Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1881-12-21 · Heft 51 (21.12.1881) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 51 (21.12.1881)
Date
1881-12-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2447850-2447897--18345-2474383
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1271 An diesem Grabe trauert die Bevölkerung Wiens, trauert Oesterreich, trauert die ganze Welt. So mächtig und allgewaltig der Schmerz, so unvergäuglich wird die Trauer sein. Nimmer werden die vergessen werden, welche dort ruhen. Sorgsam soll ihr Grab gepflegt und au jedem wiederkehreudeu Todestage geschmückt werden. Ein Denkmal soll sich über ihnen erheben znm Tröste der Hinterbliebenen, zur mahnenden Erinnerung für ewige Zeiten. Hierauf setzte sich der Trauerzug zum Grabe in Bewegung. Man schreibt aus PreHbnrg vom 1. d. M.: In der heute abgehalteneu Sitzung der Eeutralsettiou der städtischen Nepräscutauz wurc der Bürgermeister beauftragt, im dlmun der Stadtgemeinde an Frau Jda Dux ein Kondolenzschreiben zu richten. — Professor Butkovich widmet Tr. Dux in „Prozsonyvi(16ki lapok“ einen längeren Nachruf, in welchem er besonders der Schwierigkeiten erwähnt, welche Dux in seiner Jugend zu überwinden hatle, ehe er die ungarische Sprache erlernen konnte. Dr. FloriallZstöirier benrerkte in einem an Butkovich gerichteten schreiben: „Es waren das finstere Zeiten, an welche ich nur mit schaudern zurückdenke."" Außer der Antipathie gegen das Ungarische zeichneten sich die Preßbnrger in den ersten Dezennien des Jahrhunderts auch durch ivre tiefgehende Aversion gegen die Inden ans und der Beneditliner- Prosessor Bernadin Takücs stand nicht wenig Angst ans, als er den armen Jndentnaben nun „erßen lrmineuten" machen mußte. „Vielt leo de trilm Juda" lEs siegte ein d'öwe ans dein Stanuue Judas, sagte der gerechte Benediktiner damals zu Norner, der als Mitschüler Dux' stets eine große Anhänglichkeil für denselben hegte. Die ungarische Gedenktafel für den Juden Dux,streiche über Initiative eines katholischen Domherrn gestiftet wird, dürfte demnach den wirksamsten Kontrast zwischen dem Preßbnrg von einst und zwischen dem Preßburg von heute bilden. N u ß l a n d. Petersburg, 8. Dcz. Im Süden Rußlands machen sich hinsichtlich der Antisemitcnbewegung jetzt mehr nüchterne und humane Anschauungen geltend. So hat in der Landschaftsversammlnng in Eherson die Hauptcommission die von der Subcommission beantragten drakonischen Maßregeln nicht acceptirt, sondern abweichende Beschlüsse gefaßt. Sie stellte folgende Punkte aus: 1) den Juden den Engrosuub Detailhandel mit Branntwein zu verbieten, ihnen jedoch die Fabrikation desselben zu gestatten; 2) den Juden den Ankauf von Privat- und die Verpachtung von Kronländereien mit einigen Ansnahtnen im Interesse jüdischer landwirthschaftlicher Vereine zu untersagen, jedoch die Pachtnahme privater Ländereien ausnahmslos zu gestatten; 3) das Wohnen der Juden in Kirch- und und anderen Dörfern wie bisher freiz (geben; 4t Juden ohne Einschränkung in alle Lehranstalten zuzulassen; 5) die bisheugen Bestimmungen für jüdische Stadtverordneten beizubehalten; O) russische Bedienung bei Juden nur in Städten und Flecken znzntassen; 7) den jüdischen Advokaten Atteste wie bisher ausznbändigen; 8) den Handel nicht zu bedrücken;!») zur Bekämpfung des Wuchers Leih-Sparkassen zu gründen; JO) gegen Blntsangerci obligatorische Bestimmnngcn der Ltadtverwaltnngen in Anwendung zu bringen; 11) um Aufhebung der Grenzlinie der Stadt zu petitioniren. Feuilleton. pie Arüder. IV. (Fortsetzung und Schluß.) Der Tag war angebrochen. Herr de Jonge erhob sich von seinem Lager, wusch sich, kleidete sich an und ging in die Synagoge. Es war aber noch viel zu früh. Die Synagoge war noch verschlossen, kein Mensch war weit und breit zu sehen. Herr de Jonge begab sich durch die menschenleeren Gassen des Städtchens nach dein Kurgarten. Es war ein wundervoller Morgen. Die Sonne war noch nicht ansgegangen; aber pnrpurroth färbte die Morgenröthe den östlichen Horizont. Die Akazien im Kurgarten blühten und erfüllten die Athmosphäre mit würzigem Duft. Lange ging Herr de Jonge auf und ab, mit seinen Gedanken beschäftigt, bis endlich ein anderer Mann den Kurgarten betrat. Es war Nathan Herzberg; auch er hatte nicht schlafen können. Der Gedanke, daß die Unterrichtsstunden, die er bisher seiner lieblichen Schülerin ertheilt hatte, ein so plötzliches Ende nehmen sollten, hatte den schlaf von seinem Lager verscheucht. Erst jetzt war's ihm klar geworden, wie schmerzlich ihm die Trennung von Marianne sein werde. „Zaphro towo^ lemar!"*) ries er Herrn de Jonge entgegen. ,,^ie haben gewiß befürchtet, die Synagoge zu versäumen, daß Sie sich so früh von Ihrem Lager erhoben haben. Doch freue ich mich. Sie vor dem Gottesdienste sprechen zu können. Sie haben zwar alle Kaddesckim mit Beschlag belegt, allein auch mein Vater hat Jahrzeit, und da möchte ich Sie bitten, meinem Vater ein Kaddisch zu überlassen." *) ('äiten Morgen, mein Herr!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.