Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1881)
- Date
- 1881-12-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1267 Das römische Weltreich war durch den Aufstand der Juden unter Bar Kochba in seinen Grundfesten erschüttert worden. Die Bewältigung des Aufstandes hatte ungeheure Opfer gekostet. Keiner der römischen Feldherren hatte ihm zu obsiegen vermocht, so daß Julius Severus, den Hadrian beneidete und hasste, aus dem fernen Britanien hatte herbeigerufen werden müssen. Hadrian hatte nach Vollendung des Feldzuges nichts Eiligeres zu thun, als den sieggekrönten Feldherrn nach dem fernen Westen zurückznschicken. Ihm selbst hatte der römische Senat die Ehre des Triumphes versagt, weil nicht er den Sieg errungen hatte. Dies Alles stachelte den Kaiser zu entsetzlicher Wurh gegen die Juden. Großmnth und Edelsinn lagen seinem Charakter fern; Selbstsucht, Laune und Uebermuth waren, namentlich gegen das Ende seines Lebens, das Bestimmende in seiner Handlungsweise. Da der Kaiser von solch einem Geiste des Hasses gegen die Juden beseelt war, so schien es nur ganz natürlich, daß die von ihm eingesetzten Beamten, an ihrer Spitze Tinius Rufus, mit der grössten Grausamkeit verfuhren. Jeder, der bei Ausübung religiöser Gebote ertappt wurde, zog sich die härteste Strafe zu, ja, wurde zunt Tode verurtheilt oder durch die ausgesuchteste Marter zu Tode gequält. Die Römer wurden hierbei von jüdischen Verräthern und Angebern unterstützt, Namentlich war es Acher, der, selbst des Gesetzes kundig, am Besten es verstand, den römischen Behörden auf die Spur zu Helsen. Er trieb die Kinder aus den Schulen und zwang sie, Handwerke zu erlernen; er verrieth jede Umgehung der römischen Decrete und brachte dadurch unsägliches Elend über seine Stammesgenossen.*) Unterdcß lebte Rabbi Akiba im Süden des heiligen Landes unbeirrt und ungestört seiner Lehrthätigkeit. Nachdem das jüdische Volk eine Niederlage erlitten, wie nie zuvor und nie nachher, schien Alles verloren zu sein. Mehr als eine halbe Million Leichen bedeckte die Felder in Bethar und dessen Umgebung. Der Ueberrest Israels erlag der furchtbaren Verfolgung. Die Besten und Edelsten wurden zur Schlachtbank geführt. Der Hoffnung, die sich an das Erscheinen des vermeintlichen Messias geknüpft hatte, war die schrecklichste Enttäuschung gefolgt. Aber das große, weite Herz Rabbi Akiba's erlag der Verzweiflung nicht. Mit ungebrochener Kraft säete der greise Säemann aufs Neue feine Saat, nachdem die Früchte seiner langjährigen Thätigkeit fast alle vernichtet worden waren. *i IermchcUmi, v'hagiga ('. 2, Halacba 1. UnsreWeisen lehren, daß das Antlitz Moscheh's der Sonne glich und das Angesicht Josua's dem Monde, denn wie der Mond sein Licht von der Sonne erhält, so strahlte Moscheh's Licht in Josua wieder. Auch Rabbi Akiba glich der Sonne; aber es waren fünf Monde, die ihn umkreisten. Jeder seiner Schüler hatte ein besonderes Feld der jüdischen Wissenschaft des Lehrers zur Pflege übernommen. Rabbi Meir und Rabbi Nechemiah nahmen vor Allem die Halachah als strikte und scheinbar unabhängige Gesetzesvorschrist in sich auf. Die Halachoth des Rabbi Meir, die er von seinem Lehrer Rabbi Akiba überkommen hatte, bildeten später die Grundlage zu den sechs Ordnungen der Mischnah, die Rabbenu Jehudah, der Heilige, der Sohn jenes Rabbon Schimeon ben Gamliel, den wir bei der Zerstörung von Bethar kennen lernten, in Verbindung mit seinen Genossen und Schülern ordnete und niederschrieb. Die Halachoth, welche Rabbi Nechemiah von seinem Lehrer Rabbi Akiba überkam, bildeten die Grundlage der Tosephta, welche später Rabbi Chija und Rabbi Hoschiah, die Schüler und Genossen von Rabbenu Jehudah, dem Heiligen, ordneten und niederschrieben. Die Tosephta enthält im Großen und Ganzen dasselbe wie die Mischnah, nur manchmal in anderer Form, bald kürzer, bald ausführlicher, so daß die Tosephta vielfach geeignet ist, über dunkle Mischnoth Licht zu verbreiten. - Rabbi Jehudah ben Jlai, der dritte Schüler Rabbi Akiba's, hatte die Art und Weise seines Lehrers, die Halachah unmittelbar au das heilige Schriftwort anzuknüpsen, sich zu eigen gemacht Er ist der Urheber jener Erklärungen des dritten, vierten und fünften Buch Mosis, welche uns unter dem Namen Sifrah und Sifre erhalten sind. — Rabbi Jose ben Chalaphta, der vierte Schüler Rabbi Akiba's, von den: die Weisen uns berichten, daß er in die Tiefe der heiligen Wissenschaft eingedrungen, hat außer seiner großen halachischen Thätigkeit, die Geschichtskeuutmß seines Lehrers in sich ausgenommen, und die Werke Seder Olam Rabba, und Seder Olam Sutta enthalten die geschichtlichen Daten, die Rabbi Jose von Rabbi Akiba vernommen hat. — Der fünfte und nicht geringste Schüler des großen Lehrers war Rabbi Schimeon ben Jochat. Auch er wurde groß in der Halachah; daneben aber pflegte er namentlich die geheime Wissenschaft, die Kabalah, in welcher Rabbi Akiba ein so großer Meister war. Rabbi Schimeon wurde der eigentliche Träger dieses Zweiges der göttlichen Weisheit, und seine Zeitgenossen sprachen von ihm: Heil dem Zeitalter, welches Rabbon Schimeon ben Jochat zu den Mitlebenden zählt! — Er namentlich wurde der Lehrer des oben erwähnten heiligen Rabbi Jehudah. Während nun Rabbi Akiba mit großer Sorg.