Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1881)
- Date
- 1881-12-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1270 ethischen Inhalts steht ein „Brantspiegel" obenan. Das Wort „Brantspiegel" bedeutet so viel wie Vergrößerungsspiegel. Der Verfasser desselben wollte seinem Publikum die Fehler recht deutlich zeigen, damit es dieselben desto eher ablege. Das Buch enthält 74 Abschnitte. Im fünften Abschnitte wird über die guten und bösen Frauen abgehandelt. Aus vielen Erzählungen und Schriftdeutungen aus dem Talmud und den Midraschim wird bewiesen, welches Glück und welcher Reichthum eine gute Frau für den Mann ist. lieber die bösen Frauen heißt es am Schluffe: „Man bedarf nit viel r.r*n oder (Beweise oder Beispiele) zu bringen, die leut wissen was der mer is mit dem bösen weib. Gott 'rr soll itlichen frommen >nrv bewahren vor sic." — Das ist allerdings drastisch. Aehnlichen Inhalts, wie der Brautspiegel, ist das Buch Simchas Hanuefesch, das heißt: Seelenfreude. Als Lerfasser desselben wird Hendel Kirchhahn genannt. Das Buch war ehedem sehr beliebt und verdiente es auch. Es hat den Zweck, die Leser zu trösten und zu erfreuen. Es würde uns hier zu weit führen, wenn wir dem Verfasser auf seinem Wege durch die jüdischdentsche Literatur überallhin folgen wollten; doch wollen wir nicht versäumen, einen Satz aus der jüdisch-deutschen Bearbeitung des Buches der Frommen (o TDn -vrD) in hochdeutscher Sprache hier zu veröffentlichen: „§ 385. Man darf nicht irgend einen Menfchen, er sei Jude, er sei ein Nichtjude, bestehlen, berauben oder betrügen. Du sollst Dich hüten und wohl in Acht nehmen und sollst keinem Nichtjudcu einen Jrrthum machen in der Rechnung. Wenn ein Nichtjude etwas verliert und Du findest es, so sollst Du es ihm zurückgebeu. Du sollst ihn in keiner Weise geringfchätzeu und sollst ihn ebenso ehrlich halten wie einen Juden." Das vorliegende Werk enthält fast 600 große Octavseiteu; unsre Leser ersehen daraus, wie ausführlich der Verfasser seinen Gegenstand behandelt hat. Der Verfasser hat mit Fleiß, Liebe und Sorgfalt gearbeitet; auch bekundet er große Belesenheit und umfangreiches Wissen. Das vorliegende Buch gehört zu denen, die wir mit Freuden begrüßen und die wir auf das Wärmste empfehlen können. Die Ausstattung ist eine ganz vorzügliche. Aeitirrrgsnachrichtekr und Correfpondenzeu. D e u t s ch l a n d. Mainz, 14. Dez. Zum Besten der Armen, Nothleideuden 2c. im heiligen Laude haben wir heute an das löbliche Eentral-Comit« in Amsterdam 4259 M. 50 Pf. übersendet. Die Summe der in diesen! Jahre von uns gesammelten und übersandten Spenden beträgt nunmehr 17,528 M. 45 Pf. Wie uns vom löblichen Central-Comits in Amsterdam mitgetheilt wird, ist gegenwärtig die Noth im heiligen Lande sehr groß, und die Darbenden harren mit Sehnsucht der Unterstützung entgegen, deren sie so dringend bedürfen. — Wir erlauben uns daher, alle hochherzigen Glaubensgenossen auf das Angelegentlichste zu bitten, der Noth unsrer Brüder und Schwestern im heiligen Lande mitleidsvoll zu gedenken. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Herr Gans v. Ludassi, der bekarmtlich unter dem Grafen Julius Andrüssy abermals als Settionörath in das Preßbureau des Ministeriums des Acußeru eintrat, ist von seinem Amte zurückgetreten und wird auf Grund senier vieljährigen Wirksamkeit, sowie der von ihm geleisteten Dienste, 'iit den Genuß der vollen Pension treten. Wien, 12. Dez. Bei der heutigen Leichenfeier der im Ringthcater Verbrannten hielt der Pfarrer der evangelischen Gemeinde die Leichenrede. Er schilderte in ergreifenden Worten das Unglück, verwies die üou der Trübsal schwer Heimgesnchten auf die Allmacht, aber auch auf die Allgüte des Ewigen, unter dessen gewaltige Hand wir uns beugen wollet!. Er hat uns zerrissen, er wird uns auch heileu. .(kein Auge blieb thränenleer. Hieraus folgte die Einsegnung des Pastors der helvetischen Gemeinde. Nachdem ein Ehoral gesungen worden, trat der jüdische Prediger Jellinek vor und hielt gleichfalls eitle herzergreiferkde Leichetrrede. Er betonte, das unselig traurige Ereiguiß uwge Allen, welche Kunde davon erhielten, eine strenge Mahnung sein, strenge und gewissenhaft in jeder Richtung ihre Pflicht zu thuu. Die geringste Pflicht ist heilig; eine Vernachlässigung derselben kann Verheerung und Vernichtung herbeiführen. Möge aus dem thräneufeuchten Staube, aus der gemeinfamen Erde der Baum des religiösen Friedens und konfessioneller Eintracht auch für'- Leben ersprießen; niöge unsere Stadt von heute ab allen anderen Städten und Staaten vorauleuchteu durch edle Brüderlichkeit, welcher keine Sprache fremd ist, keine.Konfession fernsteht; dann wird der Feuerschein in der Nacht vom 8. Dezember nicht blos zerstört, getödtet, sondern auch Frieden gestiftet, beit Brudersinu belebt haben. Der ^ynagogeuchor trug ein Tranerlied vor. Hierauf betrat der Bürgermeister Newald die Estrade, um Namens der Stadt Wien die Trauer anszndrücken. Er schloß: