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Der Israelit · 1881-12-07 · Heft 49 (7.12.1881) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 49 (7.12.1881)
Date
1881-12-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1224 AuL Köslin wird gemeldet; Zn dem Prozeß wegen des Schievelbeincr Judenkrawalls haben die Geschworenen heute Mittag nach 12 Uhr ihr Vedikt dahin abgegeben, daß neunzehn Angeklagten wegen schweren Aufruhrs und Landsriedenbruchs, drei Angeklagte wegen einfachen Landfriedenbrnchs, schuldig befunden worden sind. Freigesprochen wurden sechs Angeklagte, unter ihnen Rentier Brewing und ein fünfzehnjähriger Knabe. Als Rädelsführer wurde keiner fi'iv schuldig erklärt. Mildernde Umstände wurden Allen bewilligt mit Ausnahme der Denunziantin Nowakowski. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 20. Nov. Zum Zwecke einer Wahlbesprechung für die Ergänzungswahlen in beu Vorstand der Wiener israelitischen Eultusgemeinde wurde für heute eine Wähler- Versammlung einberufcn, in welcher der Vorsitzende Herr Pollak Ritter v. Bertenau den Wählern vorerst einen Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes im abgelausencn Jahre gab, dem wir Folgendes entnehmen: Da sich die Zahl der innerhalb der Linien Wiens wohenenden Juden im Zeiträume 1870 bis 1880 von 40,000 auf 70,000 erhöht hat, ist ein selbstständiges Matrikel-Amt nothwendig geworden. Testamentarisch haben der Gemeinde vermacht: Herr Ludwig Bürger 70,000 fl. zur Errichtung eines Knabcn-Waisenhanses und Frau Charlotte Werner 50,000 ft. zur Versorgung arbeitsunfähiger alter Leute. An weiteren Spenden sind eingegangen von Frau Biedermann 2000 fl., Herrn Kornitzer 2000 fl., Frau Feigel 10,000 fl., Dr. Nappaport 10,000 fl., einem Ungenannten 1000 fl. Feuilleton. Aie Irüder. ii. „Papa," sagte Marianne beim Mittagsmahle, „ich lerne so außerordentlich gut bei Herrn Herzberg, und es wird mir unendlich leid fein, wenn, nachdem unser Aufenthalt hier beendet sein wird, der Unterricht unterbrochen werden soll. Könntest Du Herrn Herzberg nicht veranlassen, bei uns zu bleibend Den Gehalt, den er hier bekömmt, kannst Du ihm ja leicht ersetzen." Herr de Jongc sah seine Tochter prüfend an. Dann sagte er lächelnd: „Aufs Geld konnnt es mir nicht an, aber in meinen Gewohnheiten lasse ich mich nicht gerne stören." „„Ich weiß nicht"", entgegnete Marianne eifrig, „„in wiefern Dich Herr Herzberg in Deinen Gewohnheiten stören würde. Der junge Manu ist so bescheiden und rücksichtsvoll, und Du könntest ihn ganz gut als Secretär und Vorleser verwenden. Nicht wahr, Väterchen, Du gewährst meine Bitte „Mein liebes Töchterchen, Du bist noch viel zu jung und unerfahren, um die Tragweite Deiner Bitte zu begreifen. Wenn ich Herrn Herzberg engagiren würde, so müßte der junge Mann meinen, daß er Dir unentbehrlich geworden sei" „„Aber Papa, das ist er ja auch! Ich habe so viel und so gut bei ihm gelernt!"" „Meinst Du, daß es in Europa nicht noch mehr Lehrer gibt, bei denen Du eben so gut und viel lernen kannst L Du weißt, ich gedenke mich in irgend einer europäischen Hauptstadt dauernd niederzulasfen, sei es in Amsterdam, in Paris, oder in einer kleinern, angenehmen Stadt, in Frankfurt am Main oder sonstwo. Ileberall, wo wir unfern Aufenthalt nehmen werden, wird man tüchtige und geschickte Lehrer finden können." „„Aber keinen wie Nathan Herzberg. Ich bitte Dich Papa, thne es mir zu Liebe, engagire ihn!"" „Ich fürchte, ich fürchte, es ist nicht der Unterricht, der Dir so sehr am Herzen liegt, sondern die Persoll des Lehrers." „„Und wenn dem so wäre? Ist Nathan Herzberg lischt ein sehr ehrenwerther, braver, gebildeter, junger Mann? Freilich, er ist arm. Aber, was schadet das? Du hast ja Geld genug."" „Auf's Geld kömmt es nttr nicht an; aber in meinen Gewohnheiten, ich wollte sagen, in meinen Plänen will ich mich nicht stören lassen. Du darfst nicht daran denken, Marianne, diesen jungen Lehrer zn heirathen. Ich habe bereits anderweitig über Dich verfügt." „„Aber, Papa, bin ich denn eine Maare, über die man so ohne Weiteres verfügen kann?"" „Nein, mein Kind, das gerade nicht; aber ich meinerseits bin doch berechtigt, anzuuehmen, daß Di: bei Deiner Verheirathnng meineWünsche berücksichtigen wirst." „„Aber, lieber Vater, was kannst Du gegen Nathan Herzberg einzuwenden haben?"" „Gar nichts, aber ich habe Verpflichtungen gegen einen Lindern. Höre meine Kind, es ist eine traurige (beschichte, die ich Dir zu erzählen habe, und wem: Tn sie gehört haben wirst, so wirst Du anders über diese Angelegenheit denken. Ich bin in dem kleinen, deutschen Dorfe Niederschopfingen geboren, wo mein Vater als Lehrer bei der jüdische!'. Gemeinde angestellt war. Meine Eltern starben früh, und mein älterer Bruder — ich hatte sollst keine Geschwister — erhielt das Amt meines Vaters. Er sorgte für mich in väterlicher Weise, aber ich war ein wilder, unbändiger Junge, voll thörichter

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