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Der Israelit · 1881-12-21 · Heft 51 (21.12.1881) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 51 (21.12.1881)
Date
1881-12-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1266 bei den Landesbehörden mit einer Aufenthaltskarte zu versehen; diese Karte wird nur gegen Vorzeigung des Passes verabreicht. Die Maires der Landgemeinden sollen, ohne erst eine Spezialvollmacht des Ministers einholen zu müssen, jeden Fremden, der ohne Aufenthaltskarle oder vifirten Paß betroffen wird, aus dem Gebiete ihrer Gemeinde fortziehen heißen, aber die Ausweisung selbst soll erst durch eine ministerielle Entscheidung ausgesprochen werden können. Man ist gewöhnt, anzunehmen, daß alle in Rumänien gegen die Fremden ergriffenen Maßregeln hauptsächlich oder ausschließlich auf die Juden abzielen; hoffentlich 'wird dies mit dem ebengenannten Dekret nicht der Fall sein. England. London. Der verstorbene Gabriel Benedict Worms hat außer den bereits gemeldeten Legaten an drei der hiesigen Synagogen 5000 L.-St., einer Schule und einem Nnterstützungsverein zusammen 700 L.-St. hinterlassen. (Jew. Ehr.) Rußland. Petersburg, 12. Dec. Von den Arbeiten der Kommission zur Berathung der Judenfrage hört man im Allgemeinen wenig. Die von den einzelnen Gouvernements eingelaufenen Gutachten sollen wesentlich von einander differiren; die Mehrzahl soll sich jedoch für Maßregeln ausgesprochen haben, welche den Juden sehr ungünstig sind und ihnen den Aufenthalt in Rußland außerordentlich erschweren würden. Rechnet man hierzu die den Juden feindliche Stimmung in hiesigen Regierungskreisen so ist das Resultat der Arbeiten der Kommission unschwer abzusehen. Eine eigenartige Maßregel, einen für die Sache der Juden günstigen Verlauf der Verhandlungen herbeizuführen, ist von einer Anzahl wohlhabender und angesehener Israeliten geplant worden. Dieselben beabsichtigen, große Summen aufzubringen unter ihren Glaubensgenossen, und dieses Kapital, das von nicht unbeträchtlicher Höhe sein dürfte, zu wohlthätigen Stiftungen zu verwenden, die den Staat den Juden gegenüber gewissermaßen verpflichten und auch die orthodoxe Bevölkerung für dieselben einnehmen würden. Der Plan, zu dessen Ausführung tatsächlich schon geschritten ist, findet in hiesigen jüdischen Kreisen nicht überall Billigung. Der Erfolg ist auch mehr als problematisch. A m e r i k a. New Port. Unter den 1600 Gefangenen in Sing-Sing sind nur 30 Israeliten, weniger als 2%. Unter den 2600 in St. Quentin sich befindlichen Gefangenen sind sogar mir 5 Israeliten, weniger als V^o/o- Diese Zahlen mögen sich die Judenfeinde gesälligst zur Notiz nehmen. (Hebrew). Feuilleton. Ilkiba. LI. Eine schreckliche Zeit der Verfolgung war in Judäa angebrochen. Die Juden waren der Willkür und der Raubsucht der römischen Soldaten preisgegeben. Selbst der an einem Juden vollbrachte Mord wurde nur mit einer geringen Geldstrafe gebüßt.*) Kaiser Hadrian ging in der grausamen Behandlung der Besiegten mit bösem Beispiele voran; er gestattete nicht, daß die Leichen der Gefallenen von Vethar zur Erde bestattet wurden, und die Weisen bezeichnen es deßhalb als ein Wunder, daß die todten Körper nicht in Fäulniß übergingen und durch Ausströmung schädlicher Miasmen Krankheit und Tod verbreiteten. Als einst Hadrian mit großem Gefolge sich int Freien erging, kam ein Jude daher, welcher beit Kaiser ehrerbietig grüßte. „Du Hund", schrie ihn der Kaiser an, „Du wagst es, mich zu grüßen! Hängt ihn auf." Sofort wurde der Unglückliche ergriffen und an den nächsten Baun: gehängt. Wenige Tage nachher hatte ein anderer Jude das Unglück, dem Kaiser zu begegnen. Eingedenk jenes schrecklichen Urtheils drückte sich der Arme au die Mauer und suchte sich den Blicken des Kaisers zu entziehen. „Seht da den Juden", schrie Hadrian, „der die Frechheit so weit treibt, seinem Kaiser den Gruß und die schuldige Ehrerbietung zu versagen! Hängt ihn auf!" Da trat Jemand aus dem Gefolge des Kaisers hervor und sprach: „Großmächiger Cäsar, göttlicher Imperator, möchtest Du wohl die Gewogenheit haben, Deinen Dienern die Weisheit Deiner Urtheilssprüche zu erklären. Vor einigen Tagen hast Du einen dieser Unglücklichen hängen lassen', weil er Dich gegrüßt hat, und heute willst Du einen Andern zum Tode verurtheilen, weil er Dich nicht gegrüßt hat?" „„Ha"", lachte der Kaiser, „es kömmt mir durchaus nicht darauf au, ob mich die Juden grüßen oder nicht, es kömmt mir nur darauf an, die Juden hängen zu lassen!**) *) Gittin 55 b. **) Midrasch Cchah.

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