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Der Israelit · 1881-12-07 · Heft 49 (7.12.1881) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 49 (7.12.1881)
Date
1881-12-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1225 Streiche. Täglich kamen Klagen über mich. Mein Kruder Jacob ermahnte mich stets sanft und liebevoll. Eines Tages aber kam er wuthentbrannt nach Hause. Er hatte Verdruß mit dem Vorsteher der Gemeinde gehabt. Dieser hatte ihm vorgeworfen, daß er seinen eigenen Bruder nicht erziehen könne, den wildesten, ansgelassensten Buben des ganzen Dorfes. Ein Wort hatte das andere gegeben, und der Vorsteher hatte ihm die Stelle gekündigt. Das war aber ein Strich durch die Lebenspläne meines Bruders. Er liebte ein junges Mädchen aus dem Dorfe, die einzige Tochter einer kränklichen Wittwe. Sara, so hieß sie, hätte sich nimmer entschlossen, ihre kranke Mutter zu verlassen, und diese behauptete stets, es würde ihr Tod sein, wenn sie gezwungen wäre, von dem Dorfe hinwegznziehen, tit dem sie geboren wurde und das sie niemals verlassen hatte. — Jakob kam also int höchsten Zorne nach Hanse. Ich war der Störenfried, der ihm fein Lebensglück verkümmerte. Eine ganze Reihe von Sünden hielt er mir vor, Sünden, die ich zum größten Theile nicht begangen hatte; denn für Alles,'was im Dorfe Unrechtes geschah, wurde ich verantwortlich gemacht." „„Taugenichts"", schrie mir mein Bruder entgegen, „^was hast Du wieder angestcllt! Du hast in der Scheune des Hans Peter die Fenster eingeworfen!"" „Rein", sagte ich, „das habe ich nicht gethan!" „„Alle Welt behauptet, Du seiest es gewesen. Und jetzt leugnest Dn es! Du hast in des Bürgermeisters Garten die Aepfcl vom Baume gestohlen!"" „Rein", schrie ich, „das ist schändlich gelogen! Ich bin kein Dieb und habe noch niemals gestohlen!" „„Tu hast dem Vorsteher in der Synagoge mit Kreide einen Eselskopf auf den Rücken' gemalt!"" „Ja, das habe ich gethan!" „„schändlicher, gottvergessener Bube! Belohnst Du mir so all die Güte und Liebe, die ich an Dir verschwendet habe! Du hast mich um meine Stelle gebracht, Du hast mir mein Lebensglück geraubt! Jetzt aber ist es vorbei mit Güte und Nachsicht. Ich werde Dich exemplarisch bestrafen, ich werde Tich braun und blcm schlagen."" Er holte einen ^tock herbei und raunte wütheud! auf mich los. I „Jakob", rief ich, „schlage mich nicht, oder es! gibt ein Unglück!" j Bei diesen Worten zog ich mein Taschenmesser! hervor und hielt es meinem Bruder entgegen. Dieser j suchte mir das Messer zu entreißen; ich aber, ge-! wandt wie eilt Affe, entschlüpfte ihm; er rannte mir nach und versetzte mir mit seinem Stocke einen schweren Schlag über den Kopf. In demselben : Augenblicke stieß ich ihm mein scharfes Messer in die Brust. Er sank um. Ich warf mich über ihn und fing laut an zu weinen, ich riß ihm die Kleider auf und entfernte das Messer aus der Wunde. Ein breiter Vlutstrahl drang mir entgegen. Ich holte Wasser und Tücher herbei und suchte das Blut zu stillen. Da schlug mein Bruder die Augen auf. „Ich sterbe", sprach er mit zitternder Stimme. „Fliehe, Unglücklicher." „„Jacob"", schrie ich, „„ich bitte Dich, stirb nicht! Mache utich nicht zum Brudermörder! O, mein geliebter Bruder, Du warst immer so gut gegen mich, bist nttr ein zweiter Vater gewesen, und ich, ich habe Dich getödtet! Wenn Du stirbst, so will auch ich nicht länger leben!"" „Fliehe", sprach mein Bruder, „ehe es zu spät ist! Als unsre Eltern starben, habe ich ihnen versprochen, Dich zu beschützen und zu behüten. Testhalb bitte ich Dich, ergreife die Flucht!" Ich hatte ihn auf das Kanapee gelegt, und es war mir gelungen, die Wunde zu verbinden. „Rufe die Aufwärterin", sagte mein Bruder mit schwacher Stimme; „ich werde ihr sagen, ich habe aus Unvorsichtigkeit mich selbst verwundet- Du aber mache, daß Du fortkömmst. Jur Schranke liegen meine Ersparnisse, nimm sie und gehe in die weite Welt. Möge Gott Dir verzeihen, wie ich Dir verzeihe." Er wurde wieder ohnmächtig. Ich that so, wie er mir befohlen hatte. Ich wanderte von Ort zu Ort, von Stadt zu Stadt, unstät und flüchtig wie Kain, der Brudermörder. Als ich nach Amsterdam kam, war meine geringe Baarschaft aufgezehrt. Um nicht zu verhungern, nahm ich Dienste auf einem Ostindieufahrer. Damals hatten die Inden noch keine Familiennamen. „Wie heet de Jonge?" fragte mich der Eapitän. „„De Jonge"", sagte ich, „„die letzten Worte des Eapitäns wiederholend, Abrahan: de Jonge."" Seitdem führe ich diesen Flamen. — Was ich auf dem Schiffe gelitten, kann ich Dir nicht beschreiben. Wir kamen nach Sumatra. Tort verließ ich das Schiff, um mir Arbeit zu suchen. Ich war so glücklich, bei einem Glaubensgenossen ein Unterkommen zu finden. Eine große llmwandlung war mit mir vorgegangen; der wilde Muth meiner Jugend war gebrochen. Die schreckliche That, die ich begangen, belastete mein Gewissen. Ich gestattete mir keine Freude, kein Vergnügen, keine Zerstreuung. Dagegen arbeitete ich unablässig und suchte durch strenge und aufrichtige Frömmigkeit die Verzeihung des allmächtigen Gottes zu erlangen. Und Gott war ersichtlich mit mir. Was ich unternahm, gelang. Bald hatte ich ein beträchtliches Vermögen erworben, das im Laufe der Jahre zu großem Reich,

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