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Der Israelit · 1881-12-14 · Heft 50 (14.12.1881) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 50 (14.12.1881)
Date
1881-12-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1242 Kultusministers sogar dahin, daß die Austretenden während voller drei Jahre an die frühere Gemeinde noch Kultussteuern zu entrichten haben! Heißt das nicht die Trennung zur Unmöglichkeit machen? Ist es kein Gewissenszwang, wenn die Orthodoxen durch solche Verfügungen genöthigt werden, auch ferner einer Gemeinde anzugehören, deren Gesammteinrichtungen gegen ihre religiösen Ueberzeugung verstoßen! Man gestattet den unterdrückten Orthodoxen einerseits die Trennung und macht ihnen dieselbe andererseits zur Unmöglichkeit! Dieser Tage bestätigte der Kultusminister zwei neue Professoren am Rabbiner - Seminar, die ja von jenem Fonde erhalten werden, welcher ein gemeinsames Eigenthum der Neologen und Orthodoxen bildet! Ziehen wir nun die Rechnung zusammen, was erblicken wir da? Erstens, daß die austretenden Orthodoxen das gemeinsame Vermögen im Besitze der Neologengemeinde lassen müssen! Zweitens, daß die Orthodoxen volle 3 Jahre nach ihrem Austritte noch immer Beiträge zur Erhaltung der Neologengemeinde zu leisten verpflichtet sind! Drittens aber, daß aus dem Schulfonde, der doch ebenso gut den Orthodoxen gehört, wie den Neologen, das Seminar erhalten wird, welches Rabbiner erzieht, die das orthodoxe Judenthum bekämpfen sollen! Und da spricht man noch in Ungarn von Neligions- und Gewissensfreiheit! Man weist darnuf hin, daß man den Orthodoxen die Trennung gestattete, um sie vor einem Gewissenszwang zu schützen! Aber wie theuer kommt den Orthodoxen diese Gewissensfreiheit zu stehen! so theuer, daß sie sich fast gänzlich als Täuschung erweist, da man ja in Zukunft in Folge des neuen Ministerialerlasses keine Trennung mehr wird vollziehen können. Die Kongreßkanzlei hat diesmal ihre Sache sehr schlau, aber wenig gewissenhaft gemacht. Sie weiß, daß in kürzester Zeit die jungen Seminar- Rabbiner das Land überschwemmen werden. In jedem Orte, wo ein „Seminarist" zum Rabbiner gewählt wird, werden sich ja die Orthodoxen beeilen, aus der Gemeinde zu scheiden. Da bewirkte die Kongreßkanzlei.einen solchen Ministerial-Erlaß, welcher das Ausscheiden zur Unmöglichkeit macht, damit die Orthodoxen auch noch die Seminarrabbiner anerkennen müssen. Und da wagt man noch von Gewissensfreiheit zu sprechen! Wahrlich! Die Orthodoxen wären vollkommen im Rechte, tt)enn_ sie sich neuerdings an den Reichstag um Abhilfe wendeten!" A m e r i f a. Washington, 6. Dec. Dem Congresse ging heute eine Botschaft des Präsidenten zu, welche vorerst des Verlustes gedenkt, den das Land durch den Tod Garfield's erlitt, und sodann die Nation zu der zunehmenden Wohlfahrt des Landes und zu den freundschaftlichen Beziehungen mit den auswärtigm Mächten beglückwünscht. Die Theilnahme der Vertreter Deutschlands und Frankreichs an der Jubelfeier in Aorktown befestigte die freundschaftlichen Gesinnungen zu diesen Ländern; es sei nothwendig, auch die herzlichen Beziehungen zu Rußland zu kräftigen und Schutz für die Amerikaner, welche Rußland besuchen, namentlich für die Judeu, zu erwirken, deren Behandlung energische Vorstellungen Nordamerikas erheische. Feuilleton. Miba. L. Der neunte Tag des Monats Ab, jener Tag, der so unheilvoll für die Geschichte Israels war, derselbe Tag, an welchem der heilige Tempel durch Nebukadnezar und viele Jahrhunderte später der zweite Tempel durch Titus war zerstört worden, dieser Tag war angebrochen und erfüllte die Belagerten in Bethar mit trüben Ahnungen. Seitdem der angebliche Messias den ehrwürdigen und frommen Rabbi Elasac Hamudal, seinen eigenen Oheim, getödtet hatte, schien der Geist Gottes von ihm gewichen zu sein, und tiefe Schwermuth hatte sich seiner bemächtigt. Auch seinen sonst so tapfern und muthigen Kriegern schien das Vertrauen und die feste Zuversicht auf ihren Führer abhanden gekommen zu sein. Zwei und ein halbes Jahr währte nunmehr die Belagerung. Die aufgehänfteu Vorräthe waren zwar noch lange nicht erschöpft, und den Belagerten fehlte es nicht an Speise und Trank und allen Bedürfnissen des Lebens. Aber auch die Römer schienen nicht daran zu denken, die Belagerung aufgeben zu wollen. Sie waren vielmehr in jüngster Zeit wieder rühriger, und ihre Angriffe und Stürme waren wieder heftiger geworden. Die Ursache davon war die Ankunft des Kaisers im Lager, wovon jedoch die Belagerten nichts wußten. Plötzlich ertönte der Ruf: „Verrath, Verrath!" j durch die Straßen von Bethar. Bewaffnete Römer! waren aus dem Schooße der Erde gestiegen. Augen-! blicklich war Bar Kochba zur Stelle. Er befahl das Haus zu besetzen, aus welchem die Römer hervorkamen. Aber die Kuthäer schützten das Haus und wurden mit jeder Minute durch römische Soldaten verstärkt.

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