Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1881)
- Date
- 1881-12-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M so. XXII. Jahrgang. Der Israelit. Ein Central-Organ für das orthodoxe Judenthum. Herausgegeben von 1fr. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 14. Dezember 3642 (1881). Die'e Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in nlindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs IN Reicks-Mark. Man abonniri gan;iahrig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen Ulid Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petil^eile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Eours. — Tirecle g-ranco;usettdung unter Ltreiiband pro Jahrgang 13 Reichs-Mark oder 7 st. österr. an die Expedition franco einplsenden. Inhalt. Leitende Artikel: Zum dreiundtwanzigsten Jahrgänge. — (shaitukah. Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen: Desterr.-Ungar. Monarchie: 2mal Wien. Pesth. — Amerika: Washington. — Feuilleton: Akiba. Inhalt der ersten Beilage: . Leitender Artikel: Literarischer Bericht. Zoirungsnachrichteit und lKorrespondenzeu: Deutschland: Hannover. -- Feuilleton: Tie Brüder. Inhalt der zweiten Beilage: Zenungsitachrichlen und Korrespondenten: Deutschland: Eschwege. — Dest.-Nng. Monarchie: Wien. Aus Siebenbürgen. — Eng-! and: London. — -cnilleton: Eine Reise nach Tpanien und Marokko. Leitende Artikel. Z»m dreiundzwanzigsten Jahrgänge. Mainz, den 7. December. In der Erzählung „Akiba", die sich durch den ganzen, nunmehr bald vollendeten Jahrgang hin-! durchzieht, haben wir unfern geehrten Lesern eine i der wichtigsten und lehrreichsten Epochen der jüdischen i Geschichte vorgeführt. In ihr wurde von dem letzten j Sichausraffen der jüdischen Volkskraft im Kampfe! gegen das übermächtige röniische Weltreich, gegen j einen der mächtigsten und kräftigsten Kaiser berichtet. Juda wurde zu Boden geworfen; seine Helden fielen im Kampfe, und Hunderttausende jüdischer Leichen bedeckten die Gefilde von Bethar. Israel schien für immer vernichtet zu sein. Aber der Geist der heiligen Gotteslehre hat den Ueberrest Israels erhalten, gekräftigt und wieder emporblühen lassen. Seit jener Zeit hat das jüdische Volk das Schwert in die Scheide gesteckt, und die einzigen Waffen, mit denen es kämpft, sind die Waffen des Geistes. Viel und unendlich Schweres hat Juda im Laufe der Jahrhunderte erdulden müssen, bis gerade vor hundert Jahren der Stern der Humanität und religiösen Duldung aufging. Am zweiten Januar 1782 hat Kaiser Joseph II. das zu Gunsten der Juden erlassene Toleranzedict unterzeichnet und damit eine neue Aera in der Behandlung unsrer Glaubensgenossen inaugurirt, nachdem er im Jahre zuvor ein ähnliches Edict zn Gunsten der Protestanten erlassen hatte. Von da an und weiter wurde die Lage der Juden in Europa eine stets fortschreitend bessere. Die alten Fesseln wurden gelöst, die schnöden und barbarischen Ausnahmsgesetze wurden nach und nach aufgehoben; zunächst in Frankreich, wo die gewaltige Revolution von 1789 den Schutt der mittelalterlichen Vorurtheile auf einmal hinwegräumte; .in den übrigen Ländern Europa» ging es langsamer. In Deutschland wurde die völlige Gleichstellung erst im Jahre 1869 zu einer vollendeten Thatsache; allerdings nur theoretisch, denn die Praxis läßt auch heute noch viel zu wünschen übrig. Wir brauchen nur daran zu erinnern, daß es in der ganzen deutschen Armee, in der circa zwölstausend Juden dienen, keinen einzigen Liniert-Offieier gibt. Nnterdeß freuten sich unsre Glaubensgenossen der großen Errungenschaften unsres erleuchteten Jahrhunderts. Da sammelten sich plötzlich wieder finstere Wolken am Horizonte, und auch der Blitz ist her-