten. Als Curiosnm sei nur erwähnt, daß Tossaphot Jom Tob aus der Erklärung des Maimonides herausliest, derselbe habe unter n-''?2ds eine Brille verstanden. Es wäre dies allerdings die älteste Brille, deren. Erwähnung geschieht und der Mann, der die ersten Brillen erfunden har, käme nm seinen Ruhm. Die Sache ist indessen nicht so. Maimonides versteht darunter einen Spiegel, gerade so wie alle übrigen Commentatoren, Wenn es noch eines Beweises bedürfte, so könnte Maimonides selbst, gewiß der beste Interpret seiner eigenen Worte, dafür angeführt werden In Hilchoth Kelim XII, 17 bringe er diese Stelle der Mischna mit den unzweideutigen Worten rr n.m Die Mischna selbst spricht ja deutlich genug; denn aus einer Brille kann man keine Schüssel machen, wie dort von : heißt; selbst unser in Erfindungen so weit vorgeschrittenes Jahrhundert hat dieses Kunststück noch nicht fertig gebracht. Die Darstellung des Rambam in seinem Mischna- Commentar, hat Tossaphoth Jom Tob zu seiner sonderbaren Meinung verleitet. Ich will hier seine Worte näher erklären, und gleichzeitig auf die wahrhaft sonderbare und unbegreifliche Erklärung des Wortes N'-'-peoK bei Maimonides Hinweisen: Die Lichtstärke der Spiegel hängt bekanntlich von der Politur ab. Je glätter die Oberfläche, desto weniger Licht verschluckt dieselbe. Absolut glatte Flächen lassen sich aber nicht Herstellen, auch bei der feinsten Politur bleiben Rauhigkeiten übrig und deshalb bewirkt jeder Spiegel eine Lichtverminderung. Mittelmäßige Spiegel verschlucken 0,4 und die besten noch 0,3 des auffallenden Lichts. Außer, em bewirkt