Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1881)
- Date
- 1881-12-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447850-2447895--18298-2474334- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1226 thum anschwoll. Der reichste Glaubensgenoffe auf Sumatra, Mynheer van Bosen, bot mir die Hand seiner einzigen Tochter an. „Mynheer", sagte ich, „Ihr Antrag ehrt mich sehr und Myjongfrow van Bosen gefällt mir gar wohl. Allein, ich kann mich nickt entschließen, ein Mädchen an mein schweres Geschick zu ketten." Und ich vertraute ihm an, was mein Herz belastete. „Freilich", sagte er, als ich ausgesprochen hatte, „unter diesen Umständen thun Sie Recht daran, wenn Sie nicht heirathen." Er verließ mich; ich blieb in der düstersten Stimmung zurück. Erft jetzt fühlte ich, wie Werth und theuer mir die Jungfrau war, auf deren Besitz ich verzichten mußte. Am andern Tag kam Mynheer van Bosen wieder zu mir. „Mynheer de Jonge", sagte er, „ich habe meiner Tochter Alles mitgetheilt, was Sie mir anvertraut haben. Die Liebe, sagt König Salomon, macht das Gerade krumm und wohl auch das Krumme gerade. Das Meisjen*) meint, daß die That, welche Sie als Knabe begangen, nicht so schwer wiege; und daß sie keinen Andern heirathen wolle als den Herrn de Jonge." So wurde Deine Mutter meine Braut. Die reine Liebe des edlen, jungen Mädchens fing an, mein düsteres Dasein zu verschönen. Ach, daß ich sie sobald habe wieder verlieren müssen! Du weißt, sie starb wenige Jahre nach Deiner Geburt." Thränen entströmten den Augen des alten Herrn. Seine Tochter umarmte und küßte ihn. „Ich bitte Dich, lieber Vater", sagte sie, „rege Dich nicht auf und erzähle mir weiter." *) Mädchen. „„Im vorigen Jahre"", fuhr Herr de Jonge, seine Thränen trocknend, in seiner Erzählung fort, „„kam ein Fremder nach Sumatra, von dem ich erfuhr, daß er aus Wiesenborn gebürtig sei, einem Dorfe nicht weit von meinem Heimathsorte. Ohne mich ihm zu erkennen zu geben, fragte ich ihn nach allen heimischen Verhältnissen. Da erfuhr ich zu meiner freudigsten Ueberraschung, daß mein Bruder nicht gestorben sei. Lange hatte er am Tode gelegen, aber seine junge, kräftige Natur hatte endlich gesiegt; er war genesen und hatte das Mädchen seiner Liebe geheirathet. Nach dem Tode seiner Schwiegermutter hatte er eine andere Stelle angenommen; seinen jetzigen Aufenthalt wußte der Fremde nicht anzugeben. Wer war glücklicher als ich! Aber wie sollte ich meinen Bruder finden. Auch in Deutschland hatten die Juden Familiennamen angenommen, und ich kannte denjenigen meines Bruders nicht, ebenso wenig wie er den meinigen kennt! Ich schrieb zwar an den Bürgermeister von Niederschopfingen und bat um Auskunft über den Aufenthaltsort des dort geborenen, jüdischen Lehrers Jakob. Mit Ungeduld wartete ich auf Antwort. Diese kam endlich. Aber der Bürgermeister theilte mir mit, daß in Niederschopfingen keine Juden mehr wohnen, daß dieselben sämmtlich nach größeren Städten gezogen seien, daß man mir in Folge dessen die gewünschte Auskunft nicht ertheilen könne. Nun beschloß ich selbst nach Deutschland zu reisen und meinen Bruder aufzusuchen. Wie Du weißt, wurde ich unterwegs krank, und der Arzt bestand darauf, daß ich schleunigst hierher zur Kur reisen sollte. Sobald meine Kur beendet ist, mache ich mich auf die Suche, und wenn mein Bruder einen ledigen Sohn im heiratsfähigen Alter hat, so sollst Du ihn heirathen und wieder gut machen, was ich an meinem Bruder verbrochen habe."" (Fortsetzung folgt.) Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Inseraten - Annahme für Frankfurt a. M. bei I. Kauffmann, Buchhandlung; für Hamburg bei A Goldschmidt, Buchhandlung, Kohlhöfen 35; für Cöln bei Leo Frank, Steinfeldergasse 7; für München bei N. Bettelheim, Färbergraben 29. /lLFn junger Mann, der seither in einem Material - Geschäft thälig war, wegen relig. Berhältnissen aber gezwungen ist, dasselbe zu verlassen, sucht sofort anderweitig eine Stelle als Lehrling, Kost und Logis wird im Hause erbeten. Diesbez. Offerten an die Exped. d. Bl. unter Nr. 4112. ^>ür das Comptoir einer Branntwein- O Handlung und Liqueurfabrik, welches Samstag und Festtage geschlossen ist, wird ein Lehrling mit guten Schnlkenntnissen gesucht. Kost und Wohnung im Hause. Offerten besorgt unter Nr. 4104 die Expedition d. Bl. k!>ür ein Kurz- und Strumpfwaaren - Ge- *0 schüft en gros, welches Samstag streng geschlossen, wird zum baldigen Eintritt em Lehrling gesucht. Kost und Logis gegen Vergütung im Hause. Offerten unter Chiffre 2. Nr. 4058 bitte an die Exped. d. Bl. gelangen zu lallen.