Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1881-12-14 · Heft 50 (14.12.1881) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 50 (14.12.1881)
Date
1881-12-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447850-2447896--18313-2474350
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1240 priesen sie ihre angebliche Weisheit, welche es verstanden haben sollte, das alte Judenthum seiner Vorschriften zu entledigen und es als ein so wesenloses! Etwas zu gestalten, daß jedes Philosophen, welches! gerade en vogue war, dafür ausgegeben werden > konnte.! Das göttliche Gesetz wurde als veraltet, als j cultur- und bildungsfeindlich verschrien, und die Be- > folgung desselben als beschränkter Unverstand, als! mittelalterlicher Wahn bezeichnet. | Aber Gott — Sein heiliger Name sei gepriesen!! — läßt nicht den Volksstamm, den Seine Gnade! auserkoren Sein Gesetz der Menschheit zu verkünden, I in solcher Erbärmlichkeit untergehen. Seine Vater-! Hand hat uns nicht nur geführt durch die Schatten j des Todes, welche uns in den finstern Zeiten der! Vergangenheit umgaben, — sie lenkt auch uns in j der Gegenwart, erziehend und strafend, zur Erkennt-! niß unserer Pflicht, zuin Bewußtsein unserer Auf-! gäbe, zum Gehorsam Seines Gebots. Noch ist kein Wort, welches Er gesprochen, un- ' erfüllt geblieben und auch die Verheißung: j-P D’nDtfo «6 nn’U’x p*a nmv'o rw DJ *)«<’ j :dpn ’rv~ü D’n^yj : „Und auch, wenn sie im Lande ihrer Feinde sind, so habe Ich sie nicht verachtet und sie nicht aufgegeben sie zu vernichten, Meinen Bund mit ihnen aufzuheben" (3. B. M. 26, 44) ist ewige Wahrheit, wie das durch des Propheten Jecheskeel (20, 32, 33) verkündete Wort: „Was in eurem Geiste aufsteigt, wird nimmer feint nämlich, daß ihr sprechet: wir wollen wie die anderen Völker, wie die anderen Menschenfamilien werden, dem Holz und Stein dienstbar zu sein; —; so wahr ich der Ewiglcbende bin, spricht Gott der Herr, wenn nicht anders, so werde Ich durch starke Hand und erhobenen Arm und sich entladenden Zorn : über euch walten!" hat sich buchstäblich zu allen Zeiten, und auch in unfern Tagen, über uns voll- : zogen. „Als ein Gemisch von Silber und Kupfer, von Eisen, Zinn und Blei im Schmelzofen, Feuer : darum anzublasen zu Läuterung — so erfasse Ich : euch in Meinem zürnenden Unwillen und läutere j euch. Ich bringe euch in den Tigel und entfache! das Feuer Meines Zornes über euch, daß ihr in! demselben geläutert werdet" (Jecheskeel 22, 20, 21) I — das ist die ernste Waltnng der erziehenden Hand > Gottes an Israel. i Der Traum jener Verblendeten erweist sich I schon jetzt — nach kurzer Dauer — als Traum, j Hohn und Spott, Zurücksetzung und Haß tönt uns j aus den Kreisen entgegen, in welchen sie zu glänzen; vermeinten. Das Gottesheiligthum haben sie derj lassen, sind ihrem besonder», hehren Berufe untreu geworden aus jenen Tempeln weift man sie zurück und verschmäht ihre Hilfe an dem Aufbau der Staaten Ruhm und Wohlfahrt. 'oy ib „Mein Volk! geh' wiederum ein in deine Gemächer" Tiya i'nvi 'ijdi „ und schließe deine Thüre, zu deinem Schutze", dj/qd 'an yn „verbirg dich für den Augenblick", oyt -loy» ny „bis der Zorn vorüber ist." (Jeschajah 26, 20) — so lautet die Mahnung unseres Gottes durch das Trübsal der Gegenwart. Das Sich-Zurückziehen auf unfern eigenthümlichen Jsraelberuf, in ihm unfern Schutz zu suchen und zu finden, für einen Augenblick noch zu verziehen, ehe wir als ächte, ganze Juden in den Kreis unserer Brüder mit unserm Judenthum eintreten können, ohne Zurückweisung erwarten zu müssen — das ist die Lehre der heutigen Erlebnisse. — „Der Zorn zieht vorüber" - den ganzen Juden gegenüber wird sich endlich die Vrudermenschheit freundlich zeigen; — noch ist sie nicht reis und noch sind wir nicht reif. — Das Vorurtheil ist noch nicht aus den Gemüthern unserer Brüder gewichen — und wir waren noch nicht zu der Treue, zu dem festen Ausharren bei dem göttlichen Gesetze gelangt, daß wir die Thora im Arme einzutreten den Math hatten in die gemeinsame Halle der Menschheit, um gemeinsam an der Menschheit Heil zu wirken. Die Verblendeten der Makabäerzeit sind mit den Syrern untergegangen, die Hasmonäer und die Treugebliebenen leben ihr unsterbliches Dasein. Also wird es auch uns sein. Das Wunder jener Tage wird sich auch uns wiederholen. Denn, Gott sei Preis und Dank, ein Krüglein reinen Oels ist auch uns verblieben! Noch leben Männer und Frauen in Israel, welche sich frei gehalten von der Verirrung der Zeit, welche die alte Treue bewahrt und sich und ihre Söhne und Töchter als Träger des reinen Gotteslichts im Wahne des Tages zu retten verstanden haben. In ihrer Brust lebt die alte Begeisterung für Gott und Sein Gesetz — und die>e Begeisterung im Herzen der Wenigen wird genügen, um uns Alle wieder für unser Heiligthum zu entflammen. Das Licht des Gottesgeistes, welches in ihren Häusern strahlt, wird auch den Andern leuchten; der Irrwahn wird schwinden; sie werden in alter Liebe zurückkehren zu dem Gesetze ihres Gottes und das geeinte treue Israel wird die kurze bittere Stunde des Trübsals siegreich bestehen.'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.