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Der Israelit · 1881-12-21 · Heft 51 (21.12.1881) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 51 (21.12.1881)
Date
1881-12-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1263 antropomorphistischeu Ausdrücken gesprochen wird. Manchmal geschieht das auch bei solchen Stellen, in denen die Halacha eine vom einfachen Textworte abweichende Auffassung gefunden. Da nun Onkelos dies nicht überall gethan, so hat es der Verfasser sich zur Aufgabe gemacht, zu untersuchen, welche Methode der Uebersetzer hierbei eingeschlageu. Der Verfasser kömmt zu dem Resultat, daß Onkelos bestrebt war, eine möglichst wortgetreue Ueberlieferung zu liefern, und daß er deßhalb nur da, wo es in einer Weise geschehen konnte, die den Charakter seiner Ueberfetzung als einen natürlichen nicht ganz alterirt, die Erläuterung der Halacha mit in seine Ueberfetzung ausgenommen habe/ Aus demselben Grunde übersetzt Onkelos Stellen, die in der Thora wiederholt werden, nur einmal mit Berücksichtigung der Halacha. Der Verfasser macht daraus aufmerksam, daß er unter Halacha nicht ausschließlich die recipirte, sondern jede in den halachischen Quellen zur Erklärung des Pentateuch aufbewahrte Ansicht verstanden wissen will. Wir können auf die Einzelheiten dieser vortrefflichen Monographie nicht näher eingehen. Dieselbe ist mit Fleiß und Geschick gearbeitet und bietet Jedem, der sie liest, Anregung und Belehrung. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Aschaffendurg, 13. Dezember 1881. Bei der hiesigen Stadtrathswahl standen sich zwei Parteien, Ultramontane und Liberale, schroff gegenüber, so daß nur die Israeliten Hierselbst den Ausschlag zu geben vermochten. Letztere fanden, laut offizieller Erklärung, Veranlassung, nur für Liberale zu stimmen, — weil der Führer der hiesigen Ultramontanen z. Z. der Erste war, welcher die Antisesemiten - Petition Unterzeichnete und bei seinen Anhängern Unterschriften sammelte. Es wurden demgemäß nur Liberale, darunter ein Jsraelite, Herr Leopold Trier, zu Stadträthen gewählt. Einen ebenso günstigen Erfolg für die hiesigen Israeliten hatte auch die Ersatz-Stadtrathswahl, die ebenfalls einen Israeliten, Herrn Hamburger, als Stadtrathsmitglied hervorrief. R—t. Waffertrüdingen, Bayern, 9. Dezbr. Bei der gestern dahier vollzogenen Ersatzwahl, für die im Turnus ausgetretenen Magistratsräthe, wurde unser Glaubensgenosse, Herr Kaufmann David Kohn, nachdem derselbe schon seit 20 Jahren ununterbrochen Mitglied des magistratlichen Collegiums war, einstimmig wiedergewählt. Diese Thatsache ist um so bemerkenswerther, als in hiesiger Stadt nur wenige unserer Glaubensgenossen leben, und Herr Magistratsrath Kohn, als Dienstältester, in Abwesenheit des Bürgermeisters, welcher auch Landtagsabgeordneter ist, dessen Stelle zu versehen hat. Eine von Seiten der Bürgerschaft ihm zugedachte Ovation hat Herr Kohn dankend abgelehnt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 12. Dezember, Heute hat man mit den Begräbnissen begonnen. Diejenigen, welchen von ihren Angehörigen ein eigenes Leichenbegängnis veranstaltet wurde, trägt man heute zu Grabe. Die Straße, welche zum Friedhofe führt, ist besäet von Wagen und Fuhrwerken aller Art — sic sind gefüllt von Jenen, die ihren Angehörigen, ihren Freunden und Bekannten das letzte Geleite geben. Vormittags finden nur die Begräbnisse von Verstorbenen israelitischer Konfession statt und vor dieser Abtheilung des Friedhofes staut sich eine Wagenburg, wie man sie wohl noch nie gesehen hat. Tramway und Omnibusse sind ebenfalls überfüllt und eine große Zahl von Menschen wandert zu Fuße nach dem Leichcnfeld. Schon um 8 llhr früh findet man dort Leute. Sie wollen in der Todtenkammer erfahren, ob die Leichen ihrer Angehörigen hier sind, denn in der Leichenkammer des Krankenhauses herrscht große Konfusion. Man weiß nicht genau, welche Leichen auf den Friedhof gebracht wurden. Man weiß nicht genau, ob die in den: Sarge liegende Leiche wirklich diejenige ist, deren Namen auf dem angeklebten Zettel zu lesen ist. Der Vorstand der Kultusgemeinde, Herr Simon, ist Allen behilflich, die gesuchten Särge zu finden. Nun kommt eine Familie. Der Vater will ans den Sarg des Sohnes noch einen Kranz legen, bevor man ihn zur Ruhe bettet. Man sucht den Namen in der Liste der zur Beerdigung Bestimmten; dort ist er auch zu finden; aber der Sarg ist nicht hier und wird vielleicht morgen erst vom allgemeinen Krankenhause hierher befördert werden. Die Familie ist in Verzweiflung; sie glauben, die Leiche sei verloren gegangen und händeringend verlassen sie das Gebäude. Solche Scenen wiederholen sich fort und fort — das ist das Präludium zum heutigen Tag. Nun ist es 9 Uhr, einige Leichen sind bereits unterwegs und der Vorstand der Kultusgemeinde gibt Auftrag, daß indessen mit dem Begräbnisse der bereits zum Friedhofe Gebrachten begonnen werde. „Leopold Duschinsky!" ruft in kaltem, geschäftsmäßigen Tone ein Friedhofsdiener in die Menge, welche die Leichenhalle füllt. Er muß

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