Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1881)
- Date
- 1881-12-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1238 medergefahren, zerstörend und vernichtend. Die Judenhetze in einigen Gegenden Deutschlands, die Judenverfolgungen in verschiedenen Theilen Rußlands, haben uns aus unserer vermeintlichen Sicherheit emporgeschreckt. Es liegt in dem weisen Plane der göttlichen Vorsehung, daß Wir uns ungestörter Ruhe nicht erfreuen sollen. Etwas Analoges wird uns in dem Thora-Abschnitte des kommenden Sabbats von unsrem Vater Jacob erzählt. T3N mao pM3 3pJJ' 30*1 Jacob wollte sich dauernd niederlassen in dem Lande, in welchem seine Väter als Fremdlinge gelebt hatten. ,*pv mn vby pp ,mPt£Q 3t£p upy »p’3 O'P'ILP pn nb n'3‘p'n "iow n6»3 2V'b D’»p30 o’pna 3V'd O'iffpDDE? nPn tcn mb lpme» no :nrn Dpip nbvz Jakob wollte in Ruhe und Frieden wohnen, da wurde seine Ruhe durch das Leid um Joseph gestört. In Folge dessen mußte Jakob später nach Aegypten auswandern, wo seine Nachkommen nicht heimisch werden konnten. Das Alles geschah nur zu Israels Heil. Wäre Jakob mit den Seinen in Ruhe und Sicherheit, in Freiheit und Wohlstand, im Lande Kanaan geblieben — das Volk Israel wäre niemals befähigt worden, die Thora zu empfangen und das Volk Gottes zu werden. Die höchsten Güter der Menschheit werden nur durch schwere Leiden und harte Prüfungen errungen. Wie es unsrem Vater Jakob ergangen, so ergeht es seinen Nachkommen. Nach vielen Kümmernissen und Kämpfen: mit Esaw, mit Laban, mit Schechem, wollte Jakob endlich ausruhen. Aber die Ruhe ist nicht gut für den, welcher den idealen Gütern des Lebens nachstreben soll. — Nach Jahrhunderten der Verfolgung und Unterdrückung glaubten wir, daß ein Zeitpunkt der Ruhe und des Friedens gekommen sei; aber wir wurden gewaltsani aufgerüttelt. Die Waffen, mit welchen wir unsre Gegner bekämpfen, sind einzig und allein die Waffen des Geistes, und selbst in Bezug auf diese beschränken wir uns auf die Vertheidigung und wollen Niemanden angreifen. Das Hauptfeld unsrer Thätigkeit muß die eigene Verbesserung und Veredelung sein. Wir müssen unsre Gegner schlagen durch den Adel der Gesinnung und durch die Reinheit unsrer Sitten. Wir müssen unsre Feinde beschämen durch die Tugend unsres Lebens und durch die Liebe zu unsren Mitmenschen, nicht durch phrasenhafte, verschwommene Reden, sondern durch Werktätige Liebe, die sich in aufopferungsbereitem Wohlthun bethätigt. Uns ist Gottes heilige Lehre zu Theil geworden; wenn wir an ihr festhalten und nach ihren heiligen Vorschriften unser Leben einrichten, so werden wir die höchsten Ideale der Menschheit erringen. Diese heiligen Zwecke und Ziele verfolgt und erstrebt der „Israelit" unter göttlichem Beistände seit fast zweiundzwanzig Jahren. Er sucht unablässig die Söhne und Töchter unsres Volkes um die erhabene Fahne der Treue zu schaaren, der Treue für unsren Gott und Seine. heilige Thora. Was der „Israelit" erwirkt und geschafft hat, das entzieht sich der Beobachtung. Das aber wissen wir mit Bestimmtheit, daß so manches edle Saatkorn aufgegangen ist in den Herzen der Söhne und Töchter unsres Volkes und dann herrliche Früchte getragen hat. In unzähligen jüdischen Familien ist mit göttlicher Hilfe durch den „Israelit" das echte, wahre, unverfälschte und unverkürzte Judentum erhalten worden. Edle, gottbegeisterte Kämpfer haben stets rüstig mitgeholfen, für das Recht und die Wahrheit einzustehen. Möge uns der allgütige Gott auch für die zukommende Zeit Kraft und Ausdauer verleihen in: Verein mit allen Treuen und Gläubigen in Israel die höchsten Ziele anzustreben! Khanukah. Von Naphtali Simon. Zur Zeit des zweiten Tempels, als die Gräco- Syrer herrschten, wurden Verfolgungsdecrete gegen Israel erlassen. Seine Religion wurde dem Untergänge geweiht; die Beschäftigung mit der Thora, die Ausübung der göttlichen Gebote wurden untersagt. Das Vermögen der Juden ward preisgegeben, und preisgegeben die Ehre der jüdischen Frauen. Der Tempel auf Zion, von dem Tyrannen betreten, wurde theilweise demolirt und die Heiligthümer verunreinigt. So kamen die Juden in sehr große Bedrängnis; und das Joch der Bedrückung lastete schwer auf ihnen. Da erbarmte sich ihrer Gott. Er gewährte ihnen Hilfe und errettete sie. Die Hasmonäersöhne, die hoheupriesterlichen, obsiegten, — schlugen die Feinde und befreiten Israel von deren Macht. Ein König aus dem Priestergeschlechte wurde eingesetzt. — So gelangte Israel wieder zu einer Selbstständigkeit für eine Dauer von mehr als zweihundert Jahren. „Als die Juden ihre Feinde besiegten und vernichteten — es war am fünfundzwanzigsten Tage des Monats Kislew — und in den Tempel kamen, da fanden sie nur ein Krüglein reinen Oels, hinreichend für einen einzigen Tag. Sie aber entzündeten damit die sieben heiligen Lampen acht Tage lang, bis man wiederum Oliven gepreßt und reines Oel gewonnen hatte."